Interview mit HX-CEO Gebhard Rainer08.12.25, 11:30 Uhr
„Expedition bedeutet Verantwortung“
Für den Vertrieb bringt der Markenwandel von HX Expeditions vor allem eins: mehr Klarheit im Produkt und stärkere Unterstützung im Verkauf. CEO Gebhard Rainer erklärt, warum sich die Expeditionsreederei bewusst von der klassischen Hurtigruten-Welt gelöst hat, welche Rolle Reisebüros im DACH-Markt weiterhin spielen und wie wissenschaftlich orientierte Reisen neue Beratungschancen eröffnen – von klar differenzierten Routen bis hin zu exklusiven Vertriebsinitiativen im kommenden Jahr.

HX-CEO Gebhard Rainer sieht HX als Anbieter „echter Expeditionen“. Foto: HX Expeditions
Herr Rainer, Sie haben in diesem Jahr den Namen Hurtigruten konsequent aus HX Expeditions herausgelöst. Warum war dieser Schritt notwendig?
Wir hatten bewusst den Anspruch, unser Expeditionsprodukt klar zu differenzieren. HX Expeditions ist seit Februar rechtlich und operativ ein eigenständiges Unternehmen – mit einem eigenen, deutlich anders ausgerichteten Produkt als das klassische Hurtigruten-Angebot. Das bedeutet nicht, dass eines besser wäre als das andere. Aber wir bedienen unterschiedliche Kundenerwartungen, und dafür braucht es eine klare, eigenständige Marke.
Der Name Hurtigruten ist besonders im deutschsprachigen Raum tief verankert. Wie schwer ist es, diese Marke aus den Köpfen zu lösen?
Es ist tatsächlich eine große Herausforderung. Der Name Hurtigruten ist ein Haushaltsbegriff – und in Deutschland, Österreich und der Schweiz so präsent, dass er sich nicht einfach ablösen lässt. Wir müssen immer wieder erklären: Wir sind HX Expeditions, wir stehen für etwas anderes. Aber ich sehe, dass der Markt diese Unterscheidung zunehmend versteht. Gespräche mit unseren Partnern zeigen mir: Die Marke ist angekommen.
Der DACH-Markt spielt traditionell eine enorme Rolle für Ihr Unternehmen. Gilt das weiterhin?
Absolut. Der DACH-Markt ist weiterhin unser wichtigster Markt und auch der größte. Vielleicht wird eines Tages der amerikanische Markt aufgrund des Potenzials größer – aber das schmälert die Bedeutung des DACH-Markts nicht. Die Reisebüros hier sind zentral für unseren Erfolg. Ohne sie könnten wir unsere Marke nicht so erfolgreich etablieren.
HX Expeditions betont stärker als andere Anbieter die wissenschaftliche Dimension seiner Reisen. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Wir haben einen ausgeprägten Fokus auf Wissenschaft und Bildung – das ist ein zentraler Bestandteil unserer DNA. Jedes unserer Schiffe verfügt über ein voll ausgestattetes Science Center. Wir arbeiten mit über 30 wissenschaftlichen Institutionen weltweit zusammen – und es wird echte Forschung betrieben, nicht für Touristen gestellt. Bei uns gibt es keine Disney-Programme. Unsere Experten und die lokalen Communities entwickeln Inhalte, die auf Wissenschaft und Bildung ausgerichtet sind und die Gäste zum Nachdenken bringen. Wir wollen, dass Reisende die Welt neu sehen – gerade angesichts der Veränderungen in der Arktis und Antarktis.
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Wissenschaft ist ein Kernelement von Reisen mit HX Expeditions
Wie stark ist Wissenschaft in das Produkt tatsächlich integriert?
Sie ist ein Kernbestandteil. Die Ozeane produzieren rund 50 Prozent des globalen Sauerstoffs, sie binden CO₂ und bilden die Basis unserer gesamten Nahrungskette. Dennoch richtet sich die weltweite Aufmerksamkeit weit stärker auf den Amazonas als auf die Meere. Genau hier sehen wir unsere Aufgabe: dieses Bewusstsein zu schärfen und die Bedeutung der Ozeane sichtbar zu machen. Kurz gesagt: Unsere Expeditionen sollen Menschen nicht nur an besondere Orte bringen – sie sollen sie befähigen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Unsere Wissenschaftler forschen nicht nur, sie vermitteln auch.
Sie sprechen häufig über „Produktklarheit“. Was bedeutet das konkret?
Ein Beispiel ist Alaska. Viele verbinden Alaska-Reisen automatisch mit großen Kreuzfahrtschiffen. Unser Alaska aber beginnt im Norden jenseits von Anchorage, dort, wo große Schiffe nicht operieren können. Wir bieten echte Expeditionen mit täglichen Zodiac-Anlandungen an Orten, die nur kleinere Schiffe erreichen. Das muss klarer kommuniziert werden. Wir arbeiten daran, unsere Angebote stärker zu differenzieren und einfacher verständlich zu machen – für Reisebüros und Kunden.
Sie befinden sich mitten in einem Transformationsjahr. Wo stehen Sie?
Wir sind fast am Ende des ersten Jahres der Umstellung. Nicht alles funktioniert bereits reibungslos – das wissen unsere Partner. Wir stellen unsere Systeme um, migrieren Daten und bauen Strukturen neu auf. Bis Ende März ist dieser Systemwechsel abgeschlossen. Dann können wir uns voll darauf konzentrieren, Prozesse zu vereinfachen, Fehlerquellen zu beseitigen und ein noch verlässlicherer Partner zu sein.
Was sind Ihre wichtigsten Zusagen an den Vertrieb?
Drei Punkte: Erstens Verlässlichkeit. Reisebüros müssen sich zu 100 Prozent auf uns verlassen können. Zweitens Produktklarheit – unsere Angebote müssen eindeutig und verständlich sein. Und drittens nachhaltiges Wachstum: Wir wollen die Marke international weiterentwickeln, aber immer verantwortungsvoll.
Sie haben bereits die Saisons 2027/2028 veröffentlicht. Welche Wachstumsstrategie verfolgen Sie?
Wir wollen unsere Produktpalette erweitern, neue Destinationen erschließen und gleichzeitig sicherstellen, dass jede neue Reise sinnvoll ist – ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Für uns ist es essenziell, mit lokalen Gemeinden zusammenzuarbeiten und Erlebnisse zu entwickeln, die für die Region passen. Wir wollen keinen negativen Fußabdruck hinterlassen. Im Gegenteil: Unser Ziel ist, positive Spuren zu schaffen.
Kommendes Jahr feiern sie Jubiläum: 130 Jahre Expeditionsreisen. Was planen Sie zu diesem Anlass?
Wir wollten bewusst etwas schaffen, das unsere Geschichte mit unserem heutigen Expeditionsanspruch verbindet – nicht nostalgisch, sondern erlebbar. Zum 130-jährigen Jubiläum führen wir deshalb die „1896 Kabine“ ein, eine originalgetreu nachempfundene Expeditionskabine aus dem späten 19. Jahrhundert. Unsere erste Expedition nach Spitzbergen startete 1896, und genau in dieses Jahr versetzen wir die Gäste nun zurück.
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Blick in die „1896 Kabine“
Die Kabine ist mit handgefertigten Möbeln ausgestattet, mit historischen Details und sogar mit authentischen Düften, um den Geist der frühen Entdecker spürbar werden zu lassen. Sie wird während des gesamten Jubiläumsjahres exklusiv auf der MS Fridtjof Nansen verfügbar sein. Die Kabine kann als Zusatzleistung für 450 Euro pro Nacht gebucht werden, egal ob Einzel- oder Doppelbelegung. Die Verfügbarkeit ist bewusst limitiert: maximal eine Nacht pro Gast und Reise. Und das Projekt hat auch einen sozialen Zweck: 50 Prozent aller Erlöse fließen in die HX Foundation, die im Jubiläumsjahr ein flottenweites Spendenziel von 150.000 Euro unterstützt.
Gibt es im kommenden Jahr etwas Besonderes für den Vertrieb – neue Formate, Initiativen oder Aktionen?
Ja, absolut. Wir möchten dem Vertrieb noch mehr Möglichkeiten geben, unser Produkt aus erster Hand kennenzulernen. Deshalb nehmen wir im Mai die MS Fridtjof Nansen für zwei Tage aus dem regulären Fahrplan und veranstalten eine große, exklusive Inforeise nach Helgoland. Rund 400 Expedientinnen und Expedienten werden die Gelegenheit haben, unser Schiff, unsere Crew, unsere wissenschaftlichen Formate und die gesamte HX-Philosophie direkt an Bord zu erleben.
Es wird ein kompaktes, aber intensives Programm geben: Workshops, Expeditions-Briefings, Zodiac-Übungen, Vorträge unseres Expeditionsteams und natürlich die Möglichkeit, das Schiff in Ruhe zu erkunden. Unser Ziel ist, dass unsere Vertriebspartner nach diesen zwei Tagen ein tiefes Verständnis dafür haben, was HX Expeditions ausmacht – und dass sie dieses Wissen mit klarer Überzeugung an ihre Kunden weitergeben können.

Gebhard Rainer (links) mit Verkaufsleiterin DACH, Kimberly Setzermann, und Nathaniel Sherborne, Senior Vice-President und Managing Director EMEA/ANZ
Wir hatten bewusst den Anspruch, unser Expeditionsprodukt klar zu differenzieren. HX Expeditions ist seit Februar rechtlich und operativ ein eigenständiges Unternehmen – mit einem eigenen, deutlich anders ausgerichteten Produkt als das klassische Hurtigruten-Angebot. Das bedeutet nicht, dass eines besser wäre als das andere. Aber wir bedienen unterschiedliche Kundenerwartungen, und dafür braucht es eine klare, eigenständige Marke.
Der Name Hurtigruten ist besonders im deutschsprachigen Raum tief verankert. Wie schwer ist es, diese Marke aus den Köpfen zu lösen?
Es ist tatsächlich eine große Herausforderung. Der Name Hurtigruten ist ein Haushaltsbegriff – und in Deutschland, Österreich und der Schweiz so präsent, dass er sich nicht einfach ablösen lässt. Wir müssen immer wieder erklären: Wir sind HX Expeditions, wir stehen für etwas anderes. Aber ich sehe, dass der Markt diese Unterscheidung zunehmend versteht. Gespräche mit unseren Partnern zeigen mir: Die Marke ist angekommen.
Der DACH-Markt spielt traditionell eine enorme Rolle für Ihr Unternehmen. Gilt das weiterhin?
Absolut. Der DACH-Markt ist weiterhin unser wichtigster Markt und auch der größte. Vielleicht wird eines Tages der amerikanische Markt aufgrund des Potenzials größer – aber das schmälert die Bedeutung des DACH-Markts nicht. Die Reisebüros hier sind zentral für unseren Erfolg. Ohne sie könnten wir unsere Marke nicht so erfolgreich etablieren.
HX Expeditions betont stärker als andere Anbieter die wissenschaftliche Dimension seiner Reisen. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Wir haben einen ausgeprägten Fokus auf Wissenschaft und Bildung – das ist ein zentraler Bestandteil unserer DNA. Jedes unserer Schiffe verfügt über ein voll ausgestattetes Science Center. Wir arbeiten mit über 30 wissenschaftlichen Institutionen weltweit zusammen – und es wird echte Forschung betrieben, nicht für Touristen gestellt. Bei uns gibt es keine Disney-Programme. Unsere Experten und die lokalen Communities entwickeln Inhalte, die auf Wissenschaft und Bildung ausgerichtet sind und die Gäste zum Nachdenken bringen. Wir wollen, dass Reisende die Welt neu sehen – gerade angesichts der Veränderungen in der Arktis und Antarktis.
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Wissenschaft ist ein Kernelement von Reisen mit HX Expeditions
Wie stark ist Wissenschaft in das Produkt tatsächlich integriert?
Sie ist ein Kernbestandteil. Die Ozeane produzieren rund 50 Prozent des globalen Sauerstoffs, sie binden CO₂ und bilden die Basis unserer gesamten Nahrungskette. Dennoch richtet sich die weltweite Aufmerksamkeit weit stärker auf den Amazonas als auf die Meere. Genau hier sehen wir unsere Aufgabe: dieses Bewusstsein zu schärfen und die Bedeutung der Ozeane sichtbar zu machen. Kurz gesagt: Unsere Expeditionen sollen Menschen nicht nur an besondere Orte bringen – sie sollen sie befähigen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Unsere Wissenschaftler forschen nicht nur, sie vermitteln auch.
Sie sprechen häufig über „Produktklarheit“. Was bedeutet das konkret?
Ein Beispiel ist Alaska. Viele verbinden Alaska-Reisen automatisch mit großen Kreuzfahrtschiffen. Unser Alaska aber beginnt im Norden jenseits von Anchorage, dort, wo große Schiffe nicht operieren können. Wir bieten echte Expeditionen mit täglichen Zodiac-Anlandungen an Orten, die nur kleinere Schiffe erreichen. Das muss klarer kommuniziert werden. Wir arbeiten daran, unsere Angebote stärker zu differenzieren und einfacher verständlich zu machen – für Reisebüros und Kunden.
Sie befinden sich mitten in einem Transformationsjahr. Wo stehen Sie?
Wir sind fast am Ende des ersten Jahres der Umstellung. Nicht alles funktioniert bereits reibungslos – das wissen unsere Partner. Wir stellen unsere Systeme um, migrieren Daten und bauen Strukturen neu auf. Bis Ende März ist dieser Systemwechsel abgeschlossen. Dann können wir uns voll darauf konzentrieren, Prozesse zu vereinfachen, Fehlerquellen zu beseitigen und ein noch verlässlicherer Partner zu sein.
Was sind Ihre wichtigsten Zusagen an den Vertrieb?
Drei Punkte: Erstens Verlässlichkeit. Reisebüros müssen sich zu 100 Prozent auf uns verlassen können. Zweitens Produktklarheit – unsere Angebote müssen eindeutig und verständlich sein. Und drittens nachhaltiges Wachstum: Wir wollen die Marke international weiterentwickeln, aber immer verantwortungsvoll.
Sie haben bereits die Saisons 2027/2028 veröffentlicht. Welche Wachstumsstrategie verfolgen Sie?
Wir wollen unsere Produktpalette erweitern, neue Destinationen erschließen und gleichzeitig sicherstellen, dass jede neue Reise sinnvoll ist – ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Für uns ist es essenziell, mit lokalen Gemeinden zusammenzuarbeiten und Erlebnisse zu entwickeln, die für die Region passen. Wir wollen keinen negativen Fußabdruck hinterlassen. Im Gegenteil: Unser Ziel ist, positive Spuren zu schaffen.
Kommendes Jahr feiern sie Jubiläum: 130 Jahre Expeditionsreisen. Was planen Sie zu diesem Anlass?
Wir wollten bewusst etwas schaffen, das unsere Geschichte mit unserem heutigen Expeditionsanspruch verbindet – nicht nostalgisch, sondern erlebbar. Zum 130-jährigen Jubiläum führen wir deshalb die „1896 Kabine“ ein, eine originalgetreu nachempfundene Expeditionskabine aus dem späten 19. Jahrhundert. Unsere erste Expedition nach Spitzbergen startete 1896, und genau in dieses Jahr versetzen wir die Gäste nun zurück.
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Blick in die „1896 Kabine“
Die Kabine ist mit handgefertigten Möbeln ausgestattet, mit historischen Details und sogar mit authentischen Düften, um den Geist der frühen Entdecker spürbar werden zu lassen. Sie wird während des gesamten Jubiläumsjahres exklusiv auf der MS Fridtjof Nansen verfügbar sein. Die Kabine kann als Zusatzleistung für 450 Euro pro Nacht gebucht werden, egal ob Einzel- oder Doppelbelegung. Die Verfügbarkeit ist bewusst limitiert: maximal eine Nacht pro Gast und Reise. Und das Projekt hat auch einen sozialen Zweck: 50 Prozent aller Erlöse fließen in die HX Foundation, die im Jubiläumsjahr ein flottenweites Spendenziel von 150.000 Euro unterstützt.
Gibt es im kommenden Jahr etwas Besonderes für den Vertrieb – neue Formate, Initiativen oder Aktionen?
Ja, absolut. Wir möchten dem Vertrieb noch mehr Möglichkeiten geben, unser Produkt aus erster Hand kennenzulernen. Deshalb nehmen wir im Mai die MS Fridtjof Nansen für zwei Tage aus dem regulären Fahrplan und veranstalten eine große, exklusive Inforeise nach Helgoland. Rund 400 Expedientinnen und Expedienten werden die Gelegenheit haben, unser Schiff, unsere Crew, unsere wissenschaftlichen Formate und die gesamte HX-Philosophie direkt an Bord zu erleben.
Es wird ein kompaktes, aber intensives Programm geben: Workshops, Expeditions-Briefings, Zodiac-Übungen, Vorträge unseres Expeditionsteams und natürlich die Möglichkeit, das Schiff in Ruhe zu erkunden. Unser Ziel ist, dass unsere Vertriebspartner nach diesen zwei Tagen ein tiefes Verständnis dafür haben, was HX Expeditions ausmacht – und dass sie dieses Wissen mit klarer Überzeugung an ihre Kunden weitergeben können.

Gebhard Rainer (links) mit Verkaufsleiterin DACH, Kimberly Setzermann, und Nathaniel Sherborne, Senior Vice-President und Managing Director EMEA/ANZ

