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Tagung, Mitgliederversammlung, Vorstandsw...
02.11.25, 08:33 Uhr

Wirtschaftlich „pumperlg’sunder“ AER firmiert ab 2026 um

Der AER trennt künftig klar zwischen Kooperations- und Touristikgeschäft. Vorstand Rainer Hageloch präsentierte auf der Jahrestagung in Innsbruck die neue Struktur und kündigte Investitionen in Digitalisierung, ein Bonusmodell für Reisebüros und einen eigenen Innovation Hub an. Zwei neue Vorstands-Posten wurden neu besetzt.

Seit zehn Jahren an der Spitze des AER: Rainer Hageloch steuert die Kooperation in die Zukunft. Foto: Felix Hormel
 


Die AER Kooperation richtet sich neu aus und wird künftig unter dem Namen AER Touristik auftreten. Das hat Vorstand Rainer Hageloch bei der ausverkauften Jahrestagung in Innsbruck vor rund 360 Teilnehmern bekannt gegeben. Parallel entsteht eine eigenständige GmbH, die das klassische Kooperationsgeschäft übernehmen soll.

Klare Rollenverteilung

Die neue Struktur soll Aufgaben und Verantwortlichkeiten innerhalb der Gruppe klar trennen. Während die AER Touristik AG künftig als Holding agiert und Dividenden an Vorzugsaktionäre ausschüttet, bleibt die AER Kooperations GmbH zentrale Anlaufstelle für Mitglieder. Sie bündelt Incentives, Dienstleistungen und das Kooperationsgeschäft.

„Wir kommen aus dem Kooperationskreis, sind heute aber viel mehr“, sagt Hageloch. „Wir möchten uns stärker auf das Kooperationsgeschäft fokussieren, weil es unsere DNA ist.“ Ziel sei eine transparente Aufstellung, eine verständliche Markenarchitektur und eine klar erkennbare Marktposition unter einer einheitlichen Dachmarke.

Fünf Geschäftsbereiche, 65 Firmen

Zur AER-Gruppe gehören fünf Geschäftsbereiche: Kooperation, Flug, Technik, stationärer Vertrieb und Spezialveranstalter. Insgesamt umfasst der Konzern mehr als 65 Firmen in 15 Ländern.

Mit Fairweg betreibt die Gruppe eine eigene stationäre Agenturkette mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit, der aktuell zehn – wie Hageloch betont: wirtschaftlich rentable – Reisebüros angehören. Der jüngste Erwerb des Bahnerlebnisreise-Veranstalters Ameropa zahlt ebenfalls auf Vorsatz ein, nachhaltige Angebote stärker zu positionieren.

Wirtschaftlich im Sattel

Wirtschaftlich sieht sich die Gruppe solide aufgestellt. „Wir sind pumperlg’sund“, so Hageloch. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 20 Prozent, das operative Ergebnis für 2024 beträgt rund 3,1 Millionen Euro. Davon entfallen 2,9 Millionen Euro auf Beteiligungsergebnisse. Insgesamt wurden 3,6 Millionen Euro an Incentives an Partner ausgeschüttet. Laut Hageloch sei ein Großteil des Wachstums aus eigenen Mitteln finanziert worden.

Auch für die Jahre 2025 und 2026 erwartet AER ein stabiles Ergebnis. Die Bilanzsumme der Gruppe liegt bei rund 220 Millionen Euro.

Plus bei Buchungen, weniger Gäste

Der Start in den Winter 2025/2026 verlief nach Angaben von Hageloch erfreulich. Die Buchungen lägen aktuell rund neun Prozent über dem Vorjahresniveau. Für 2026 rechnet AER mit weiter steigenden Durchschnittspreisen und Umsätzen – bei nach wie vor rückläufiger Gästezahl, gemessen am Pax-Volumen aus der Zeit vor Corona.

Besonders dynamisch entwickelt sich laut Hageloch der Fern- und Spezialreisemarkt, der aktuell zweistellige Wachstumsraten verzeichnet.

Neue Anreize für den Vertrieb

Um die wirtschaftliche Situation der Reisebüros zu verbessern und mehr Geschäft innerhalb des Verbunds zu halten, startet AER ein neues Bonusmodell: Für jede Million Euro touristischen Umsatz erhalten Mitglieder 1.000 Euro. Zusätzlich gibt es mindestens 20 Prozent obendrauf, wenn wenigstens fünf Prozent dieses Umsatzes auf Buchungen bei Spezialveranstaltern entfallen.

Im Ergebnis soll so „in der Gruppe stärker auf uns selbst zurückgegriffen“ werden, so Hagelochs Wunsch.

Ausbau der Servicewelt und Innovationsstrategie

Parallel plant AER eine umfassende Dienstleistungsoffensive. Unter dem Dach der AER Reise Servicewelt sollen Reisebüros künftig stärker betriebswirtschaftlich unterstützt werden, um sich auf Beratung und Verkauf konzentrieren zu können. Ein geplanter Innovation Hub soll technologische Entwicklungen, etwa KI, frühzeitig erkennen und in der Praxis nutzbar machen.

Außerdem ist die Einführung eines Scoring-Systems vorgesehen, um die Wirksamkeit der angebotenen Services zu monitoren. „Wir wollen euch das Fundament geben, damit ihr euch auf eure Stärke konzentrieren könnt – den Verkauf individueller Reisen“, rief Hageloch den Mitgliedern in Innsbruck entgegen.

Standortnachteile und politische Unsicherheit

Kritik äußerte der AER-Lenker mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen und die Standortkosten für die Luftfahrtindustrie. Die Abfertigung eines Airbus A320 koste in Frankfurt rund 4.000 Euro – in Madrid nur 900 Euro. Die eigentlich zugesagte Senkung staatlicher Abgaben sei auf 2027 verschoben worden. Auch die Reform der EU-Pauschalreiserichtlinie bereite Sorgen. Man hoffe auf eine pragmatische Auslegung durch die EU.

Digitalisierung braucht Tempo

Die Digitalisierung zählt für Hageloch zu den zentralen Baustellen der kommenden Jahre. „Wir wissen, dass wir bei der Digitalisierung Nachholbedarf haben“, so der Vorstand. Künstliche Intelligenz werde künftig ein Schlüsselfaktor. Mit dem geplanten Innovation Hub will AER neue Technologien schneller erkennen, prüfen und anwenden.

Klimawandel bleibt Top-Thema

Auch die Folgen des Klimawandels rückte Hageloch in den Fokus. Der Tropensturm Melissa habe zuletzt schwere Schäden und Chaos unter anderem über Jamaika, Kuba und Haiti gebracht. „Melissa war einer der stärksten Hurrikans, die wir je erlebt haben. Das darf uns nicht kaltlassen.“

Im Rahmen der Jahrestagung hatte ZDF-Meteorologe Karsten Schwanke als Gastredner skizziert, inwiefern derlei Extremwetterereignisse nicht häufiger, aber deutlich heftiger werden. Die Branche müsse Nachhaltigkeit als zentrales Handlungsfeld begreifen – „nicht nur aus Überzeugung, sondern auch aus Verantwortung“, so Hageloch.

Wechsel im Vorstand

Bei der abschließenden Mitgliederversammlung und den ordentlichen Wahlen wurden zwei der fünf Vorstands-Sitze neu besetzt. Nicht mehr kandidiert hatten Anna Fembacher vom Traunsteiner Reisebüro Ticket Easy und Christina Bauer von dem auf Rundreisen in Asien spezialisierten Veranstalter Green Tiger Travel mit Sitz in Freiburg im Breisgau.

Stattdessen kandidierte erfolgreich der Gründer und Ex-CEO des AER-eigenen Consolidators Aerticket, den heute Holger Taubmann leitet, Rainer Klee. Ebenfalls neu im Vorstand ist Georg Albrecht, Geschäftsführer des Ludwigsburger Studienreisespezialisten Karawane. In ihren Vorstands-Posten bestätigt wurden Forum Anders Reisen-Chefin Petra Thomas, Erlebe Fernreisen-Geschäftsführer Ralf Wiemann und Kathrin Angelstein vom Hamburger Reisebüro Fairlines.