Pandemie05.08.21, 18:00 Uhr
Mehr Rechte für Geimpfte?
Die diksussion nimmt Fahrt auf. In vielen Ländern Europas ist die Zweiteilung bereits Realität. Ein kleiner Überblick.

Seit einige Wochen diskutieren Medien und Politiker über unterschiedliche Rechte für Geimpfte und Nicht-Geimpfte. In vielen Ländern Europas wird jedoch nicht lange gefackelt und bereits Fakten geschaffen.
In all Ländern, deren Impfquote jenseits der 50 Prozent liegt, vollzieht sich ein schleichender Meinungswandel, der den Geimpften Privilegien sichert – oder ihnen, je nach Sichtweise, Grundrechte zurückgibt.
Meistens wird das in westliche Länder diskutiert, in vielen asiatischen Staaten und vor allem natürlich in den Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Impfkampagnen nicht so weit, als dass es dort Debatten um die Privilegien der Geimpften geben könnte. Wie sieht es bei uns und in unseren Nachbarländern aus?
Deutschland: Abstandsregeln und Maskenpflicht bleiben bis 2022
„Unabhängig von der Inzidenz ab Mitte September 2021 wird die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen in ganz Deutschland generell nur unter Einhaltung der 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) möglich sein«, lautet es in einem ein Bericht des Bundesgesundheitsministeriums in dieser Woche.
Genannt werden Innengastronomie, Hotelübernachtungen, körpernahe Dienstleistungen, Sport und Veranstaltungen drinnen, Großveranstaltungen drinnen und draußen. Diese Anschlussregelungen sollten allerdings von den Ländern erlassen werden, nicht mehr vom Bund.
Insbesondere für Ungeimpfte könnten abhängig von der Impfquote, der Inzidenz nach Altersgruppen und der Rate schwerer Klinikfälle nach Altersgruppen ab bestimmten Grenzwerten erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden, heißt es ferner im Bericht. Dazu zählten insbesondere Kontaktbeschränkungen sowie die Begrenzung der Teilnahme oder der Ausschluss von der Teilnahme nicht geimpfter Personen an Veranstaltungen und in der Gastronomie.
Griechenland: Strenge Kontrollen auch für Touristen
Aktuell gilt die Testpflicht für alle Einheimischen und Touristen, die per Schiff oder Flugzeug vom Festland zu einer der griechischen Inseln reisen wollen oder von dort zurückkehren. Gefordert wird eine Laborbescheinigung über einen negativen PCR- oder Antigen-Schnelltest. Die Zertifikate werden genau geprüft.
Seit Einführung der Testpflicht Mitte Juli wurden bereits über 12.000 Reisende zurückgewiesen, weil sie keinen Nachweis hatten. Geimpfte und Genesene sind von der Testpflicht befreit.
Für Nichtgeimpfte wird es jedoch allmählich kompliziert: Innenbereiche der Gastronomie, Kinos und Theater stehen nur noch Besuchern offen, die innerhalb der vergangenen sechs Monate von Covid-19 genesen sind oder eine mindestens 14 Tage zuvor abgeschlossene Impfung nachweisen können.
Der Nachweis erfolgt mit einem QR-Code der staatlichen Gesundheitsbehörde. Möglich wird das durch das zentrale Impfregister in Griechenland, das in Echtzeit alle Daten speichert und digitale Impfbescheinigungen erstellt. Mit einer App, die das griechische Ministerium für Digitalisierung zum Herunterladen bereitstellt, können die QR-Codes per Smartphone-Kamera ausgelesen und auf ihre Echtheit geprüft werden. Das ermöglicht eine schnelle Kontrolle am Eingang von Restaurants, Kinos und Theatern.
Ab Mitte August gilt eine Impfpflicht für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen. Wer sich nicht impfen lässt, wird in unbezahlten Urlaub geschickt. Über eine Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer sowie Beschäftigte in der Gastronomie ist noch nicht entschieden.
Italien: „Green Pass“ für Eintritt ins gesellschaftliche Leben
Ab diesen Freitag führt Italien einen verpflichtenden „Green Pass“ ein. Für fast alle Orte des öffentlichen Lebens braucht es dann mindestens eine Impfung, den Nachweis über eine Genesung oder einen Negativtest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Zutrittsregeln gelten etwa für Theater, Konzerte, Museen, Schwimmbäder, Sportevents, Messen und die Innenräume der Gastronomie.
Die meisten Italiener unterstützen den „Green Pass“, trotzdem protestierten in den vergangenen Wochen Tausende gegen die Zweiklassen-Gesellschaft. Für Impfverweigerer könnte das Leben ziemlich teuer werden: 22 Euro kostet ein Coronatest in Italien.
Im September könnten die Regelung auch auf Schiffe, Fernzüge und Flugzeuge ausgeweitet werden. Italien war schon im April eines der ersten Länder weltweit, das eine verpflichtende Impfung für das medizinische Personal eingeführt hatte. Dort tendiert die Impfquote heute Richtung 100 Prozent.
Frankreich: Große Proteste gegen Zweiklassen-Gesellschaft
Bereits seit dem 21. Juli ist der Gesundheitspass bei allen Freizeit- und Kulturveranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern Pflicht. Das betrifft unter anderem Sportevents, Konzertsäle, Theater und Kinos. Ab voraussichtlich dem 9. August kommen weitere Bereiche hinzu: Dann muss der Gesundheitspass vorgezeigt werden, um Bars oder Restaurants zu besuchen.
Auch für Fahrten mit Fernzügen und Fernbussen wird der Nachweis erforderlich, ebenfalls bei Besuchen in Krankenhäusern und Altenheimen. Grundsätzlich soll der Corona-Passierschein für alle Franzosen ab zwölf Jahren gelten. Für Jugendliche unter 18 Jahren wurde die Frist allerdings auf Ende September verschoben.
Großbritannien: Kritik an der Impfpflicht durch die Hintertür
In Großbritannien bietet die App des nationalen Gesundheitsdienstes NHS seit einigen Tagen einen digitalen Covid-Pass. Es gibt vier Wege, um den Unbedenklichkeitsnachweis in Form eines QR-Codes zu bekommen: Impfung, negativer Test, überstandene Infektion oder Nachweis, dass man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann.
Die Regierung überlegt, den Covid-Pass ab Oktober verpflichtend für den Eintritt in Nachtclubs und andere Veranstaltungsorte zu machen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Erste Nachtclubs haben angekündigt, den Covid-Pass am Eingang zu verlangen. Einige Fußballclubs, darunter der FC Chelsea, lassen nur Geimpfte und Getestete ins Stadion. Da überall auch Schnelltests akzeptiert werden, die jeder zu Hause machen kann, haben Ungeimpfte im öffentlichen Leben aber bislang keine Nachteile.
In all Ländern, deren Impfquote jenseits der 50 Prozent liegt, vollzieht sich ein schleichender Meinungswandel, der den Geimpften Privilegien sichert – oder ihnen, je nach Sichtweise, Grundrechte zurückgibt.
Meistens wird das in westliche Länder diskutiert, in vielen asiatischen Staaten und vor allem natürlich in den Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Impfkampagnen nicht so weit, als dass es dort Debatten um die Privilegien der Geimpften geben könnte. Wie sieht es bei uns und in unseren Nachbarländern aus?
Deutschland: Abstandsregeln und Maskenpflicht bleiben bis 2022
„Unabhängig von der Inzidenz ab Mitte September 2021 wird die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen in ganz Deutschland generell nur unter Einhaltung der 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) möglich sein«, lautet es in einem ein Bericht des Bundesgesundheitsministeriums in dieser Woche.
Genannt werden Innengastronomie, Hotelübernachtungen, körpernahe Dienstleistungen, Sport und Veranstaltungen drinnen, Großveranstaltungen drinnen und draußen. Diese Anschlussregelungen sollten allerdings von den Ländern erlassen werden, nicht mehr vom Bund.
Insbesondere für Ungeimpfte könnten abhängig von der Impfquote, der Inzidenz nach Altersgruppen und der Rate schwerer Klinikfälle nach Altersgruppen ab bestimmten Grenzwerten erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden, heißt es ferner im Bericht. Dazu zählten insbesondere Kontaktbeschränkungen sowie die Begrenzung der Teilnahme oder der Ausschluss von der Teilnahme nicht geimpfter Personen an Veranstaltungen und in der Gastronomie.
Griechenland: Strenge Kontrollen auch für Touristen
Aktuell gilt die Testpflicht für alle Einheimischen und Touristen, die per Schiff oder Flugzeug vom Festland zu einer der griechischen Inseln reisen wollen oder von dort zurückkehren. Gefordert wird eine Laborbescheinigung über einen negativen PCR- oder Antigen-Schnelltest. Die Zertifikate werden genau geprüft.
Seit Einführung der Testpflicht Mitte Juli wurden bereits über 12.000 Reisende zurückgewiesen, weil sie keinen Nachweis hatten. Geimpfte und Genesene sind von der Testpflicht befreit.
Für Nichtgeimpfte wird es jedoch allmählich kompliziert: Innenbereiche der Gastronomie, Kinos und Theater stehen nur noch Besuchern offen, die innerhalb der vergangenen sechs Monate von Covid-19 genesen sind oder eine mindestens 14 Tage zuvor abgeschlossene Impfung nachweisen können.
Der Nachweis erfolgt mit einem QR-Code der staatlichen Gesundheitsbehörde. Möglich wird das durch das zentrale Impfregister in Griechenland, das in Echtzeit alle Daten speichert und digitale Impfbescheinigungen erstellt. Mit einer App, die das griechische Ministerium für Digitalisierung zum Herunterladen bereitstellt, können die QR-Codes per Smartphone-Kamera ausgelesen und auf ihre Echtheit geprüft werden. Das ermöglicht eine schnelle Kontrolle am Eingang von Restaurants, Kinos und Theatern.
Ab Mitte August gilt eine Impfpflicht für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen und in den Pflegeeinrichtungen. Wer sich nicht impfen lässt, wird in unbezahlten Urlaub geschickt. Über eine Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer sowie Beschäftigte in der Gastronomie ist noch nicht entschieden.
Italien: „Green Pass“ für Eintritt ins gesellschaftliche Leben
Ab diesen Freitag führt Italien einen verpflichtenden „Green Pass“ ein. Für fast alle Orte des öffentlichen Lebens braucht es dann mindestens eine Impfung, den Nachweis über eine Genesung oder einen Negativtest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Zutrittsregeln gelten etwa für Theater, Konzerte, Museen, Schwimmbäder, Sportevents, Messen und die Innenräume der Gastronomie.
Die meisten Italiener unterstützen den „Green Pass“, trotzdem protestierten in den vergangenen Wochen Tausende gegen die Zweiklassen-Gesellschaft. Für Impfverweigerer könnte das Leben ziemlich teuer werden: 22 Euro kostet ein Coronatest in Italien.
Im September könnten die Regelung auch auf Schiffe, Fernzüge und Flugzeuge ausgeweitet werden. Italien war schon im April eines der ersten Länder weltweit, das eine verpflichtende Impfung für das medizinische Personal eingeführt hatte. Dort tendiert die Impfquote heute Richtung 100 Prozent.
Frankreich: Große Proteste gegen Zweiklassen-Gesellschaft
Bereits seit dem 21. Juli ist der Gesundheitspass bei allen Freizeit- und Kulturveranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern Pflicht. Das betrifft unter anderem Sportevents, Konzertsäle, Theater und Kinos. Ab voraussichtlich dem 9. August kommen weitere Bereiche hinzu: Dann muss der Gesundheitspass vorgezeigt werden, um Bars oder Restaurants zu besuchen.
Auch für Fahrten mit Fernzügen und Fernbussen wird der Nachweis erforderlich, ebenfalls bei Besuchen in Krankenhäusern und Altenheimen. Grundsätzlich soll der Corona-Passierschein für alle Franzosen ab zwölf Jahren gelten. Für Jugendliche unter 18 Jahren wurde die Frist allerdings auf Ende September verschoben.
Großbritannien: Kritik an der Impfpflicht durch die Hintertür
In Großbritannien bietet die App des nationalen Gesundheitsdienstes NHS seit einigen Tagen einen digitalen Covid-Pass. Es gibt vier Wege, um den Unbedenklichkeitsnachweis in Form eines QR-Codes zu bekommen: Impfung, negativer Test, überstandene Infektion oder Nachweis, dass man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann.
Die Regierung überlegt, den Covid-Pass ab Oktober verpflichtend für den Eintritt in Nachtclubs und andere Veranstaltungsorte zu machen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Erste Nachtclubs haben angekündigt, den Covid-Pass am Eingang zu verlangen. Einige Fußballclubs, darunter der FC Chelsea, lassen nur Geimpfte und Getestete ins Stadion. Da überall auch Schnelltests akzeptiert werden, die jeder zu Hause machen kann, haben Ungeimpfte im öffentlichen Leben aber bislang keine Nachteile.

