Auch Lufthansa muss umfassend umstrukturieren
Lufthansa-Chef Carsten Spohr rechnet damit, dass die Durststrecke nach der Coronakrise länger
Lufthansa-Chef Carsten Spohr rechnet damit, dass die Durststrecke nach der Coronakrise länger andauert als ursprünglich befürchtet. "Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", erklärte er am Donnerstag bei der Meldung der Zahlen der Gruppe zum zweiten Quartal 2020. "Eine tiefgreifende Restrukturierung bleibt uns nicht erspart", sagte er.
Rekordverlust erwartet
Spohr sagte voraus, wie schon der internationale Branchenverband IATA, dass eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau erst 2024 möglich sein werde. Die Airline-Gruppe erlitt im zweiten Quartal, als wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie kaum noch Flugzeuge abhoben, erneut große Verluste. Bei nur noch vier Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach der Umsatz von April bis Juni um 80 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein. Im ersten Halbjahr sammelte sich ein Rekord-Nettoverlust von drei Milliarden Euro.
Abbau von 22.000 Vollzeitstellen
Die Lufthansa Group hat bereits ein umfassendes Restrukturierungsprogramm mit dem Titel „ReNew“ beschlossen. Das Programm sieht den Abbau von 22.000 Vollzeitstellen in der Lufthansa Group vor. Die Konzernflotte soll dauerhaft um mindestens 100 Flugzeuge verkleinert werden. Dennoch soll die im Jahr 2024 angebotene Kapazität der des Jahres 2019 entsprechen. Dazu soll die Produktivität bis 2023 um 15 Prozent erhöht werden, unter anderem durch die Reduktion der Flugbetriebe künftig auf maximal zehn. Die Vorstands- und Geschäftsführungsgremien der Konzerngesellschaften werden verkleinert und die die Zahl der Führungskräfte im Konzern soll um 20 Prozent reduziert werden. In der Administration der Deutschen Lufthansa AG werden 1.000 Stellen abgebaut.
Während der Flugverkehr innerhalb von Europa seit dem Ende der Reisewarnung Mitte Juni wieder zunimmt, liegt die für die Lufthansa wichtige Langstrecke, etwa in die USA, wegen der Pandemie weiterhin weitgehend brach. Durch erneute Ausbrüche in Regionen wie zuletzt in Nordspanien kommt es zu Rückschlägen. "Zwar konnten wir im ersten Halbjahr mit striktem Kostenmanagement sowie Erlösen von Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo gegensteuern", erklärte Spohr. "Eine tiefgreifende Restrukturierung bleibt uns dennoch nicht erspart".
"Wachsen um jeden Preis?"
Auch im zweiten Halbjahr sei trotz des wieder wachsenden Luftverkehrs mit einem deutlichen Minus zu rechnen, erklärte das Unternehmen. Spohr: "Die Pandemie bietet unserer Industrie eine einzigartige Gelegenheit zur Neukalibrierung: Das Gewohnte in Frage zu stellen und statt nach „Wachstum um jeden Preis“ zu streben, nachhaltig und verantwortungsvoll Werte zu schaffen.“
Trotz der Kapazitätsausweitung erwartet die Lufthansa Group auch im zweiten Halbjahr 2020 ein deutlich negatives EBIT und für das Gesamtjahr damit weiter einen signifikanten Rückgang der Bilanzzahlen. Lufthansa geht davon aus, dass wichtige Langstreckenverbindungen aufgrund anhaltender Reiserestriktionen weiterhin nur eingeschränkt angeflogen werden können.
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Lufthansa-Chef Carsten Spohr (Foto: Lufthansa AG)[/caption]
Lufthansa-Chef Carsten Spohr (Foto: Lufthansa AG)[/caption]