31.05.20, 08:00 Uhr
Expedienten leiden psychisch unter der Krise
Nicht nur der wirtschaftliche, auch auch der psychische Druck der Coronakrise macht den Reisebüros

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Nicht nur der wirtschaftliche, auch auch der psychische Druck der Coronakrise macht den Reisebüros schwer zu schaffen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die Best-Reisen unter den Mitgliedsbüros durchgeführt hat. 94 Prozent der Reisebüromitarbeiter sagen, die gegenwärtige Situation belaste sie „sehr“ oder „spürbar“, 71 Prozent machen sich große Sorgen um ihre Existenzgrundlage. Die Belastung durch den Entzug der Geschäftsgrundlage äußert sich in konkreten Beschwerden. So geben rund 60 Prozent der Befragten an, schlechter zu schlafen als vor der Pandemie, 57 Prozent liegen nachts grübelnd wach, ebenfalls 57 Prozent sind öfter gereizt und haben schlechte Laune. Auch Konzentrationsprobleme werden genannt (39 Prozent) sowie gelegentliches Weinen (37 Prozent) und das Gefühl, wie gelähmt zu sein (36 Prozent).
62 Prozent beschreiben den psychischen Druck mit dem Wort „Erschöpfung“ und 59 Prozent mit „Verärgerung“. Aber auch drastischere Begriffe wie „Ohnmacht“ (34 Prozent), „Resignation“ (33 Prozent), „Ausweglosigkeit“ (33 Prozent) und sogar „Lebensunlust/Lebensmüdigkeit“ (26 Prozent) und „Depression“ (24 Prozent) werden genannt. Auch das Privatleben leidet. Zwei Drittel der Befragten können nach Feierabend nicht mehr richtig abschalten. Jeweils rund ein Drittel streitet sich öfter mit Partnern/Kindern, haben keine Lust mehr auf Kontakt mit dem Freundeskreis und mussten sich schon anhören, sie sollten nicht alles so negativ sehen. Nur bei elf Prozent bleibt das Privatleben von der Situation nahezu oder ganz unberührt.
Verstärkt wird der Druck durch den hohen Beratungs- und Diskussionsaufwand im Kundenkontakt sowie durch Mehrarbeit. Als Ursachen dafür werden fehlende Reisepreis-Erstattungen (in 94 Prozent der Büros), unbefriedigende Reaktionszeiten der Leistungsträger (92 Prozent), die uneinheitlichen Abwicklungsprozesse der Veranstalter (84 Prozent) und die Komplexität der Gutscheinlösungen (63 Prozent) genannt.
Für den größten Frust sorgt die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern und anderen Leistungsträgern. Den Begriff „fair“ vergeben die Best-Reisebüros durchschnittlich an 35 Prozent der Anbieter, den Begriff „unfair“ an 65 Prozent. Nur 18 Prozent der Anbieter werden als „gut erreichbar“ wahrgenommen. 70 Prozent sind „schwer erreichbar“, und mit 48 Prozent wird fast die Hälfte der Anbieter als „nicht erreichbar“ eingestuft. Als „abwiegelnd und abwehrend“ erfahren die Agenturen jeden zweiten Anbieter, im Schnitt 29 Prozent werden mit dem Attribut „unverschämt“ und 62 Prozent mit dem Vorwurf „lassen uns alleine“ bedacht. Bei einer differenzierten Betrachtung werden im Schnitt 60 Prozent der Anbieter als „freundlich“ und 36 Prozent als „unfreundlich“ wahrgenommen. Als „um Verständnis bittend“ erleben die Reisebüros im Schnitt 65 Prozent der Anbieter. Den Ausdruck „tun, was sie können“ und „bemüht und engagiert“ wählen die Büros für jeweils 46 Prozent der Anbieter.
Wie tief der Frust sitzt, zeigt eine andere Zahl: 95 Prozent der Best-Reisebüros planen Konsequenzen aus dem Verhalten der Veranstalter und Leistungsträger. 66 Prozent kündigen an, faire Anbieter künftig zu bevorzugen, 29 Prozent wollen unfaire Anbieter zurückstellen. Nur fünf Prozent planen keine Änderungen ihres Portfolios.

