29.03.18, 08:00 Uhr
DRV: „Knüppel in die Beine des Reisebürovertriebs“
Der DRV findet deutliche Worte für die neue Bestpreis-Politik der Lufthansa. Von April an sind die

Foto: Lufthansa
Der DRV findet deutliche Worte für die neue Bestpreis-Politik der Lufthansa. Von April an sind die günstigen Preise nur über den Eigenvertrieb und über Buchungskanäle zu haben, die dem IATA-Standard New Distribution Capability (NDC) entsprechen. „Die Lufthansa wirft damit Knüppel in die Beine des Reisebürovertriebs. Sie entzieht dem Fremdvertrieb wettbewerbsfähige Preise und verabschiedet sich aus dem neutralen Preis-Leistungsvergleich“, klagt DRV-Vize Ralf Hieke. Vorstandsmitglied Joachim Horn schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Airlines, auch gerade die Lufthansa, wollen um jeden Preis den ‘neutralen Marktplatz‘ verlassen und sowohl den Preis- als auch den Servicewettbewerb verschleiern.“
Mit Direct Connect entstünden Systembrüche und mit Buchungen eines Reisebüros über Consolidator wiederum Mehrkosten, mit denen Lufthansa den Fremdvertrieb aus dem Markt preise, kritisiert der Verband. Otto Schweisgut, Vorsitzender des Ausschusses Flug, sieht zudem technische Unzulänglichkeiten der individuellen Anbindungen: „Die angebotenen Alternativen decken nunmehr seit Jahren in keiner Weise die erforderlichen Funktionalitäten ab, um eine professionelle und effiziente Betreuung der Reisenden sicherstellen zu können. Ich habe den Eindruck, dass von Seiten Lufthansa wenig Interesse an funktionierender Technologie besteht.“ Aktuelle Feldversuche zeigten noch große Probleme bei Benutzerfreundlichkeit und Funktionsumfang des Lufthansa-Direktbuchungskanals von Farelogix. Das Angebotsverzeichnis sei nicht vollständig, die Kombinierbarkeit mit anderen Airlines sei nicht gegeben, und Umbuchungen mit Aufzahlungen seien systemseitig oft nicht durchführbar, sondern nur über das Serviceteam per Telefon.
Stefan Vorndran, DRV-Vorstand und Ausschussvorsitzender Business Travel, sieht auch Nachteile für die Geschäftsreisebüros: „Lufthansa erhöht mit ihrem Vorstoß den Druck auf die GDS-Anbieter, an einer NDC-Anbindung zu arbeiten beziehungsweise diese zu realisieren. Im Business Travel-Segment werden die Travel Management Companies durch die weitere Preisdifferenzierung eindeutig schlechter gestellt. Die neuerliche Preisdifferenzierung zum stationären Vertrieb wird weiteres Geschäft auf lufthansa.com ziehen.“

