23.03.18, 08:00 Uhr
Tourismusministerin Al-Mashat: "Ägyptens Regierung will mit Tabus brechen"
Sie ist in der 50-jährigen Geschichte des ägyptischen Tourismusministeriums die erste Frau an

Foto: Egyptian Tourism
Sie ist in der 50-jährigen Geschichte des ägyptischen Tourismusministeriums die erste Frau an dessen Spitze. Rania Al-Mashat gehört seit Januar der Regierung Ägyptens an. Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin gilt als Finanzexpertin. Sie war in wichtigen Positionen für den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die ägyptische Zentralbank tätig. 2015 wurde Mashat zu den 50 einflussreichsten Frauen der ägyptischen Wirtschaft gewählt. Sie nennt die vier Cs als ihr Erfolgsrezept: Competence (Kompetenz), Connections (Verbindungen), Confidence (Selbstvertrauen) und Charm (Charme). Travel One sprach mit Rania Al-Mashat.
Was hat Sie dazu bewogen, in die Politik zu gehen?
Al-Mashat: Politik ist für mich im Grunde nicht neu. Als IWF-Beraterin und stellvertretende Untergouverneurin der ägyptischen Zentralbank kam ich bereits vor längerer Zeit mit der Politik in Berührung. Ich will für die junge Generation Ägyptens ein Vorbild sein und Ägypten mitgestalten. Die derzeitige politische Führung ist aufklärerisch. Wir stehen vor fundamentalen Veränderungen.
Werden Frauen eine größere Rolle spielen als in der Vergangenheit?
Al-Mashat: Dem Kabinett gehören jetzt sechs Frauen an. Das ist ein absolutes Novum. Frauen soll mehr Verantwortung gegeben werden. Die Regierung will mit Tabus brechen. Und beim Tourismusministerium handelt es sich keineswegs um ein bedeutungsloses Ministerium, das man mal einer Frau gibt. Im Gegenteil: das Tourismusministerium ist ein sehr wichtiges Ministerium. Viele Branchen des Landes hängen vom Tourismus ab. Ägypten verdient mit diesem Wirtschaftszweig mehr Geld als mit dem Suezkanal.
Im ägyptischen Tourismus sind derzeit nicht allzu viele Frauen vertreten. Wollen Sie das ändern?
Al-Mashat: Es arbeiten momentan nur wenige Frauen im Tourismus, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Es fehlt an Kinderbetreuung, der öffentliche Nahverkehr ist lückenhaft. Das soll sich ändern. Zudem sollen Frauen besser ausgebildet werden. Es ist bewiesen, dass das Bruttosozialprodukt steigt, wenn Frauen an der Arbeitswelt beteiligt werden.
Welche Akzente möchten Sie darüber hinaus als Tourismusministerin setzen?
Al-Mashat: Ich will dafür sorgen, dass sich Ägypten künftig nicht nur auf einige wenige Märkte konzentriert. Der Tourismus des Landes hat sich nach all den schwierigen Jahren wieder erholt, 2017 war ein gutes Jahr. Doch es ist wichtig, dass wir nicht nur in unsere traditionellen Märkte investieren, sondern auch Osteuropa und die Golfstaaten im Blick haben.
Das Interview führte Petra Hirschel

