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Chefsache Business Travel

Bleisure wird zum Normalfall – Unternehmen müssen handeln

Nach dem Kundentermin noch ein Wochenende bleiben? Für viele Geschäftsreisende ist das längst Alltag. Eine Studie zeigt, wie verbreitet Bleisure heute ist. Chefsache Business Travel rät Unternehmen, den Mix von Beruf und Freizeit strategisch zu gestalten und klare Regeln zu schaffen.

67 Prozent der deutschen Geschäftsreisenden haben eine Dienstreise bereits privat verlängert. Die Initiative Chefsache Business Travel sieht darin einen klaren Auftrag für Unternehmen. Foto: iStock/Jacob Wackerhausen
Zwei Drittel der deutschen Geschäftsreisenden haben bereits eine Dienstreise mit einem privaten Aufenthalt verbunden. Die Initiative Chefsache Business Travel empfiehlt Unternehmen deshalb, klare Regeln für die Verbindung von Beruf und Freizeit zu schaffen und das Thema stärker in ihre Personalstrategie einzubeziehen.

Eine repräsentative Befragung des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) zeigt, dass 67 Prozent der deutschen Geschäftsreisenden bereits eine Dienstreise privat verlängert haben. Drei Viertel dieser Gruppe planen das auch für 2026. Für die Untersuchung befragte das BZT im Juni 2026 gemeinsam mit dem German Convention Bureau (GCB) und dem Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) insgesamt 3.000 Geschäftsreisende.

Die Verbindung von Geschäftsreise und privatem Aufenthalt wird als Bleisure bezeichnet, eine Kombination aus Business und Leisure. Gemeinsam mit Workation, also dem Arbeiten von einem Urlaubsort aus, fällt dieses Modell unter den Oberbegriff Blended Travel.

Unternehmen sollen Zuständigkeiten klären

In zwei Dritteln der Unternehmen gibt es bereits Richtlinien oder Empfehlungen für die private Verlängerung von Dienstreisen. Das berichten die Befragten in der BZT-Studie. Die Initiative Chefsache Business Travel sieht dennoch weiteren Handlungsbedarf.

„Blended Travel hat den Sprung von der Ausnahme zur Erwartung geschafft“, sagt Andreas Neumann, Geschäftsführer von ADAC Reisevertrieb und Mitglied der Initiative. „Die meisten Unternehmen haben inzwischen verstanden, dass sie das Thema regeln müssen. Jetzt kommt der nächste Schritt: Blended Travel nicht nur zu erlauben, sondern bewusst zu entscheiden, welchen Platz es im eigenen Geschäftsreisemanagement haben soll.“

Dabei geht es unter anderem um die Zuständigkeiten innerhalb der Unternehmen. Während Personalabteilungen Bleisure als Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte betrachten, achten Finanzabteilungen auf die Trennung privater und geschäftlicher Kosten. Das Geschäftsreisemanagement ist für Buchungsabläufe und die Fürsorge gegenüber Reisenden zuständig. Wer letztlich entscheidet, ist jedoch häufig nicht festgelegt.
Bleisure erhöht die Arbeitgeberattraktivität

Für 51 Prozent der befragten Geschäftsreisenden steigert Bleisure die Attraktivität eines Arbeitgebers stark oder sehr stark. Flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten haben für die Befragten allerdings einen noch höheren Stellenwert.

Die Initiative empfiehlt deshalb, Bleisure als ergänzenden Bestandteil der Personalstrategie zu betrachten. Personalabteilungen und Geschäftsreisemanagement sollten gemeinsam über die Ausgestaltung entscheiden.

Auch bestehende Reiserichtlinien sollten Unternehmen überprüfen. Die Mehrheit der Beschäftigten hält sich an die Vorgaben, selbst wenn diese nicht zu ihren persönlichen Reiseplänen passen. Gut ein Viertel erreicht in solchen Fällen jedoch eine Ausnahme. Für das Geschäftsreisemanagement können solche Abweichungen Hinweise darauf geben, wo die Regelungen überarbeitet werden sollten.

Nicht alle Beschäftigten profitieren

Neben der Trennung von Kosten sowie steuerlichen und versicherungsrechtlichen Fragen sollten Unternehmen auch die Grenzen von Bleisure berücksichtigen. Nicht jede Tätigkeit und jede persönliche Lebenssituation erlaubt eine private Verlängerung von Dienstreisen.

Beschäftigte, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, können das Angebot beispielsweise häufig nicht nutzen. Zudem trennt rund ein Viertel der Geschäftsreisenden ohne Bleisure-Erfahrung Beruf und Privatleben bewusst voneinander.

Die Initiative warnt deshalb davor, Bleisure als allgemeinen Vorteil für alle Beschäftigten darzustellen oder daraus eine unausgesprochene Erwartung abzuleiten.

„Blended Travel ist ein schönes Angebot, aber kein Pflaster für zu dicht getaktete Dienstreisen“, sagt Neumann. „Wenn Mitarbeitende nur noch durch ein privates Wochenende wieder zu Kräften kommen, sollte man sich zuerst die Reiseplanung ansehen. Gute Reisen beginnen mit realistischen Terminen, vernünftigen Verbindungen und Erholungszeiten – unabhängig davon, ob jemand verlängert.“

Drei Empfehlungen für das Geschäftsreisemanagement

Chefsache Business Travel empfiehlt Unternehmen drei Maßnahmen. Zunächst sollten sie die Verantwortung für Bleisure eindeutig festlegen. Idealerweise übernimmt das Geschäftsreisemanagement diese Aufgabe in enger Abstimmung mit der Personalabteilung.

Anschließend sollten Unternehmen prüfen, ob ihre Reiserichtlinien zur tatsächlichen Nutzung passen. Dabei geht es insbesondere um häufige Ausnahmen und Regelungen, die Beschäftigte kaum in Anspruch nehmen. Geschäftsreisebüros können Unternehmen unterstützen, indem sie Buchungsdaten anonymisiert auswerten.

Schließlich empfiehlt die Initiative, Bleisure gegenüber Beschäftigten als freiwillige Möglichkeit und nicht als zentrales Versprechen des Arbeitgebers zu kommunizieren.

Damit soll sich auch die Rolle des Geschäftsreisemanagements weiterentwickeln. Im Mittelpunkt steht nicht mehr nur die Organisation einzelner Dienstreisen, sondern ein auf Unternehmen und Beschäftigte abgestimmtes Reiseprogramm. Spezialisierte Geschäftsreisebüros können dabei mit Datenanalysen, Erfahrungen aus anderen Unternehmen und der praktischen Umsetzung unterstützen.

Hinter Chefsache Business Travel stehen die Travel Management Companies ADAC Reisevertrieb, BCD Travel und Lufthansa City Center. Die Initiative ist im Deutschen Reiseverband (DRV) angesiedelt und setzt sich für professionelles Geschäftsreisemanagement ein. Sie richtet sich an Geschäftsführungen, Travel Manager, Personalverantwortliche, Assistenzen und Geschäftsreisende.