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Bilanz und Ausblick

„Kreuzfahrten bleiben ein Stabilitätsanker für Reisebüros“

Im Rahmen des digitalen Pressegesprächs stellte Nicko Cruises am heutigen Dienstagmorgen seine Highlights des neuen Seereisen-Programms vor und gab einen Einblick in den aktuellen Geschäftsverlauf.

Die Vasco da Gama von Nicko Cruises wird im Jahr 2028 unter anderem in Norwegen unterwegs sein. Foto: Nicko Cruises
Im Pressegespräch zum Seereisenprogramm 2028 zeichnet Guido Laukamp, Geschäftsführer von Nicko Cruises, ein schwieriges Marktumfeld. Demnach sank der Touristikumsatz im September um 6,3 Prozent, kumuliert um 5,8 Prozent. Kreuzfahrten schneiden jedoch besser ab: Im August lag ihr Umsatz 5,7 Prozent über dem Vorjahr. Lag der Auftragseingang bei den touristischen Buchungen im September 2026 um 8,2 Prozent unter dem Vorjahresmonat, so lag er bei Kreuzfahrten mit minus 0,9 Prozent fast auf Vorjahresniveau. Beim Auftragsbestand der touristischen Buchungen stehen minus 4,5 Prozent in der Gesamttouristik einem Plus von 1,7 Prozent bei Hochseekreuzfahrten gegenüber. „Kreuzfahrten bleiben ein Stabilitätsanker für Reisebüros“, betont Laukamp.

Kein weiteres Rekordjahr

Nicko Cruises kann nach seinem bisherigen Rekordjahr 2025 in diesem Jahr nicht an diese Entwicklung anknüpfen. Belastend wirken der Abbruch der Weltreise, die Umleitung um Afrika, technische Schäden und ein längerer Werftaufenthalt der Vasco da Gama sowie das anhaltende Niedrigwasser auf Rhein und Donau für die Flussschiffe. Die Buchungen für 2027 liegen dagegen auf oder leicht über dem Niveau von 2026. Weltreisen bleiben gefragt. Ohne solche Störungen erwartet das Unternehmen weiterhin Wachstum.

Steigende Personal- und Treibstoffkosten sowie Belastungen durch den europäischen Emissionshandel sollen schrittweise ausgeglichen werden. Vorgesehen sind lediglich Preiserhöhungen von fünf bis sechs Prozent, anstatt sämtliche Mehrkosten sofort an die Kunden weiterzugeben. Frühbucherrabatte und Angebote für Alleinreisende bleiben bestehen. Eine 14-tägige Reise kostet je nach Kabinenkategorie, Saison und Reisedatum etwa 3.000 Euro pro Person.

Flaggschiff Vasco da Gama

Getreu seiner Philosophie „Time to Discover“ setzt Nicko Cruises auf ungewöhnliche Routen, kleinere Häfen, ausgedehnte Aufenthalte und intensive Natur- und Kulturerlebnisse an Land. Das Unternehmen grenzt sich damit vom Massentourismus ab. Persönlicher Service, eine überschaubare Gästezahl und Freiraum an Bord sollen die Reise prägen.

Mit rund 1.000 Gästebetten zählt die Vasco da Gama zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen. Sie bietet fünf Restaurants, sieben Bars, ein Showtheater, ein Showensemble, Vorträge sowie Wellness- und Fitnessbereiche. Es gibt 15 Kabinenkategorien bis zur 102 Quadratmeter großen Penthouse-Suite. Betont werden viel Platz und eine umfangreiche Besatzung, jedoch kein Luxusanspruch.

Nach umfangreichen Reparaturen sieht Laukamp das Schiff technisch gut aufgestellt und möchte es mindestens weitere zehn Jahre betreiben. Zur Umwelttechnik gehören Landstrom (bereits seit 2025), ein modernisiertes Power-Management-System, schwefelarmer Kraftstoff, eine Anlage zur Beimischung pflanzenbasierter Kraftstoffe und SCR-Katalysatoren. Auch die weitere Nutzung des modernisierten Schiffes nennt Laukamp einen „Nachhaltigkeitsbeitrag“.

Reiseprogramm 2028

Nach der Weltreise mit der Vasco da Gama stehen Ostsee, Nord- und Westeuropa im Mittelpunkt bei Nicko Cruises. Eine Nordlandreise verbindet die Shetland-Inseln mit vier Häfen auf Island, Spitzbergen, dem Nordkap und norwegischen Küstenorten. Auf Island stehen Wasserfälle, Vulkanlandschaften, Geysire und mögliche Walbeobachtungen im Fokus. Norwegische Innenpassagen, der Geirangerfjord und Bergen ergänzen die Route.

Eine weitere Nordkapreise führt in 18 Tagen von Kiel entlang der norwegischen Küste und zurück. Höhepunkte sind Fjorde, die Lofoten, das Nordkap, Hammerfest, Trondheim und Bergen. Enge Innenpassagen, längere Aufenthalte und ausgearbeitete Strecken unterscheiden das Angebot von Reisen auf großen Kreuzfahrtschiffen.

Mitte August startet eine 18-tägige Reise ab Hamburg zu den britischen Inseln. Nach Amsterdam folgen unter anderem London über Tilbury, die Isle of Wight, Cornwall, Irland, Wales und Nordirland. Vier Tage in Schottland bieten Landschaftserlebnisse, Inselbesuche und Edinburgh. Eine 15-tägige Reise von Hamburg nach Málaga verbindet Amsterdam, Antwerpen, Dover, Jersey, Bordeaux, Bilbao, Vigo und Porto mit Andalusien. Sie kombiniert Kultur, Natur und kulinarische Erlebnisse.

Mittelmeersaison und Flusskreuzfahrten

Ab dem 15. September 2028 beginnt die Mittelmeersaison. Ein separater Katalog enthält fünf Routen im westlichen und besonders im östlichen Mittelmeer, darunter Reisen zwischen Athen und Istanbul. Genannt werden Korsika, Sardinien, Sizilien, Albanien und griechische Inseln. Mitte Januar wird der Mittelmeer-Katalog Laukamp zufolge veröffentlicht, einige Hafenbestätigungen stehen aktuell noch aus. Mit der stärkeren Mittelmeerpräsenz reagiert Nicko Cruises auf die Gästenachfrage und den wachsenden Wettbewerbsdruck im Norden.

Hamburg und Kiel bleiben je nach Route und Verfügbarkeit Abfahrtshäfen. Die Suche nach einem zweiten Hochseeschiff läuft weiter, bislang jedoch ohne Erfolg.

Für 2028 bis 2030 plant Nicko Cruises Flussneubauten mit geringerem Tiefgang, konkrete Ankündigungen stehen noch aus. Angepasste Fahrpläne und ein gezielter Schiffseinsatz sollen die Folgen extremer Wasserstände künftig begrenzen.
Der aktuelle Flussreise-Katalog ist ab sofort verfügbar, und Buchungen sind ab sofort möglich. 30.000 Kataloge gehen zunächst an Reisebüros, weitere Exemplare werden nach Anforderung über die Plattform „Gemeinsam auf Kurs“ versandt.
Jean-Marc Göttert