Vertriebsklima steigt trotz anhaltender Ertragssorgen
Immer weniger Reisebüros klagen über rückläufige Verkäufe. Im Oktober liegt ihr Anteil erstmals seit Monaten wieder unter 50 Prozent. Auch das allgemeine Vertriebsklima verbessert sich zum fünften Mal in Folge. Bei den Erträgen bleibt die Skepsis dagegen groß.

Die Stimmung im Reisevertrieb verbessert sich im Oktober erneut. Der touristische Vertriebsklima-Index steigt von 86,5 auf 87,7 Punkte und damit den fünften Monat in Folge. Der Aufwärtstrend seit dem Tief im Mai hält an, verliert aber weiter an Schwung. Im September hatte das Stimmungsbarometer noch um anderthalb Punkte zugelegt, im August sogar um 6,3 Punkte.
Hinter dem moderaten Plus entwickelt sich das Bild dennoch weiter in die richtige Richtung. Die aktuelle Geschäftslage wird etwas besser bewertet, und auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate hellen sich auf. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Verkäufen: Erstmals seit Beginn der jüngsten Erholung melden weniger als die Hälfte der Reisebüros rückläufige Geschäfte.
Von den Werten des Vorjahres bleibt der Vertriebsklima-Index allerdings entfernt. Im Oktober 2025 hatte er bei 96,4 Punkten gelegen. Zu Jahresbeginn 2026 waren es noch 94,1 Punkte.
Der Lageindex steigt im Oktober von 87,3 auf 89,2 Punkte. Schwächer verbessern sich die Erwartungen: Der entsprechende Index legt von 85,7 auf 86,3 Punkte zu. Seit dem Tief im Mai hat der Gesamtindex damit 13,7 Punkte gutgemacht. Damals lag er bei 74 Punkten.
Lage verbessert sich leicht
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hellt sich weiter auf. 26,6 Prozent der Reisebüros bewerten ihre Situation im Oktober als gut, nach 23,5 Prozent im September. Der Anteil negativer Bewertungen steigt allerdings ebenfalls leicht von 25,1 auf 25,8 Prozent.
Dagegen schrumpft die Gruppe der Reisebüros, die ihre Lage als befriedigend einschätzen, von 51,4 auf 47,6 Prozent. Insgesamt bewerten damit weiterhin knapp drei Viertel der Befragten ihre gegenwärtige Situation als gut oder zumindest befriedigend. Der Zuwachs bei den positiven Bewertungen geht diesmal vor allem zulasten des mittleren Lagers.
Verkaufsrückgänge verlieren an Breite
Bei den Verkaufszahlen zeigt sich eine deutlichere Verbesserung. Nur noch 48,8 Prozent der Reisebüros berichten von gesunkenen Verkäufen in den vergangenen zwei bis drei Monaten gegenüber dem Vorjahr. Im September waren es 54,3 Prozent. Damit melden erstmals seit Monaten weniger als die Hälfte der Befragten rückläufige Geschäfte.
Gleichzeitig steigt der Anteil der Reisebüros mit unveränderten Verkäufen von 32 auf 35,9 Prozent. Wachsende Verkäufe melden 15,3 Prozent, nach 13,8 Prozent im Vormonat. Damit berichtet inzwischen gut die Hälfte der Befragten von stabilen oder steigenden Verkäufen. Die Verkaufsschwäche lässt also weiter nach, auch wenn die Zahl der Betriebe mit rückläufigem Geschäft hoch bleibt.
Nachfrageerwartungen stabilisieren sich
Auch beim Blick auf die kommenden sechs Monate nimmt die Skepsis weiter ab. 34,3 Prozent der Reisebüros rechnen mit einer sinkenden Nachfrage nach Reiseleistungen. Im September waren es noch 35,6 Prozent.
Die Mehrheit geht inzwischen von einer stabilen Entwicklung aus: 53,2 Prozent erwarten eine unveränderte Nachfrage, nach 53,4 Prozent im Vormonat. Der Anteil der Optimisten steigt von 10,9 auf 12,5 Prozent. Damit rechnen nahezu zwei Drittel der Reisebüros für die kommenden sechs Monate mit einer stabilen oder wachsenden Nachfrage.
Erträge bleiben unter Druck
Bei den Ertragserwartungen setzt sich die vorsichtige Entspannung fort. 39,5 Prozent der Reisebüros rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer Verschlechterung ihrer Ertragssituation. Im September waren es 40,5 Prozent.
48,6 Prozent erwarten unveränderte Erträge, nach 47,8 Prozent im Vormonat. Der Anteil der Reisebüros, die mit einer Verbesserung rechnen, sinkt dagegen leicht von 11,7 auf 10,9 Prozent. Die Zuversicht wächst hier also nicht weiter. Vielmehr verlagern sich die Erwartungen erneut von einer negativen zu einer stabilen Entwicklung.
Insgesamt setzt sich die Erholung im Reisevertrieb damit fort, ohne bereits an die Stimmungswerte früherer Jahre anzuknüpfen. Die Geschäftslage verbessert sich, die Verkaufsrückgänge nehmen ab und die Erwartungen stabilisieren sich. Dass der Gesamtindex inzwischen nur noch in kleinen Schritten steigt, zeigt allerdings auch, dass der Weg aus dem Stimmungstief weiterhin lang ist.
Die Erhebung wird regelmäßig von der Münchner Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner durchgeführt. An der aktuellen Befragung nahmen 248 Reisebüros (September: 247) teil, die sowohl den stationären als auch den Online-Vertrieb von Urlaubsreisen abdecken. Der Großteil stammt aus dem mittelständischen Leisure-Segment.
