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Kritik an Verbandsstrukturen

Ulrike Katz bricht mit dem DRV im Streit um Tempo und Einfluss

Viel angestoßen, einiges erreicht – doch bei den grundlegenden Reformen sieht Ulrike Katz zu wenig Bewegung. Die DRV-Vizepräsidentin zieht Konsequenzen und legt ihre Ämter nieder. Ihre Kritik reicht über mangelnden Veränderungswillen hinaus und berührt die Machtverteilung im Verband.

Ulrike Katz kündigt ihren Rücktritt als DRV-Vizepräsidentin der Säule E und Vorsitzende des Bildungsausschusses zum Jahresende an. Foto: DRV

Kurz vor dem Haupstadtkongress 2026 in Berlin zieht Ulrike Katz Konsequenzen aus ihrer Unzufriedenheit mit dem Deutschen Reiseverband (DRV). Zum 31. Dezember 2026 will sie sowohl als ehrenamtliche Vizepräsidentin der assoziierten Mitglieder (Säule E), als auch als Vorsitzende des DRV-Bildungsausschusses zurücktreten.

Das kündigt die Inhaberin der Agentur Visionsahead in einer eigenen Presseinformation an.

„Keine ausreichende Bewegung“

Ihre Begründung ist zugleich deutliche Kritik an den Verbandsstrukturen und der Zusammenarbeit innerhalb des DRV. „Heute sehe ich bei Tempo, Transparenz und Veränderungswillen keine ausreichende Bewegung mit entsprechenden Konsequenzen. Und ich sehe nicht, dass die Säule E als vollwertiger Teil der Reisewirtschaft im DRV wahrgenommen wird“, moniert Katz.

Erst im Oktober 2025 war sie für eine weitere Amtszeit gewählt worden. Schon damals hat sie mehr Veränderungsbereitschaft, Dialog und Zusammenarbeit eingefordert. Sollte dieser Wille fehlen, so Katz, könne sie ihr Amt irgendwann nicht mehr mit voller Überzeugung ausüben, habe sie den Mitgliedern seinerzeit erklärt. Rund ein Jahr später folgt nun die Konsequenz.

Ein Vorstandssitz für mehr als 400 Unternehmen

Im Mittelpunkt ihrer Kritik steht die Stellung der Säule E innerhalb des Verbandes. Dort sind mehr als 400 Unternehmen organisiert, die nicht zu den klassischen Reiseveranstaltern oder Reisemittlern gehören. Dazu zählen unter anderem Verkehrsträger, Technologieanbieter, touristische Dienstleister, Bildungsanbieter und Tourismusorganisationen.

Ihre Mitbestimmung unterscheidet sich von derjenigen der übrigen vier Säulen. Diese vertreten konzerngebundene und konzernungebundene Reisemittler sowie Veranstalter und wählen jeweils einen Vizepräsidenten und zwei weitere Vorstandsmitglieder. Die assoziierten Mitglieder dürfen dagegen nur einen Vizepräsidenten in den Vorstand entsenden. So sieht es Paragraf 11 der DRV-Satzung vor.

Mitbestimmung „light“

Auch bei den Stimmrechten in der Mitgliederversammlung bestehen Unterschiede. Assoziierte Mitglieder dürfen den Präsidenten und den Finanzvorstand mitwählen sowie über Beiträge, Haushalt, Jahresrechnung und die Entlastung des Vorstands abstimmen. Bei Satzungsänderungen und der Beschlussfassung über Anträge haben sie dagegen kein Stimmrecht. Damit können sie auch über Änderungen jener Satzungsbestimmungen nicht mitentscheiden, die ihre eigene Stellung im Verband regeln.

Katz fordert deshalb mindestens einen zusätzlichen Vorstandssitz, gleiche Wahlrechte, ein angemessenes Stimmenverhältnis und eine transparente Beitragsstruktur.

Auch bei den Beiträgen gelten andere Regeln

Die unterschiedliche Behandlung setzt sich bei den Mitgliedsbeiträgen fort. Während der DRV die Beiträge von Reisebüros und Reiseveranstaltern nach der Zahl der Beschäftigten staffelt, vereinbart der Veband die Jahresbeiträge assoziierter Mitglieder individuell mit dem Vorstand. Der Mindestbeitrag beträgt laut Beitragsordnung für 2026 jährlich 360 Euro.

Das Stimmengewicht der assoziierten Mitglieder richtet sich nun wiederum nach der Höhe ihres Jahresbeitrags. Wer zwischen 360 und 1.100 Euro zahlt, hat bei den zugelassenen Abstimmungen eine Stimme. Bei Beiträgen zwischen 1.101 und 2.900 Euro sind es zwei. Ab einem Jahresbeitrag von 130.000 Euro sieht die Satzung 30 Stimmen vor.

Die Unterschiede sind damit in der Satzung festgeschrieben. Ob sie angesichts der verschiedenen Mitgliederstrukturen angemessen sind, ist eine andere Frage. Für Katz steht jedenfalls fest, dass die Säule E innerhalb des Verbandes mehr Gewicht erhalten muss.

Mehr Vorstandsposten, aber nicht für die Säule E

Dabei hat der DRV seine Führungsstruktur in den vergangenen Jahren durchaus verändert. Während der Vorstand nach der Satzung von 2022 beispielsweise noch maximal 17 Mitglieder umfassen durfte, sind inzwischen bis zu 21 möglich.

Die zusätzlichen Plätze entfallen allerdings auf kooptierte Mitglieder, deren Zahl von zwei auf sechs erhöht wurde. Anders als früher haben diese inzwischen kein Stimmrecht. An der Verteilung der gewählten Vorstandssitze zwischen den fünf Säulen hat sich dagegen nichts geändert.

Die Anpassung zeigt, dass der DRV seine Strukturen nicht grundsätzlich unangetastet gelassen hat. Reformwillen besteht. Die Resolutionen beantworten allerdings nicht Katz' Forderung nach einer stärkeren formellen Vertretung der assoziierten Mitglieder.

Katz vermisst die Dringlichkeit der Erneuerung

Katz hatte die Vizepräsidentschaft der Säule E im Februar 2023 von Uta Martens – heute Senior Vice President Sales, Customer Service & Process Management bei Dertour – übernommen, die seinerzeit Vertriebsleiterin bei Amadeus Deutschland war. Im Oktober 2025 wurde sie im Zuge der turnusmäßigen Vorstandswahlen bestätigt. Damals wählten die Mitglieder auch Albin Loidl zum Nachfolger von Norbert Fiebig an der Verbandsspitze.

Ihre Kritik reicht über die Verteilung von Mandaten hinaus. Katz fordert eine Modernisierung des Ehrenamts und eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der künftigen Führung des Verbandes.

„Wenn sich die Welt und die Geschäftsmodelle in unserer Branche verändern, müssen wir uns und unsere Organisationen ebenfalls verändern“, erklärt sie. Dazu gehöre auch die Frage, wer in den 2030er- und 2040er-Jahren an der Spitze des DRV stehen solle.

Sie sei bereit gewesen, unbequeme Fragen aufzugreifen und notwendige Veränderungen mitzugestalten, versichert Katz. „Ich sehe aber bisher nicht, dass die Dringlichkeit erkannt wird.“

Auch die Bildungsarbeit verliert ihre Vorsitzende

Mit ihrem Rücktritt gibt Katz zugleich die Leitung des DRV-Bildungsausschusses ab. In ihrer Amtszeit hat sie mehrere Projekte in der Nachwuchs- und Bildungsarbeit vorangetrieben.

Dazu zählt die Neuaufstellung der Young Career Community mit inzwischen mehr als 100 Mitgliedern. Hinzu kommen das digitale Austauschformat „Säule E | Insights“ und die Wiederbelebung der Berufsschullehrendentagung. Auch das Young-Talents-Programm hat Katz zu einem ganzjährigen Format mit Juryverfahren weiterentwickelt. Im März 2026 wurden zehn Nachwuchskräfte ausgewählt, die anschließend an der DRV-Jahrestagung auf den Azoren mitwirkten.

Zuletzt hat Katz die Novellierung der Ausbildungsordnung für Tourismuskaufleute öffentlich gefordert und nach eigener Darstellung im Bildungsausschuss bereits angestoßen. Sie verbindet damit die Frage, wie sich die Berufsbilder der Reisewirtschaft an veränderte Anforderungen anpassen müssen. „Die Novellierung und damit die Modernisierung unseres Berufsbilds ist für mich ein wichtiges Zeichen einer Transformation“, sagt Katz. Für die Fortführung des Prozesses brauche es nun „engagierte Träger in Vorstand, Geschäftsführung und Branche“.

Nachfolge soll noch 2026 geregelt werden

Katz hat die DRV-Geschäftsstelle gebeten, die Nachwahl für die Vizepräsidentschaft der Säule E noch in diesem Jahr zu organisieren. Beim DRV-Hauptstadtkongress in Berlin will sie Gespräche mit möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolgern führen. Die Bereichsversammlung der Säule E findet am 16. Oktober um 12.30 Uhr statt.

Die Satzung sieht vor, dass bei einem vorzeitigen Ausscheiden die zuständige Bereichsversammlung eine Nachfolge für die verbleibende Amtszeit wählt. Bis dahin kann der Vorstand eine vorläufige Vertretung bestimmen. Offen bleibt, wer den Vorsitz des Bildungsausschusses übernimmt und wie die begonnenen Projekte fortgeführt werden.

Auch die Frage nach Katz' weiterem Verhältnis zum DRV ist noch nicht beantwortet. Ein anderweitiges ehrenamtliches Engagement in der Reisewirtschaft schließt sie ausdrücklich nicht aus. „Ich engagiere mich gern für unsere Branche, wie bisher auch ehrenamtlich. Aber es gibt Grenzen, und ein konstruktives und zielführendes Miteinander ist für mich eine Grundvoraussetzung“, so Katz.

Sowohl Ulrike Katz als auch der Deutsche Reiseverband wurden um ergänzende Stellungnahmen gebeten.

Der DRV äußert sich auf Anfrage von TRVL COUNTER knapp zu Katz' angekündigtem Rücktritt: „Diese Entscheidung bedauern wir, respektieren sie aber selbstverständlich“, teilt der Verband mit. Von Katz' Entschluss habe man erst am Dienstag, 13. Oktober, erfahren. Auf die Fragen nach Reformtempo, Mitbestimmung und der künftigen Besetzung der Ämter geht der DRV in seiner ersten offiziellen Stellungnahme nicht ein.

Felix Hormel
 

Drei zentrale Forderungen von Ulrike Katz an den DRV und die Branche
  • Gleichberechtigte Mitbestimmung im DRV schaffen: Die mehr als 400 Unternehmen der Säule E müssen innerhalb des Verbands stärker vertreten werden. Katz fordert mindestens einen zusätzlichen Vorstandssitz, gleiche Wahlrechte, ein angemessenes Stimmenverhältnis und transparente Mitgliedsbeiträge. Die assoziierten Mitglieder dürften nicht länger Mitglieder zweiter Klasse sein.
  • Verbandsstrukturen modernisieren und Reformtempo erhöhen: Der DRV muss schneller, transparenter und veränderungsbereiter werden. Dazu gehören eine Modernisierung des Ehrenamts, eine zeitgemäße Führungsstruktur und die frühzeitige Einbindung der nächsten Generation. Katz fordert, bereits heute darüber nachzudenken, wer den Verband in den 2030er- und 2040er-Jahren führen soll.
  • Ausbildung reformieren und Nachwuchs konsequent fördern: Die Novellierung der Ausbildungsordnung für Tourismuskaufleute muss vorangetrieben werden. Berufsbilder und Qualifikationen müssen sich an die veränderten Anforderungen der Branche anpassen. Gleichzeitig gilt es, erfolgreiche Nachwuchsinitiativen dauerhaft zu verankern. Dafür braucht es engagierte Verantwortliche in Vorstand, Geschäftsführung und Unternehmen.