Gastland 202621.09.26, 12:27 Uhr
Tschechien nutzt Buchmesse für literarische Reiseideen
Tschechien ist im Oktober Ehrengast der Frankfurter Buchmesse – und Visit Czechia macht daraus einen Reiseanlass. Die Tourismusorganisation führt auf die Spuren von Kafka, Kundera, Rudiš und weiteren Autoren und verbindet deren Werke mit Orten in Prag, Böhmen und Mähren.

Zwischen Nebelschwaden und bewaldeten Hügeln erhebt sich die Burg Talmberk in der mährischen Walachei. Die Region gehört zu den Landschaften, die Visit Czechia im Umfeld des tschechischen Buchmesse-Auftritts als literarische Reiseziele vorstellt. Foto: Czech Tourism/Moravian-Silesian Tourism
Tschechien präsentiert sich vom 7. bis 11. Oktober 2026 als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ rückt das Land seine Literatur und die Orte in den Mittelpunkt, die Schriftsteller und ihre Werke geprägt haben. Die Tourismusorganisation Visit Czechia nimmt den Auftritt zum Anlass, literarische Orte vorzustellen und den Blick über Prag hinaus zu lenken.
75 Autoren vertreten Tschechien in Frankfurt
Das Motto ist von Shakespeares „Wintermärchen“ inspiriert und spielt mit der Vorstellung einer imaginären tschechischen Küste. Sie soll eine Verbindung zur internationalen Literaturwelt schaffen und zugleich den Blick auf Reiseziele im Land lenken.
75 tschechische Autoren nehmen an der 78. Frankfurter Buchmesse teil. Dazu gehören Jaroslav Rudiš, Alena Mornštajnová, Radka Denemarková und Jáchym Topol. Im Ehrengast-Pavillon präsentieren Verlage aus verschiedenen Ländern in der Ausstellung „Books on Czechia“ aktuelle Titel über Tschechien. Zum Programm gehören außerdem Lesungen, Debatten sowie Theater- und Musikveranstaltungen.
Begleitet wird der Auftritt vom „Jahr der tschechischen Kultur in den deutschsprachigen Ländern“. Dazu gehört die Ausstellung „More is NOW! Neue tschechische Architektur“ im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt. Sie läuft vom 19. September 2026 bis 17. Januar 2027 und zeigt 28 zeitgenössische Projekte, überwiegend von jüngeren tschechischen Planern. Thematisiert werden unter anderem der Umgang mit Landschaft und historischem Erbe sowie neue Technologien und gesellschaftliche Veränderungen.
Prag auf den Spuren von Kafka und Seifert
Prag ist eng mit Franz Kafka verbunden. „Dieses Mütterchen hat Krallen“, schrieb der Autor über die Stadt. Die tschechische Hauptstadt spielt aber auch in zahlreichen weiteren Romanen und historischen Erzählungen eine Rolle. Zuletzt diente sie als Schauplatz des 2025 erschienenen Sci-Fi-Thrillers „The Secret of Secrets“ von Dan Brown.
Wer den Spuren der Romanfigur Robert Langdon folgen will, gelangt unter anderem ins jüdische Viertel und zur Prager Burg. Die Kampagne „Lesen Sie in Prag wie in einem Buch“ führt mit einer illustrierten Karte zu literarischen Orten. Dazu gehört das Café Louvre, das einst auch Kafka und Rilke besuchten. Das Café Slavia erinnert mit dem Frühstückscocktail „Death before noon“ an Ernest Hemingway.
Eine weitere literarische Perspektive auf Prag bieten die Gedichte von Jaroslav Seifert. Der 1984 ausgezeichnete und bislang einzige tschechische Literaturnobelpreisträger lebte von 1901 bis 1986. In seinen Werken spielen unter anderem die Altstadtgassen, Innenhöfe und das frühere Arbeiterviertel Žižkov eine Rolle, in dem Seifert lange lebte.
Brünn erinnert an Hrabal und Kundera
Auch Brünn ist eng mit der tschechischen Literaturgeschichte verbunden. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist Geburtsort von Bohumil Hrabal und Milan Kundera.
Hrabal lebte von 1914 bis 1997. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt. Viel Zeit verbrachte er mit seiner Frau Eliška in einem Wochenendhaus in der Siedlung Kersko in Mittelböhmen. Die Umgebung taucht immer wieder in seinen Geschichten auf. Das Haus ist heute ein Museum.
Milan Kundera wurde 1929 geboren und starb 2023. Zu seinen bekanntesten Werken gehört „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. 2023 eröffnete in Brünn die Milan-Kundera-Bibliothek.
Mit Jaroslav Rudiš durch Böhmen
Weiter aus den größeren Städten hinaus führen die Bücher von Jaroslav Rudiš. Der Autor gehört ebenfalls zu den tschechischen Teilnehmern der Frankfurter Buchmesse 2026. Seine Geschichten spielen unter anderem im Böhmischen Paradies und in Liberec.
In „Winterbergs letzte Reise“, „Gebrauchsanweisung für Bier“ und „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ greift Rudiš immer wieder Orte, Eisenbahnen und Bierkultur auf. Der zweisprachige Autor lebt abwechselnd in Berlin und Böhmen. Seine Geschichten lassen sich deshalb auch mit Reisen per Bahn verbinden.
Drei Autorinnen führen nach Mähren und in die Berge
Kateřina Tučková, Alena Mornštajnová und Markéta Pilátová gehören zu den Stimmen der tschechischen Gegenwartsliteratur und sind ebenfalls bei der Frankfurter Buchmesse vertreten. Alle drei stammen aus Mähren und greifen in ihren Büchern Landschaften und Städte der Region auf.
Tučková schreibt über Brünn, die Weißen Karpaten und das Reichensteiner Gebirge. Sie kehrt selbst immer wieder an Orte zurück, die ihre Romane geprägt haben.
Mornštajnová ist eng mit ihrer Heimatstadt Valašské Meziříčí und der Landschaft der Walachei verbunden. Die Region spielt auch in ihrem Roman „Hana“ eine zentrale Rolle.
Pilátová verbindet Erfahrungen aus zwölf Jahren in Argentinien und Brasilien mit ihrer Beziehung zu den tschechischen Bergen. Zu den Orten ihrer Bücher gehören das Alvatergebirge, Velké Losiny sowie die Unesco-Städte Kroměříž und Litomyšl.
Weitere Informationen gibt es unter visitczechia.com.
75 Autoren vertreten Tschechien in Frankfurt
Das Motto ist von Shakespeares „Wintermärchen“ inspiriert und spielt mit der Vorstellung einer imaginären tschechischen Küste. Sie soll eine Verbindung zur internationalen Literaturwelt schaffen und zugleich den Blick auf Reiseziele im Land lenken.
75 tschechische Autoren nehmen an der 78. Frankfurter Buchmesse teil. Dazu gehören Jaroslav Rudiš, Alena Mornštajnová, Radka Denemarková und Jáchym Topol. Im Ehrengast-Pavillon präsentieren Verlage aus verschiedenen Ländern in der Ausstellung „Books on Czechia“ aktuelle Titel über Tschechien. Zum Programm gehören außerdem Lesungen, Debatten sowie Theater- und Musikveranstaltungen.
Begleitet wird der Auftritt vom „Jahr der tschechischen Kultur in den deutschsprachigen Ländern“. Dazu gehört die Ausstellung „More is NOW! Neue tschechische Architektur“ im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt. Sie läuft vom 19. September 2026 bis 17. Januar 2027 und zeigt 28 zeitgenössische Projekte, überwiegend von jüngeren tschechischen Planern. Thematisiert werden unter anderem der Umgang mit Landschaft und historischem Erbe sowie neue Technologien und gesellschaftliche Veränderungen.
Prag auf den Spuren von Kafka und Seifert
Prag ist eng mit Franz Kafka verbunden. „Dieses Mütterchen hat Krallen“, schrieb der Autor über die Stadt. Die tschechische Hauptstadt spielt aber auch in zahlreichen weiteren Romanen und historischen Erzählungen eine Rolle. Zuletzt diente sie als Schauplatz des 2025 erschienenen Sci-Fi-Thrillers „The Secret of Secrets“ von Dan Brown.
Wer den Spuren der Romanfigur Robert Langdon folgen will, gelangt unter anderem ins jüdische Viertel und zur Prager Burg. Die Kampagne „Lesen Sie in Prag wie in einem Buch“ führt mit einer illustrierten Karte zu literarischen Orten. Dazu gehört das Café Louvre, das einst auch Kafka und Rilke besuchten. Das Café Slavia erinnert mit dem Frühstückscocktail „Death before noon“ an Ernest Hemingway.
Eine weitere literarische Perspektive auf Prag bieten die Gedichte von Jaroslav Seifert. Der 1984 ausgezeichnete und bislang einzige tschechische Literaturnobelpreisträger lebte von 1901 bis 1986. In seinen Werken spielen unter anderem die Altstadtgassen, Innenhöfe und das frühere Arbeiterviertel Žižkov eine Rolle, in dem Seifert lange lebte.
Brünn erinnert an Hrabal und Kundera
Auch Brünn ist eng mit der tschechischen Literaturgeschichte verbunden. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist Geburtsort von Bohumil Hrabal und Milan Kundera.
Hrabal lebte von 1914 bis 1997. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt. Viel Zeit verbrachte er mit seiner Frau Eliška in einem Wochenendhaus in der Siedlung Kersko in Mittelböhmen. Die Umgebung taucht immer wieder in seinen Geschichten auf. Das Haus ist heute ein Museum.
Milan Kundera wurde 1929 geboren und starb 2023. Zu seinen bekanntesten Werken gehört „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. 2023 eröffnete in Brünn die Milan-Kundera-Bibliothek.
Mit Jaroslav Rudiš durch Böhmen
Weiter aus den größeren Städten hinaus führen die Bücher von Jaroslav Rudiš. Der Autor gehört ebenfalls zu den tschechischen Teilnehmern der Frankfurter Buchmesse 2026. Seine Geschichten spielen unter anderem im Böhmischen Paradies und in Liberec.
In „Winterbergs letzte Reise“, „Gebrauchsanweisung für Bier“ und „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ greift Rudiš immer wieder Orte, Eisenbahnen und Bierkultur auf. Der zweisprachige Autor lebt abwechselnd in Berlin und Böhmen. Seine Geschichten lassen sich deshalb auch mit Reisen per Bahn verbinden.
Drei Autorinnen führen nach Mähren und in die Berge
Kateřina Tučková, Alena Mornštajnová und Markéta Pilátová gehören zu den Stimmen der tschechischen Gegenwartsliteratur und sind ebenfalls bei der Frankfurter Buchmesse vertreten. Alle drei stammen aus Mähren und greifen in ihren Büchern Landschaften und Städte der Region auf.
Tučková schreibt über Brünn, die Weißen Karpaten und das Reichensteiner Gebirge. Sie kehrt selbst immer wieder an Orte zurück, die ihre Romane geprägt haben.
Mornštajnová ist eng mit ihrer Heimatstadt Valašské Meziříčí und der Landschaft der Walachei verbunden. Die Region spielt auch in ihrem Roman „Hana“ eine zentrale Rolle.
Pilátová verbindet Erfahrungen aus zwölf Jahren in Argentinien und Brasilien mit ihrer Beziehung zu den tschechischen Bergen. Zu den Orten ihrer Bücher gehören das Alvatergebirge, Velké Losiny sowie die Unesco-Städte Kroměříž und Litomyšl.
Weitere Informationen gibt es unter visitczechia.com.

