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Rotwein-Experiment
16.09.26, 15:12 Uhr

Hurtigruten hebt arktisch gereiften Barolo aus dem Eismeer

Fünf bis sechs Grad, völlige Dunkelheit und vier Bar Wasserdruck. Unter diesen Bedingungen hat Hurtigruten 1.002 Flaschen Barolo ein Jahr lang vor Kirkenes reifen lassen. Das Ergebnis soll frischer und jugendlicher schmecken und bleibt exklusiv den Gästen der Reederei vorbehalten.

Tani Gurra von Hurtigruten und Winzer Enrico Rivetto begutachten eine der 1.002 Barolo-Flaschen nach ihrer Bergung aus dem Arktischen Ozean. Der Wein hatte ein Jahr lang in 34 Metern Tiefe vor der Küste Nordnorwegens gelagert. Foto: Kristian Dale
Die Reederei Hurtigruten hat vor der Küste Nordnorwegens 1.002 Flaschen Barolo aus 34 Metern Tiefe geborgen. Der Wein hatte ein Jahr lang im Arktischen Ozean gelagert und wird nun ausschließlich an Bord der Hurtigruten-Schiffe entlang der norwegischen Küste ausgeschenkt.

Das Experiment entstand gemeinsam mit dem italienischen Bio-Weingut Rivetto. Die Flaschen lagerten bei fünf bis sechs Grad Celsius, vier Bar Wasserdruck und vollständiger Dunkelheit im Meer. Versenkt wurden sie am 70. Breitengrad Nord nahe Kirkenes.

Ziel des Versuchs war es, den Einfluss der Bedingungen unter Wasser auf die Reifung des Barolo zu untersuchen. Der Wein stammt aus Serralunga d'Alba im Herzen der Barolo-Region und hatte zuvor 24 Monate in traditionellen Eichenholzfässern gelagert.

Unter Wasser gereifter Wein wirkt frischer

Bei einer ersten Verkostung verglich Henrik Dahl Jahnsen, Präsident der Norwegian Sommelier Association, den im Meer gereiften Barolo mit einer Kontrollflasche aus dem Weinkeller.

„Der Unterschied zwischen dem im Keller gereiften und dem in arktischen Gewässern gelagerten Wein war sofort erkennbar“, sagt Jahnsen. Der arktisch gereifte Barolo habe ein „leuchtenderes, jugendlicheres Rubinrot“ sowie ein frischeres und präziseres Aromenprofil von Wildfrüchten und Blüten gezeigt.

Auch bei den Tanninen habe es Unterschiede gegeben. Diese „wirkten frischer und knackiger, was dem Wein einen insgesamt jugendlicheren Ausdruck verlieh“, so Jahnsen. „Ich war überrascht, wie deutlich der Unterschied war, und beeindruckt von dieser offenbar einzigartigen und positiven Auswirkung auf den Wein.“

Barolo bleibt Hurtigruten-Gästen vorbehalten

Der Arctic Barolo kommt nicht in den freien Handel. Hurtigruten will die limitierte Sonderedition im Rahmen ausgewählter Kulinarik-Angebote und Fine-Dining-Menüs auf seinen Norwegen-Reisen ausschenken.

„Ein Jahr unter Wasser wirft vor allem eine Frage auf: Wie verändert sich der Wein? Die Antwort erfährt man erst, wenn man den ersten Korken zieht“, sagt Tani Gurra, Front of House & Beverage Director bei Hurtigruten. Einen solchen Wein diesen Bedingungen auszusetzen, erfordere Mut. „Umso stolzer sind wir, dass unsere Gäste diese Rarität nun exklusiv an Bord genießen können – genau dort, wo der Wein gereift ist“, sagt Gurra.

Auch Winzer Enrico Rivetto stellt die Verbindung zwischen dem Weinbau in Italien und Nordnorwegen heraus. „Die Verbindung unserer jahrhundertealten Weinbautradition mit der rauen Natur Nordnorwegens ist einmalig“, sagt Rivetto. „Zu wissen, dass die Gäste diese Geschichte nun Schluck für Schluck während ihrer Schiffsreise nacherleben, macht das Projekt besonders wertvoll.“

Depot vollständig vom Meeresboden entfernt

Bei dem Experiment sollte auch das Meeresökosystem geschützt werden. Das Unterwasser-Depot bestand deshalb aus meeresverträglichen Materialien.

Nach Abschluss der Reifung entfernten die Beteiligten sämtliche Flaschen und die gesamte Installation vollständig und rückstandslos vom Meeresboden.