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Internationale Anerkennung
29.07.26, 17:07 Uhr

Unesco macht die D-Day-Strände zum Welterbe

Die Landungsstrände der Normandie gehören jetzt zum Unesco-Welterbe. Mit der Aufnahme von Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie der Pointe du Hoc würdigt das Welterbekomitee ihre Bedeutung als Erinnerungsorte des D-Day und als Symbol für Freiheit, Frieden und Versöhnung.

Zwischen Utah und Omaha Beach ragt die Pointe du Hoc ins Meer. Die ehemalige Stellung des Atlantikwalls mit weiterhin sichtbaren Bombenkratern ist heute ein zentraler Erinnerungsort an den D-Day. Foto: Pierre Galliot/Région Normandie

Die Landungsstrände der Normandie gehören neu zum Unesco-Welterbe. Das Komitee hat die fünf Strandabschnitte sowie die Pointe du Hoc auf seiner Jahrestagung im südkoreanischen Busan in die Welterbeliste aufgenommen. Die Auszeichnung würdigt ihre Bedeutung als Erinnerungsorte an die alliierte Landung am 6. Juni 1944 – dem sogenannten D-Day – und als Symbol für Freiheit, Frieden und Versöhnung.

Fünf Strände und die Pointe du Hoc

Zum Welterbe zählen die unter ihren Codenamen bekannten Strände Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach. Ebenfalls aufgenommen wurde die zwischen Utah und Omaha gelegene Landspitze Pointe du Hoc. Dort erinnern bis heute Bombenkrater an die Kämpfe um die stark befestigte Stellung des Atlantikwalls.

Am D-Day landeten rund 156.000 alliierte Soldaten in der Normandie. Die Invasion gilt als entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg und leitete die Befreiung Westeuropas aus der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein.

Millionen Besucher an den Erinnerungsorten

Die Gedenkstätten der Normandie zogen 2025 rund fast sechs Millionen Besucher an. Zu den meistbesuchten Orten zählen der amerikanische Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer, der deutsche Soldatenfriedhof La Cambe, das Mémorial de Caen sowie das Landungsmuseum in Arromanches-les-Bains.

Vor Gold Beach sind außerdem noch Überreste des künstlichen Mulberry-Hafens erhalten.

Erinnerung an Freiheit und Versöhnung

„Ihre Aufnahme in das Unesco-Weltkulturerbe ist eine internationale Anerkennung dessen, wofür die Normandie seit 1944 steht: das Vermächtnis der Männer und Frauen, die für Freiheit und Demokratie gekämpft haben“, sagt Hervé Morin, Präsident der Region Normandie. „Sie ist zugleich eine große Verantwortung, nämlich diese Erinnerung an künftige Generationen weiterzugeben – in einer Welt, die sie heute mehr denn je braucht.“

Mit der Anerkennung würdige die internationale Gemeinschaft die Bedeutung der Landungsstrände als Orte des Mutes, der Opferbereitschaft, der internationalen Zusammenarbeit sowie der Versöhnung und des gemeinsamen Einsatzes für Frieden und Sicherheit.

Fast zwei Jahrzehnte Vorbereitung

Der Unesco-Titel ist das Ergebnis eines fast zwanzigjährigen gemeinsamen Engagements des französischen Staates, der Region Normandie und der beteiligten Gemeinden. Ziel ist es, die Erinnerungsorte dauerhaft zu erhalten und ihre Geschichte auch für kommende Generationen zugänglich zu machen. Das im Rahmen der Bewerbung entwickelte Konzept berücksichtigt zudem die Folgen des Klimawandels für die Küstenlandschaft.


Am Gold Beach erinnern die Überreste des künstlichen Mulberry-Hafens an die Ereignisse des D-Day. Foto Manuel de Rugy/Région Normandie

Zum Engagement für Frieden und Erinnerungskultur zählt auch das jährlich in Caen stattfindende „Normandy World Forum for Peace“, das Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie junge Menschen zum Austausch über internationale Zusammenarbeit zusammenbringt.

Der 26. Juli als neues Erinnerungsdatum

„Mit der Entscheidung des Welterbekomitees, den universellen Wert der Landungsstrände anzuerkennen und sie in die Liste des Unesco-Welterbes aufzunehmen, wird der 26. Juli künftig als neues bedeutendes Datum in unserem gemeinsamen Gedächtnis verankert sein“, betont Hervé Morin.

Dieser Tag, so Morin, werde fortan „in engem Zusammenhang mit dem 6. Juni 1944 stehen – jenem Tag, an dem Soldaten aus 17 Nationen in der Normandie landeten und damit den Wendepunkt eines Krieges einleiteten, der rund 60 Millionen Menschen das Leben kostete.“

Vierte Welterbestätte der Normandie

Die Landungsstrände sind die vierte Unesco-Welterbestätte der Normandie. Bereits zuvor wurden der Mont Saint-Michel mit seiner Bucht, das von Auguste Perret wiederaufgebaute Stadtzentrum von Le Havre sowie die Vauban-Türme in Saint-Vaast-la-Hougue und auf der Île Tatihou in die Welterbeliste aufgenommen.

Zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit gehören außerdem das Know-how der Alençon-Spitze und der Karneval von Granville. Der Teppich von Bayeux ist seit 2007 im Unesco-Register „Memory of the World“ eingetragen und wird vom 10. September 2026 bis zum 11. Juli 2027 im British Museum in London ausgestellt.

Anreise per Bahn, Bus oder Fahrrad

Die Landungsstrände sind von Deutschland aus mit der Bahn über Paris erreichbar. Von dort bestehen Direktverbindungen nach Caen und Bayeux. Im Juli und August verbindet die Sommerlinie 125 des Nomad-Busnetzes Grandcamp-Maisy mit Courseulles-sur-Mer und erschließt unter anderem Omaha, Gold und Juno Beach.

Auch der Fernradweg La Vélomaritime (Euro Velo 4) führt entlang aller Landungsstrände und der Pointe du Hoc. Die Strecke verbindet Museen, Gedenkstätten und Aussichtspunkte entlang der Küste.