Anzeige
Vertriebsklima-Index
20.07.26, 17:32 Uhr

Reisevertrieb hangelt sich aus dem Stimmungstief

Nach dem Tief im Mai gewinnt das touristische Vertriebsklima weiter an Boden. Im Juli steigt der Index auf 78,7 Punkte. Die Stimmung verbessert sich zwar, doch rückläufiges Geschäft und gedämpfte Erwartungen belegen, dass der Reisevertrieb noch längst nicht über den Berg ist.

Die Stimmung im Reisevertrieb verbessert sich im Juli den zweiten Monat in Folge, wenngleich nur „tröpfchenweise“. Foto: KI-generiert

Die Stimmung im Reisevertrieb verbessert sich im Juli weiter, wenn auch nur leicht. Der touristische Vertriebsklima-Index notiert in diesem Monat 78,7 Punkte – nach 75,5 im Juni. Die 74 Zähler im Mai markieren bislang die Talsohle im Verlauf dieses Jahres und den niedrigsten Wert seit April 2021. 

Die Erholung bleibt jedoch fragil: Noch immer melden knapp drei Viertel der Reisebüros rückläufige Verkäufe, und auch bei Nachfrage und Erträgen überwiegt die Skepsis.

Nach dem leichten Plus im Juni hellt sich die Stimmung im touristischen Reisevertrieb im Juli erneut auf. Der touristische Vertriebsklima-Index legt von 75,5 auf 78,7 Punkte zu. Sowohl die Bewertung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate verbessern sich.

Von einer belastbaren Trendwende kann dennoch keine Rede sein: Das Stimmungsbarometer liegt weiter deutlich unter dem Niveau zu Jahresbeginn und auch unter den 2025er Werten.

Der Lageindex steigt von 75,1 auf 78,2 Punkte. Noch etwas stärker verbessern sich die Erwartungen: Diese klettern von 75,9 auf 79,3 Punkte. Damit setzt sich die Stabilisierung nach dem Tief im Mai fort, als der Gesamtindex bei 74 Punkten lag. Im Januar hatte das Barometer allerdings noch 94,1 Punkte erreicht; im Juli 2025 waren es 86,9 Punkte.

Lage deutlich besser bewertet

Die Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage hellt sich im Juli spürbar auf. 12,3 Prozent der Reisebüros bewerten ihre Lage als gut, nach 10,7 Prozent im Juni. Der Anteil negativer Bewertungen sinkt zugleich von 52,7 auf 40,3 Prozent.

Vor allem die neutrale Kategorie gewinnt: 47,4 Prozent sprechen von einer befriedigenden Lage, nach 36,6 Prozent im Vormonat. Die Verbesserung beruht damit weniger auf einem kräftigen Zuwachs bei positiven Bewertungen als auf einer klaren Verschiebung aus dem negativen in das mittlere Lager.

Verkaufsrückgänge bleiben massiv

Bei den Verkaufszahlen zeigt sich ebenfalls eine leichte Entspannung – allerdings auf weiterhin niedrigem Niveau. 72,8 Prozent der Reisebüros berichten von gesunkenen Verkäufen in den vergangenen zwei bis drei Monaten gegenüber dem Vorjahr. Im Juni waren es noch 77,1 Prozent.

Der Anteil stabiler Umsätze steigt von 17,6 auf 20,1 Prozent. Steigende Verkäufe melden 7,1 Prozent der Befragten, nach 5,3 Prozent im Vormonat. Die Mehrheit des Vertriebs spürt damit weiterhin eine rückläufige Geschäftsentwicklung, auch wenn deren Breite etwas abnimmt.

Erwartungen etwas weniger düster

Der Blick auf die kommenden sechs Monate bleibt skeptisch, fällt aber weniger negativ aus als im Juni. 48,9 Prozent der Befragten rechnen mit einer sinkenden Nachfrage nach Reiseleistungen; im Vormonat waren es 58,8 Prozent.

Gleichzeitig wächst der Anteil jener Reisebüros, die von einer stabilen Nachfrage ausgehen, von 35,1 auf 43,7 Prozent. Optimistisch sind 7,5 Prozent, nach 6,1 Prozent im Juni. Auch hier verschiebt sich das Bild vor allem weg von klarer Skepsis hin zu einer abwartenden Haltung.

Erträge weiter unter Druck

Ähnlich sieht es bei den Ertragserwartungen aus. Zwar sinkt der Anteil der Reisebüros, die in den kommenden sechs Monaten mit schlechteren Erträgen rechnen, von 64,1 auf 56,3 Prozent. Dennoch bleibt diese Gruppe klar in der Mehrheit.

36,2 Prozent erwarten eine unveränderte Ertragssituation, nach 31,3 Prozent im Juni. Nur 7,5 Prozent rechnen mit einer Verbesserung; im Vormonat waren es 4,6 Prozent. Die Entspannung in der Stimmung ist damit real, sie ist aber bislang nicht gleichbedeutend mit einer breiten Aussicht auf besseres Geschäft.

Die Erhebung wird regelmäßig von der Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner durchgeführt. An der aktuellen Befragung nahmen 268 Reisebüros (Juni: 262) teil, die sowohl den stationären als auch den Online-Vertrieb von Urlaubsreisen abdecken. Der Großteil stammt aus dem mittelständischen Leisure-Segment.

Felix Hormel