Aerticket verabschiedet Gründer und Architekten Rainer Klee
Bei dem Consolidator endet nach fast vier Jahrzehnten eine Ära. Der langjährige CEO Rainer Klee ist aus dem Unternehmen ausgeschieden. Die Geschäftsführung und der Beirat würdigen Klees Lebenswerk und seinen prägenden Einfluss auf den Flugticketgroßhändler.

Rainer Klee, Gründer und langjähriger CEO der Aerticket Gruppe, ist zum 1. Juli vollständig aus dem Unternehmen ausgeschieden. Mit seinem Abschied gibt der 68-Jährige auch seine Gesellschaftsanteile ab. Ein Teil davon geht an gemeinnützige Stiftungen.
Rückzug nach strategischer Neuausrichtung
Klee hatte sich bereits im vergangenen Jahr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die CEO-Rolle Ende Juni 2025 an Holger Taubmann übertragen. Seither hatte er dem Unternehmen beratend zur Seite gestanden. Zuletzt beschäftigte sich Klee mit der Identifizierung und Bewertung internationaler Investitionsmöglichkeiten. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung von Aerticket auf Konsolidierung und nachhaltige Weiterentwicklung habe dieser Aufgabenbereich an Bedeutung verloren.
Mit seinem endgültigen Ausscheiden gibt Klee auch seine Gesellschaftsanteile ab. 41 Prozent davon fließen in gemeinnützige Stiftungen. Dadurch steigt der Anteil von Stiftungen am Unternehmen künftig auf 20,1 Prozent.
„Wünsche mir neue Perspektiven“
„Nach 38 Jahren und im Alter von 68 Jahren wünsche ich mir neue Perspektiven“, sagt Klee. „Darüber hinaus möchte ich mich stärker meinen persönlichen Interessen widmen. Dazu gehören Reisen, meine Hobbys sowie mein wachsendes Engagement im Stiftungsbereich.“
Mit Blick auf sein Lebenswerk zieht Klee eine positive Bilanz. „Der Aufbau von Aerticket hat mir stets große Freude gemacht – insbesondere die Zusammenarbeit mit Menschen und Partnern aus aller Welt“, sagt er. Sein Ziel, „einen weltweit führenden Consolidator mit einzigartigem Content aus inzwischen über 100 Märkten Schnittstellen zu schaffen“, habe er erreicht, so sein Fazit.
Unternehmensspitze würdigt Gründer
„Rainer Klee hat Aerticket mit unternehmerischem Mut, großer Leidenschaft und einem klaren internationalen Blick über nahezu vier Jahrzehnte geprägt“, sagt Holger Taubmann. Dem Firmengründer verdanke das Unternehmen nicht nur seine herausragende Marktposition, sondern auch „eine Kultur des Vertrauens, der Partnerschaft und der Innovationskraft“, so der vormalige Aerticket-COO und frühere Amadeus-Manager.
Zum Abschied richtet Taubmann persönliche Worte an seinen Vorgänger: Im Namen der gesamten Gruppe danke er Klee herzlich für sein Lebenswerk und wünsche ihm für den neuen Lebensabschnitt „alles Gute, Gesundheit und viele inspirierende Erfahrungen“.
„Maßstäbe gesetzt“
Auch Beiratsvorsitzender und AER-Vorstand Rainer Hageloch blickt auf die langjährige Zusammenarbeit zurück. „Rainer Klee und mich verbindet eine jahrzehntelange partnerschaftliche Zusammenarbeit, die von gegenseitigem Vertrauen, Respekt und dem gemeinsamen Willen geprägt war, Aerticket erfolgreich weiterzuentwickeln“, so Hageloch. „Mit seiner Vision und seiner Beharrlichkeit hat er ein Unternehmen geschaffen, das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Maßstäbe gesetzt hat.“

AER-Vorstand Rainer Hageloch mit Rainer Klee beim Sommerfest des Deutschen Reiseverbands (DRV) 2025 in der Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin. Foto: TRVL COUNTER/Jean-Marc Göttert
Dass künftig ein größerer Teil des Unternehmens Stiftungen gehört, bewertet Hageloch ebenfalls positiv: „Ich freue mich, dass sein Wirken durch die starke Stiftungskomponente im Gesellschafterkreis auch künftig einen nachhaltigen Beitrag leisten wird.“
Personelle Veränderungen
Zuletzt war Lars Holling im April 2026 aus der Aerticket-Gruppe ausgeschieden. Der langjährige Geschäftsführer war seit 2003 für den Flugticketgroßhändler tätig.
Holger Taubmann ist seit 2023 bei dem Consolidator an Bord.
Rainer Klee hat Aerticket über fast vier Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt. Mit unternehmerischem Mut, Haltung und einem Gespür für die Entwicklungen der Branche hat er aus einem Berliner Reisebüro-Kollektiv ein international erfolgreiches Unternehmen gemacht. Dabei war Klee nie ein gefälliger Mitspieler, sondern stets jemand, der Position bezogen und auch unbequeme Entscheidungen nicht gescheut hat.
Gerade diese Mischung aus Beharrlichkeit, Eigensinn und Weitblick hat den Flugticketgroßhändler durch sehr unterschiedliche Marktphasen getragen – bis hin durch die herausfordernden Corona-Jahre. Sein Abschied markiert deshalb nicht nur das Ende einer langen Unternehmerlaufbahn, sondern auch den Übergang in eine neue Phase, in der sein Lebenswerk sichtbar weiterwirkt.

