Dertour bilanziert den Winter – Ägypten gewinnt, Solo boomt
Die Gästezahlen trotzen dem schwachen Konsumklima, Ägypten hängt Spanien ab und fast jede fünfte Reise startet ohne Begleitung: Das Dertour-Reisebarometer für die Wintersaison 2025/2026 zeichnet ein klares Bild davon, wie sich Buchungsverhalten und Zielgruppen im Markt verändern.

Trotz verhaltener Konsumstimmung bleibt der Winterurlaub für viele Menschen wichtig. Das zeigt das aktuelle Dertour-Reisebarometer für den Winter 2025/2026. Die Gästezahlen lagen zwischen November 2025 und Februar 2026 auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig verändern sich Buchungsverhalten und Zielgebietspräferenzen deutlich: Frühbuchungen nehmen weiter zu, die Kurz- und Mittelstrecke gewinnt leicht an Bedeutung – und Solo Travel entwickelt sich zunehmend vom Spezialsegment zum Massenmarkt.
„Trotz insgesamt verhaltener Konsumstimmung blieb der Winterurlaub für viele Menschen eine hohe Priorität“, resümiert Dertour-CEO Boris Raoul. „Sie hielten am Urlaub fest und planten ihn bewusster, mit einem stärkeren Fokus auf Preis-Leistung und der gezielten Nutzung von Frühbucherermäßigungen.“
Gäste buchen Winterurlaub früher
Die durchschnittliche Vorausbuchungsfrist stieg im Winter 2025/2026 auf 107 Tage und lag damit drei Tage über dem Vorjahreswert. „Noch mehr Reisende buchten ihren Winterurlaub frühzeitig, um sich die beliebtesten Hotels zu den besten Konditionen zu sichern, gerade auch in Ferienzeiten“, sagt Raoul.
Auch stationäre Reisebüros bleiben für viele Urlauber wichtig: 63 Prozent der Gäste buchten ihre Reise im Reisebüro, 37 Prozent online.
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Boris Raoul, CEO Dertour Deutschland und Österreich. Foto: Dertour Group
„Reisebüro-Experten geben Orientierung im breiten Angebot und wissen genau, wie sich attraktive Reisen zu optimalen Konditionen finden oder individuell gestalten lassen“, sagt Raoul. „Gerade in herausfordernden Zeiten schätzen viele Reisende zudem den Mehrwert eines persönlichen Ansprechpartners.“
Kurz- und Mittelstrecke legt leicht zu
Die Nachfrage verschob sich im Winter 2025/2026 leicht zugunsten näherer Reiseziele: 65 Prozent der Gäste entschieden sich für die Kurz- und Mittelstrecke, die Fernstrecke verlor im Vorjahresvergleich zwei Prozentpunkte auf 35 Prozent.
„In einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld haben viele Reisende bei der Winterurlaubsplanung noch stärker auf Preis-Leistung und gut kalkulierbare Gesamtkosten geachtet“, erklärt Dertour-Produktchef Sven Schikarsky. Das habe sich „als Verstärker für die Entwicklung einzelner Ziele“ ausgewirkt.
Ägypten verdrängt Spanien von Platz eins
Besonders deutlich zeigte sich dieser Trend bei Ägypten. Das Land am Nil verzeichnete das größte absolute Gästeplus aller Reiseziele weltweit und rückte im Ranking der Kurz- und Mittelstrecke von Platz zwei auf Platz eins vor. Die Gästezahlen stiegen um 15 Prozent. Spanien folgt auf Rang zwei vor der Türkei, Deutschland und Österreich.
„Ägypten war das beliebteste Winterurlaubsziel insgesamt und konnte im Vergleich zum Vorjahr eine fünfstellige Zahl an Gästen hinzugewinnen“, berichtet Schikarsky. „Zu Ägyptens Erfolgsfaktoren zählen das verlässliche Klima, kurze Flugzeiten sowie eine hohe qualitativ hochwertige Angebotsdichte mit starkem All-inclusive-Schwerpunkt.“

Sven Schikarsky, Geschäftsführer und Produktchef von Dertour sowie der Schwestermarken ITS und Meiers Weltreisen. Foto: Dertour Group
Österreich legte deutlich zu und verbesserte sich dank eines Gästeplus von 37 Prozent von Platz sieben auf Platz fünf. Ebenfalls dynamisch entwickelten sich Griechenland und Tschechien. Griechenland wuchs um 94 Prozent, Tschechien um 21 Prozent. Das deutsche Nachbarland „war wegen günstiger Preise und niedriger Nebenkosten vor allem für preisbewusste Winterurlauber attraktiv“, sagt Schikarsky. Gute Schneeverhältnisse in den Bergen hätten obendrein zu hoher Nachfrage nach Skiurlaub geführt.
Thailand bleibt Fernziel Nummer eins
Auf der Fernstrecke behauptete Thailand seine Spitzenposition vor dem Indischen Ozean und der Karibik. Ostafrika legte um 15 Prozent zu und blieb auf Rang fünf. Nordamerika fiel dagegen aus den Top fünf heraus und rutschte auf Platz sechs ab.
Stark entwickelte sich auch Japan: Das Land der Kirschblüten legte um 107 Prozent zu – wenngleich von niedrigem Ausgangsniveau.
„Die im Vergleich zum Sommer noch deutlich niedrigeren Besucherzahlen sind für viele Reisende ein zusätzlicher Anreiz, das Land in den Wintermonaten zu bereisen“, sagt Schikarsky. „So lassen sich Tempel und andere Sehenswürdigkeiten mit deutlich weniger Trubel besuchen.“
Qualitätsanspruch bleibt hoch
Die durchschnittliche Reisedauer blieb mit neuneinhalb Tagen stabil. Skiurlaube dauerten im Schnitt einen Tag länger als im Vorjahr, Langzeitaufenthalte verlängerten sich leicht auf 32 Tage im Schnitt. Besonders lange blieben Gäste in Tunesien: Dort lag die durchschnittliche Dauer von Langzeiturlauben bei 45 Tagen.
Auch bei den Unterkünften zeigt sich der Wunsch nach Komfort. 86 Prozent der Gäste buchten ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel. Der Anteil der Fünf-Sterne-Hotels stieg auf 36 Prozent. All-inclusive blieb mit 47 Prozent die beliebteste Verpflegungsart vor Frühstück und Halbpension. „Die weiterhin starke All-inclusive-Nachfrage verdeutlicht den Wunsch nach einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, Kalkulierbarkeit sowie Budgetsicherheit“, ist Schikarsky überzeugt.
Solo Travel entwickelt sich zum Massenmarkt
Ein Schwerpunkt des Reisebarometers liegt auf dem Segment Solo Travel: Im Winter 2025/2026 entfielen 18 Prozent aller Reisen auf Alleinreisende. Damit wurde fast jede fünfte Winterreise solo unternommen. Alleinreisen seien „ein eigenständiges Segment mit sehr heterogenen Anforderungen“, beschreibt Boris Raoul die Reiseart. Dertour begegne den Gästem „mit speziell auf sie ausgerichteten Angeboten, die wir aktuell weiter ausbauen.“
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede im Reiseverhalten: Zwei Drittel der Solo-Reisenden waren älter als 50 Jahre, 29 Prozent sogar älter als 65 Jahre. Das zeige, „dass Solo-Reisen unterschiedliche Lebensphasen begleiten, vom Schulabschluss über den Berufseinstieg bis ins Rentenalter“, so Schikarsky. „Und wir sehen in unseren Daten auch: Das Thema gewinnt über den Lebensverlauf hinweg an Bedeutung.“
Solo-Reisende bleiben länger unterwegs
Solo-Reisende buchen ihren Urlaub kurzfristiger, reisen dafür aber länger. Die Vorausbuchungsfrist lag bei 74 Tagen gegenüber 107 Tagen bei den Gesamtgästen. Gleichzeitig dauerte eine Solo-Reise im Schnitt dreizehneinhalb Tage und damit vier Tage länger als Reisen in Begleitung.
Besonders lange unterwegs waren junge und ältere Alleinreisende. 18- bis 34-Jährige reisten durchschnittlich 15 Tage, Solo-Reisende ab 65 Jahren sogar 19 Tage.
„Nach Schul- oder Studienabschluss nutzen viele junge Menschen die Gelegenheit, größere Reisen zu unternehmen und ferne Ziele intensiver zu erleben“, weiß Schikarsky. „Ältere Alleinreisende nutzen die Wintermonate hingegen häufig zum Überwintern, etwa in sonnenstarken Destinationen wie Tunesien, auf den Kanaren oder in Thailand.“
Entsprechend gewinnt das Segment bei Deutschlands zweitgrößtem Reisekonzern auch wirtschaftlich an Bedeutung. Zwar buchten Solo Traveller etwas seltener Fünf-Sterne-Hotels, investierten durch ihre längeren Aufenthalte insgesamt aber häufig mehr Geld pro Reise. Die Reiseform stehe „damit für ein intensives Reiseverhalten mit hoher wirtschaftlicher Relevanz und wachsender Bedeutung für den Reisemarkt“, bringt es Schikarsky auf den Punkt.


