Hondius nach Hantavirus-Ausbruch auf Teneriffa evakuiert
Nach tagelanger Unsicherheit durfte die Hondius von Oceanwide Expeditions den Industriehafen Granadilla auf Teneriffa anlaufen. Die WHO bestätigte mehrere Hantavirus-Fälle und drei Todesopfer – und stuft das globale Risiko einer weiteren Ausbreitung als gering ein.

Das vom Hantavirus-Ausbruch betroffene Expeditionsschiff Hondius des niederländischen Veranstalters Oceanwide Expeditions hat am frühen Sonntagmorgen, 10. Mai, den Industriehafen Granadilla de Abona auf Teneriffa erreicht.
Die Ausschiffung der rund 140 Passagiere und eines Teils der Besatzung begann bei Tageslicht und wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen über einen vollständig abgesperrten Korridor direkt zum nahe gelegenen Flughafen Teneriffa Süd (TFS) abgewickelt. Von dort flogen mehrere Länder – darunter Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Irland – Staatsbürger mit eigenen Maschinen aus. Die USA organisierten zusätzlich einen eigenen Evakuierungsflug für amerikanische Staatsangehörige an Bord.
Drei Tote, sechs bestätigte Infektionen
Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte bis vergangenen Freitag, 8. Mai, sechs labordiagnostizierte Hantavirus-Infektionen sowie zwei weitere Verdachtsfälle – drei der Betroffenen sind inzwischen verstorben. Bei allen bestätigten Fällen handelt es sich um das Andes-Virus (ANDV), eine südamerikanische Variante, die in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist und normalerweise vor allem in Argentinien und Chile vorkommt.
Unter den Toten befinden sich ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Staatsangehörige.
Infektionskette ausgehend von Argentinien
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich möglicherweise noch vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt hatte. Da im Verlauf der Reise über 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder an verschiedenen Zwischenstopps von Bord gegangen sind, suchen Behörden weltweit nach potenziellen Kontaktpersonen.
In der Schweiz wurde bereits ein weiterer Fall bei einem ehemaligen Hondius-Passagier bestätigt.
Risiko einer weiteren Ausbreitung gering
Die Kanarischen Inseln hatten das Einlaufen des Schiffes zunächst abgelehnt; erst nach Abstimmung mit der WHO und der spanischen Regierung wurde die Einfahrt in den Industriehafen Granadilla genehmigt. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte sich mit einer direkten Botschaft an die Bevölkerung Teneriffas gewandt und betont: „Das ist nicht das neue Covid.“
Das globale Risiko stuft die WHO weiterhin als gering ein, für Passagiere und Besatzung an Bord gilt es als moderat.
Nach der Evakuierung der Passagiere soll die Hondius – aktuelle Position auf Cruise Mapper – zur Desinfektion in die Niederlande überführt werden.

