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Fachkräfte im Tourismus
23.04.26, 13:59 Uhr

Reisewirtschaft verliert überproportional viele Auszubildende

Der Branche versiegt der Nachwuchs. 2025 wurden nur 957 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Und das, während der Ausbildungsmarkt insgesamt resilienter dasteht. Der DRV sieht dringenden Handlungsbedarf bei Ausbildungsqualität, Berufsbild und Arbeitgeberattraktivität.

DRV-Präsident Albin Loidl warnt vor einem zunehmenden Nachwuchsmangel in der Reisewirtschaft und fordert eine Modernisierung der Ausbildung sowie strukturelle Reformen. Foto: DRV/Marcel Kautz
Die Reisewirtschaft verliert überproportional im Wettbewerb um Auszubildende – und das vor dem Hintergrund eines ohnehin schrumpfenden Lehrstellenmarkts. Der DRV schlägt Alarm und fordert strukturelle Reformen.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in der Reisewirtschaft ist 2025 erneut gesunken. Laut Erhebungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurden zum Stichtag 30. September 2025 insgesamt 957 neue Ausbildungsverträge zur Tourismuskaufkraft abgeschlossen – ein Rückgang von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt verzeichnete im selben Zeitraum lediglich ein Minus von 2,1 Prozent.

„Das ist ein klares Warnsignal“, kommentiert DRV-Präsident Albin Loidl die Zahlen.

Langfristiger Rückgang ohne Trendwende

Der Blick auf die Langzeitentwicklung verschärft das Bild: 2015 wurden noch 1.615 neue Verträge abgeschlossen. Trotz einer zwischenzeitlichen leichten Erholung nach der Pandemie hat die Branche dieses Niveau nie wieder erreicht. Der pandemiebedingte Einbruch wirkt bis heute strukturell nach.

Erschwerend kommt die demografische Entwicklung hinzu: Laut Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz werden im laufenden Jahr voraussichtlich nur rund 750.000 Schulabgänger für den Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen – so wenige wie noch nie. „Die demografische Entwicklung wird den Wettbewerb um Nachwuchskräfte weiter verschärfen“, so Loidl.

Regionale Gefälle

Auch regional zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Während die Ausbildungszahlen in Ostdeutschland stabil bleiben, verbucht Westdeutschland einen Rückgang von 7,7 Prozent. Besonders stark betroffen sind Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie kleinere Bundesländer wie Bremen, das Saarland und Brandenburg. Loidl warnt, diese Entwicklung habe „direkte Auswirkungen auf Berufsschulstandorte und die Ausbildungsinfrastruktur insgesamt“.

Modernisierung des Berufsbilds

Ein zentrales Strukturproblem: Der aktuelle Ausbildungsrahmenplan für Tourismuskaufleute stammt aus dem Jahr 2011 und wurde seither nicht grundlegend überarbeitet. „Wir brauchen eine moderne, praxisnahe Ausbildung – sowohl in den Betrieben als auch in den Berufsschulen. Dazu gehört eine zeitgemäße Ausstattung und die Integration digitaler Kompetenzen“, fordert Loidl.

Eine Neuordnung kann jedoch nur auf Bundesebene angestoßen werden und erfordert erfahrungsgemäß mehrere Jahre. Auf der DRV-Jahrestagung, die vergangene Woche auf den Azoren stattfand, diskutierte die Branche unter dem Themenschwerpunkt „Berufsbild der Zukunft“ auch kurzfristig umsetzbare Ansätze: Genannt wurden etwa die Überarbeitung des Prüfungskatalogs und der verstärkte Einsatz von Projektarbeiten im schulischen Umfeld.

Attraktivität als Arbeitgeber im Fokus

Neben der Modernisierung der Ausbildungsinhalte setzt der DRV auf eine stärkere Positionierung der Branche als attraktiver Arbeitgeber. Für junge Menschen zählen neben dem Gehalt vor allem Faktoren wie Sinnhaftigkeit, Teamkultur und Entwicklungsperspektiven – Felder, auf denen der Tourismus punkten kann.

„Als Reisewirtschaft müssen wir nicht nur sichtbarer werden – wir müssen vor allem als Arbeitgeber überzeugen“, sagt Loidl. „Junge Menschen bringen neue Ideen und den Mut, Dinge anders zu denken. Wandel ist nicht nur Herausforderung – sondern vor allem Chance.“

Der DRV koordiniert den brancheninternen Austausch über seinen Ausschuss Bildung sowie im direkten Dialog mit BIBB und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).