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Flugbetrieb eingestellt
16.04.26, 13:20 Uhr

Lufthansa zieht bei Cityline abrupt den Stecker

Die Lufthansa Group hat die sofortige Stilllegung von Lufthansa Cityline bekannt gegeben. Alle 27 Flugzeuge werden aus dem Betrieb genommen. Der Konzern reagiert damit auf operative Verluste, explodierende Spritpreise – und eskalierende Tarifkonflikte.

Die Lufthansa Group legt Cityline abrupt still und reagiert damit auf Verluste und schwelende Tarifkonflikte. Foto: iStock/Michael Derrer Fuchs
Die Lufthansa Group zieht die Reißleine und stellt den Flugbetrieb von Lufthansa Cityline ein. Alle 27 Flugzeuge der Regionaltochter werden ab Samstag, 18. April, aus dem Programm genommen, Cockpit- und Kabinenpersonal würden laut Berichten mit wenigen Ausnahmen widerruflich freigestellt. Ziel sei es, „weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren“.

Was der Konzern als strategisch seit Längerem geplanten Schritt bezeichnet, wurde durch den schwelenden Tarifkonflikt und explodierende Kerosinpreise im Kontext des Nahostkonflikts abrupt beschleunigt. Ursprünglich war das Aus erst für 2028 vorgesehen.

„Das Paket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen“ sei „unumgänglich“, teilt Lufthansa-Finanzvorstand Till Streichert mit. „Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen“, so Streichert.

Streiks verschärfen die Lage

Dem Aus ging eine monatelange Streikserie voraus. Im Februar legte ein Warnstreik des Kabinenpersonals den Betrieb erstmals vollständig lahm. Im März folgte ein zweitägiger Streik der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Am 14. April traten rund 20.000 Flugbegleiter von Lufthansa und Cityline in den Ausstand.

Strukturelle Probleme seit Jahren

Das Geschäftsmodell von Cityline galt ohnehin als eingeschränkt. Tarifliche Vorgaben begrenzten die Flotte auf Flugzeuge mit maximal 95 Sitzen und erschwerten eine wirtschaftliche Erneuerung. Die eingesetzten Canadair-CRJ-Jets stehen zudem kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und verursachen vergleichsweise hohe Kosten.

Parallel baut der Konzern mit Lufthansa City Airlines einen Nachfolger für das Zubringergeschäft auf.

Von der Stilllegung sind nach Branchenschätzungen rund 850 Flugbegleiter und etwa 500 Piloten betroffen. Ihnen wurden bereits Wechselangebote zu Lufthansa City Airlines mit „mehrjährigen vergleichbaren Vergütungskonditionen“ unterbreitet, wie es von Lufthansa heißt. Jetzt beginnen Gespräche über einen Sozialplan. 

Bodenmitarbeiter seien bereits in die Lufthansa Aviation GmbH gewechselt.

Folgen für Zubringerverkehre

Für Reiseveranstalter und Reisebüros kann der Wegfall der Cityline kurzfristig zu Engpässen bei Zubringerflügen führen. Besonders Verbindungen zu den Drehkreuzen Frankfurt und München könnten betroffen sein, solange Lufthansa City Airlines die Kapazitäten nicht vollständig ersetzt.

Teil eines großen Maßnahmenpakets

Flankiert wird das vorzeitige Cityline-Aus von weiteren Schritten zur Reduzierung von Kapazitäten und Kosten. 

Zum Ende des Sommerflugplans gehen vier Airbus A340-600 außer Dienst. Damit endet der Einsatz dieses Flugzeugtyps im Konzern. Zusätzlich werden zwei Boeing 747-400 über den Winter stillgelegt, die Ausflottung folgt im kommenden Jahr.

Neun weitere Airbus A350-900 werden künftig bei Discover Airlines eingesetzt.

Weitere Einschnitte

Im Winterflugplan 2026/2027 reduziert Lufthansa auch das Kurz- und Mittelstreckennetz der Kernmarke. Die Kürzungen entsprechen der Kapazität von fünf Flugzeugen und betreffen die Verkehre über die sechs Drehkreuze.

Der Konzern begrenzt Ausgaben für Personalkosten, interne Veranstaltungen und externe Beratung. Ziel bleibt der Abbau von 4.000 Verwaltungsstellen bis 2030.