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Interview mit Beate Arnold
05.12.25, 15:36 Uhr

„Wir schreiben Drehbücher fürs Reisen“

Beate Arnold verantwortet bei Airtours den Bereich Private Travel – ein Segment, in dem maßgeschneiderte Luxusreisen geplant und kuratiert werden. Im Gespräch mit TRVL COUNTER erzählt sie von ihrem Werdegang, erklärt, warum Kunden heute mehr Einzigartigkeit denn je suchen und weshalb gutes Reise-Design eher einem Drehbuch als einem Katalog gleicht.

Beate Arnold leitet den Bereich Private Travel bei Airtours und entwickelt mit ihrem Team maßgeschneiderte Luxusreisen für anspruchsvolle Individualkundschaft. Foto: Airtours
Beate Arnold, Ihr Weg in die Touristik ist außergewöhnlich. Wie hat alles begonnen?
Ich bin in einer geschlossenen Gesellschaft, der ehemaligen DDR aufgewachsen und habe den enormen Wunsch entwickelt, einmal die ganze Welt zu sehen. Für mich war Mallorca als Kind ein Sehnsuchtsort – ein Traum, der unerreichbar schien. Ich habe mich gefragt, welchen Beruf ich erlernen muss, um reisen zu können. Also habe ich Tourismuswirtschaft studiert, und während meiner Uni-Zeit fiel die Mauer. Plötzlich wurde möglich, was vorher undenkbar war. So bin ich in die Touristik gekommen – und sehr früh zur TUI.

Heute leiten Sie den Bereich Private Travel bei Airtours. Was genau umfasst dieser Bereich?
Private Travel ist eine kleine Abteilung mit großem Potenzial. Immer mehr Menschen wünschen sich maßgeschneiderte, individuell geplante Reisen. Und genau das setzen wir um. Die Nachfrage ist über die Jahre enorm gewachsen, und wir bauen unsere Angebote in spannende Reiseziele kontinuierlich aus. Für viele Kundinnen und Kunden mit wenig Zeit und hohen Ansprüchen sind maßgeschneiderte Reiseerlebnisse besonders wichtig.

Wer bucht solche maßgeschneiderten Luxusreisen? Gibt es eine typische Zielgruppe?
Unsere Zielgruppe ist erstaunlich divers. Wir betreuen ältere Menschen, oft weit in den 70ern, die sich einen Lebenstraum erfüllen wollen und intensive Betreuung während ihrer Rundreise wünschen. Auf der anderen Seite stehen junge Reisende, die Verrücktes erleben möchten – Dinge, die keinesfalls von der Stange sind. Unsere größte Kundengruppe sind aber Paare im mittleren Alter, beruflich oft sehr eingespannt. Sie geben uns eine grobe Idee, erwarten Perfektion und möchten sich um nichts kümmern müssen. Inhalte interessieren sie sehr, Formalitäten dagegen überhaupt nicht – Visum, Einreisebeschränkungen, Gesundheitsformulare, all das wollen sie abgeben.

Sie haben die dramaturgische Gestaltung angesprochen. Wie entsteht eine gute Private Travel-Reise?
Ich vergleiche unsere Reisen manchmal mit Drehbüchern für Filme. Eine gute Reise beginnt mit Staunen und steigert sich im Verlauf. Und das jeweils ganz individuell: Für Erstbesucher einer Destination braucht es z.B. andere Elemente als für jemanden, der schon mehrfach dort war. Manche Highlights sind universal – doch jeder Mensch definiert sie anders. Das herauszufinden und klug zu kombinieren, ist unsere Aufgabe.

Wie schaffen Sie es, auf so hohem Niveau zu beraten? Man kann nicht jedes Land selbst bereist haben.
Unser Team ist klein, aber sehr erfahren. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen verbringen nicht nur Dienstreisen, sondern auch private Urlaube in unseren Destinationen. Sie bringen viele Ideen und neue Impulse mit. Gleichzeitig ermöglicht es moderne Technologie heute, in Echtzeit mit unseren lokalen Partnern zu sprechen – über, Details oder bestimmte Besonderheiten. Wir sind weltweit vernetzt. Die einzige Herausforderung sind manchmal die Zeitzonen.

Wie würden Sie ihre eigene Rolle beschreiben?
Gemeinsam mit Steffen Boehnke und dem Airtours Team entwickeln wir unsere Angebote stets weiter. Unsere Ansprechpartner sind die Reisebüros, die selbst sehr anspruchsvolle Kunden betreuen. Dabei ist es entscheidend, dass keine Information verloren geht und wir die Wünsche der Kunden präzise verstehen.

Wie wichtig ist Expertise im Umgang mit dieser Klientel?
Extrem wichtig. Kunden spüren sofort, ob ihnen jemand auf Augenhöhe begegnet – ob man die Marken, die Regionen, die Trends kennt. Und das ist entscheidend für Vertrauen. Deshalb haben wir die Airtours Luxury Academy „airtours & friends“ aufgebaut. Oliver Kreipe, unser Trendforscher und Trainer, arbeitet intensiv mit Reisebüros, bietet Weiterbildungen an und bringt Impulse aus der Trendforschung. Das ist ein großer Mehrwert für alle, die sich im Luxussegment professionalisieren möchten.

Warum ist dieses Segment besonders attraktiv für den Reisevertrieb?
Weil man derartige Reisen nicht mit drei Klicks gestalten kann. Sie erfordern Expertise – und diese Expertise ist etwas wert. Luxusreisen bleiben ein beratungsintensives 1:1-Geschäft. KI kann heute vieles, aber nicht ersetzen, was ein erfahrener Berater über Jahre über seinen Kunden gelernt hat. Dieses auch wirtschaftlich hochattraktive Modell wird es noch lange geben.

Wie haben sich die Wünsche der Kunden verändert? Früher schien es oft um Sekt und Kaviar zu gehen.
Bei Private Travel ging es noch nie primär um goldene Wasserhähne. Menschen, die Rundreisen, Safaris oder besondere Erlebnisse buchen, sind neugierig und wollen mit einer Region wirklich in Kontakt kommen. Was wir heute jedoch stärker sehen, ist der Wunsch nach Ruhe, nach Einzigartigkeit und Erlebnissen, die nicht jeder schon hatte. Für manche spielt auch das Momentum „Ich war dort, bevor es alle anderen entdeckt haben“ eine wichtige Rolle. Das ist – wie auch immer man es bewertet – ein durchaus wirksames Verkaufsargument.

Gibt es Anfragen, die ihr bewusst nicht bedient? Zum Beispiel Weltraumreisen?
Mondreisen oder Astronautentraining gehören nicht zu unserem Programm. Diese Angebote sind in der Regel PR-getrieben und nicht unser Gebiet. Uns geht es um echte Erlebnisse in der realen Welt, nicht um Showeffekte. Airtours Kunden erleben zum Beispiel auf Wunsch in Japan eine private Teezeremonie mit einer Geisha, ein exklusives Dinner unter den Sternen mitten im Okavango-Delta oder den Sonnenaufgang über den Dünen des Sossusvlei.  Im Himalaya erfahren sie von privaten Guides vieles über buddhistische Traditionen und vom Leben auf dem Dach der Welt. 

Wie steht es mit dem Trend zu Slow Travel oder Reisen ohne Guide?
Beides existiert. Manche möchten eine perfekt strukturierte Reise erleben, ohne täglichen Kontakt zum Guide. Andere lassen sich begleiten, wollen aber auch Phasen absoluter Ruhe an besonderen Orten. Generell beobachten wir, dass die Menschen sich mehr Zeit nehmen: Unsere Reisen sind im Schnitt 1,5 bis 2 Tage länger geworden. Häufig reisen auch Mehrgenerationenfamilien – zehn bis sechzehn Personen, gerade um Weihnachten oder Silvester. Wir gestalten ihre Programme so, dass sich alle wohlfühlen, ob jung oder alt.

Wie wichtig ist das Feedback nach der Reise?
Unglaublich wichtig – und es hat stark zugenommen! Die Menschen nehmen sich Zeit, uns ausführlich zu berichten, rufen an, schreiben über die Reisebüros oder wünschen persönliche Nachgespräche. Das ist für uns das größte Geschenk. Im besten Fall berührt eine Reise die Seele – und das erleben wir zum Glück recht häufig.

Danke für das Gespräch!
 

Zur Person: Beate Arnold

Beate Arnold ist General Manager von Airtours Private Travel, der Manufaktur für maßgeschneiderte Luxusreisen innerhalb von Airtours, der Luxusreisemarke von TUI Deutschland. Sie begann ihre Karriere 1992 im TUI-Konzern, ist Geschäftsführerin der World of TUI Berlin und fungierte als Pressesprecherin von Airtours.

Seit 2019 verantwortet sie den Bereich Private Travel und gilt als ausgewiesene Expertin für individuell kuratierte Luxusreisen. Arnold ist weltweit vernetzt, verfügt über jahrzehntelange Beratungserfahrung im High-End-Segment und prägt mit ihrem Team die Weiterentwicklung exklusiver Rundreisen und Luxussafaris für anspruchsvolle Privatkunden.