Neues Grand Egyptian Museum28.11.25, 12:19 Uhr
„Das GEM ist Ägyptens Geschenk an die Welt“
Seit der Eröffnung im November 2025 zieht das Grand Egyptian Museum (GEM) täglich Tausende an. Im Exklusiv-Gespräch mit TRVL COUNTER erklärt Museumsdirektor und CEO Ahmed Ghoneim, warum das GEM weit mehr ist als ein Museum und die touristische Zukunft Kairos prägt.

Leitet das größte archäologische Museum der Welt: Dr. Ahmed Ghoneim, CEO des Grand Egyptian Museum. Fotos: Jean-Marc Göttert
Mit der vollständigen Eröffnung des Grand Egyptian Museum am 1. November 2025, gefolgt von der Öffnung für die Öffentlichkeit am 4. November 2025, beginnt für Ägypten ein kultureller und touristischer Aufbruch. CEO Dr. Ahmed Ghoneim erläutert im Gespräch, wie das weltweit größte archäologische Museum zur treibenden Kraft eines entstehenden touristischen Zentrums westlich von Gizeh wird.
Als der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi das Grand Egyptian Museum als „Egypt’s gift to the world“ bezeichnete, brachte er jene Vision auf den Punkt, die Ahmed Ghoneim seit Jahren antreibt. Für den CEO ist das GEM ein kulturelles und geopolitisches Statement: ein Ort, der Ägyptens Erbe neu präsentiert und zugleich ein Zentrum für Forschung, Bildung und Restaurierung bildet. „Wir sollen gesetzlich ein kultureller, wissenschaftlicher, pädagogischer und Heritage-Hub sein“, sagt er. „Das GEM ist weit mehr als ein Ort mit Exponaten – es ist ein ganzes Ökosystem.“
Schon kurz nach der Eröffnung zeigte sich die globale Sogwirkung der neuen Institution. An Spitzentagen strömten mehr als 27.000 Besucherinnen und Besucher in das Museum, sodass Ghoneim die Türen zeitweise schließen musste, um die Besucherdichte zu regulieren.
15.000 Besucher pro Tag
Nach den ersten Monaten hat sich der Andrang inzwischen stabilisiert: Rund 15.000 Menschen besuchen das GEM täglich, eine Zahl, die nach Ghoneims Einschätzung „gesund und tragfähig“ ist. Die eigentliche Herausforderung sei nach seiner Beobachtung nicht mehr der Andrang selbst, sondern die Aufenthaltsdauer, die bei vielen Gästen deutlich länger ausfällt als prognostiziert. Internationale Touristen verbringen oft einen halben oder ganzen Tag im Museum.
Auffällig viele Ägypterinnen und Ägypter sowie zahlreiche Schulgruppen gehören inzwischen zum täglichen Publikum, was Ghoneim als wichtiges Zeichen für die gesellschaftliche Bedeutung des Hauses wertet.
Um die Qualität des Besuchserlebnisses dauerhaft zu sichern, führte das Museum Online-Buchungen, feste Zeitfenster und eine strukturierte Besucherführung ein. Die internationale Resonanz war enorm; Medien weltweit berichteten über Architektur, Konzept und Sammlungen. „Es genügt nicht, groß zu starten“, erklärt er. „Wir müssen Erwartungen dauerhaft erfüllen.“
Die wirtschaftlichen Effekte sind bereits spürbar. Das Museum steht im Zentrum eines neuen touristischen Raums, den der Westen Kairos bislang nicht kannte. In direkter Nachbarschaft verbinden sich die Pyramiden von Gizeh, das National Museum of Egyptian Civilization und der neue Sphinx Airport zu einem integrierten Kultur- und Tourismuskorridor.
Diese Nähe schafft veränderte Reiseverläufe, verlängert Aufenthalte und generiert zusätzliche Übernachtungen. „Früher kamen viele Besucher nur für einen Tagestrip“, erläutert Ghoneim. „Mit dem GEM schaffen wir eine Destination, nicht nur eine Attraktion.“ Das steigert Wertschöpfung und Beschäftigung in mehreren Branchen – von Hotellerie und Gastronomie über Museen und Tourguides bis hin zu Transport und Retail.
Wissenschaft, Bildung und Restaurierung: Das langfristige Mandat
Neben touristischem Wachstum verfolgt das GEM eine ambitionierte wissenschaftliche Entwicklungsstrategie. Ghoneim beschreibt das Ziel, die Ägyptologie stärker in Ägypten selbst zu verankern. Kooperationen mit Universitäten, Forschungsprogramme und wissenschaftliche Konferenzen sollen das Museum zum globalen Kompetenzzentrum machen.
Besonders hervorzuheben sind die Restaurierungslabore, die bereits heute als die modernsten im Nahen Osten gelten. Sie bilden Fachkräfte aus verschiedenen Ländern aus und entwickeln Standards, die in der Region als wegweisend gelten. „Wir haben alle Voraussetzungen, die führende Rolle in der Ägyptologie zurückzuholen“, betont Ghoneim.
Auch im Bildungsbereich setzt das Museum neue Akzente. Das Kindermuseum arbeitet nach einem Edutainment-Konzept, bei dem spielerische Vermittlung, Mixed Reality, Audio Guides und interaktive Stationen ineinandergreifen. Ziel ist es, junge Besucher an Museumswissen und respektvollen Umgang mit Kulturerbe heranzuführen. Eine neue Bildungsplattform für Schulen sowie digitale Programme sollen künftig zusätzliche Zielgruppen erreichen.
Ein Blick auf die Sammlung – jenseits von Tutanchamun
Obwohl die vollständige Inszenierung der Tutanchamun-Sammlung ein internationales Highlight bildet, legt Ghoneim Wert darauf, dass das Museum nicht darauf reduziert werde. „Wir sind nicht nur ein King-Tut-Museum. Es gibt so vieles, das Menschen unbedingt sehen müssen.“ Besonders nennt er die Statue des Schreibers mit ihren lebendig wirkenden steinernen Augen und die Darstellungen der Königin Hatschepsut, die sich aufgrund gesellschaftlicher Vorgaben als männlicher Herrscher inszenierte.
Auch die mächtigen, 44 Meter langen Khufu-Boote, die als technische Meisterwerke der altägyptischen Kultur gelten, gehören zu seinen Favoriten. Sie sollen verdeutlichen, dass das GEM eine enorme thematische und zeitliche Bandbreite abdeckt – weit über die Faszination um Tutanchamun hinaus.
Die heikle Frage nach Nofretete
Die Rückgabedebatte um die Nofretete-Büste gehört zu den sensibelsten kulturpolitischen Themen zwischen Deutschland und Ägypten – und sie wird seit Jahrzehnten mit bemerkenswerter Leidenschaft geführt. Für den Museumsdirektor ist dieses Thema ein Balanceakt zwischen nationaler Identität, internationaler Museumskooperation und diplomatischer Vorsicht. Entsprechend zurückhaltend formuliert er seine Position. „Als Museum spielen wir keine Politik“, betont er.
Entscheidungen über Rückführungen, Leihgaben oder Restitutionen lägen ausschließlich bei den zuständigen staatlichen Stellen wie dem Außenministerium, den Antikenbehörden und der politischen Führung. Das GEM sei eine wissenschaftliche und kulturelle Institution, nicht Akteur in bilateralen Verhandlungen.
„Kulturelle Botschafter“
Ghoneim macht jedoch keinen Hehl daraus, dass die Frage eine emotionale Dimension besitzt. Die Nofretete-Büste ist ein ikonisches Werk und gehört zu den bedeutendsten Kunstobjekten weltweit. „Persönlich“, sagt er, „würde ich manche Stücke gerne in Ägypten sehen.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass ägyptische Objekte im Ausland oft eine wichtige Funktion erfüllen: Sie wirken als kulturelle Botschafter, schaffen internationale Aufmerksamkeit für die altägyptische Zivilisation und fördern touristisches Interesse an Ägypten selbst.
Zwischen diesen beiden Polen – dem Wunsch nach kultureller Rückführung und der Anerkennung ihrer diplomatischen Strahlkraft im Ausland – bewegt sich Ghoneims Haltung. Die Debatte wird weitergehen – im GEM jedoch mit der gebotenen Neutralität und wissenschaftlichen Seriosität.
Mit dem Grand Egyptian Museum ist im Westen Kairos ein neuer touristischer Anziehungspunkt entstanden, der dauerhafte Nachfrage erzeugt und die Reisedynamik in der gesamten Region verändert. Für Ghoneim liegt darin der eigentliche Kern des Projekts. „Das GEM schafft nicht nur Kulturzugang, sondern echte wirtschaftliche Bewegung“, sagt er. „Mit jedem Besucher wachsen Aufenthaltsdauer und Wertschöpfung. Dieses Museum ist ein Motor für die Zukunft des ägyptischen Tourismus.“
Als der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi das Grand Egyptian Museum als „Egypt’s gift to the world“ bezeichnete, brachte er jene Vision auf den Punkt, die Ahmed Ghoneim seit Jahren antreibt. Für den CEO ist das GEM ein kulturelles und geopolitisches Statement: ein Ort, der Ägyptens Erbe neu präsentiert und zugleich ein Zentrum für Forschung, Bildung und Restaurierung bildet. „Wir sollen gesetzlich ein kultureller, wissenschaftlicher, pädagogischer und Heritage-Hub sein“, sagt er. „Das GEM ist weit mehr als ein Ort mit Exponaten – es ist ein ganzes Ökosystem.“

Schon kurz nach der Eröffnung zeigte sich die globale Sogwirkung der neuen Institution. An Spitzentagen strömten mehr als 27.000 Besucherinnen und Besucher in das Museum, sodass Ghoneim die Türen zeitweise schließen musste, um die Besucherdichte zu regulieren.
15.000 Besucher pro Tag
Nach den ersten Monaten hat sich der Andrang inzwischen stabilisiert: Rund 15.000 Menschen besuchen das GEM täglich, eine Zahl, die nach Ghoneims Einschätzung „gesund und tragfähig“ ist. Die eigentliche Herausforderung sei nach seiner Beobachtung nicht mehr der Andrang selbst, sondern die Aufenthaltsdauer, die bei vielen Gästen deutlich länger ausfällt als prognostiziert. Internationale Touristen verbringen oft einen halben oder ganzen Tag im Museum.
Auffällig viele Ägypterinnen und Ägypter sowie zahlreiche Schulgruppen gehören inzwischen zum täglichen Publikum, was Ghoneim als wichtiges Zeichen für die gesellschaftliche Bedeutung des Hauses wertet.
Um die Qualität des Besuchserlebnisses dauerhaft zu sichern, führte das Museum Online-Buchungen, feste Zeitfenster und eine strukturierte Besucherführung ein. Die internationale Resonanz war enorm; Medien weltweit berichteten über Architektur, Konzept und Sammlungen. „Es genügt nicht, groß zu starten“, erklärt er. „Wir müssen Erwartungen dauerhaft erfüllen.“

Die wirtschaftlichen Effekte sind bereits spürbar. Das Museum steht im Zentrum eines neuen touristischen Raums, den der Westen Kairos bislang nicht kannte. In direkter Nachbarschaft verbinden sich die Pyramiden von Gizeh, das National Museum of Egyptian Civilization und der neue Sphinx Airport zu einem integrierten Kultur- und Tourismuskorridor.
Diese Nähe schafft veränderte Reiseverläufe, verlängert Aufenthalte und generiert zusätzliche Übernachtungen. „Früher kamen viele Besucher nur für einen Tagestrip“, erläutert Ghoneim. „Mit dem GEM schaffen wir eine Destination, nicht nur eine Attraktion.“ Das steigert Wertschöpfung und Beschäftigung in mehreren Branchen – von Hotellerie und Gastronomie über Museen und Tourguides bis hin zu Transport und Retail.
Wissenschaft, Bildung und Restaurierung: Das langfristige Mandat
Neben touristischem Wachstum verfolgt das GEM eine ambitionierte wissenschaftliche Entwicklungsstrategie. Ghoneim beschreibt das Ziel, die Ägyptologie stärker in Ägypten selbst zu verankern. Kooperationen mit Universitäten, Forschungsprogramme und wissenschaftliche Konferenzen sollen das Museum zum globalen Kompetenzzentrum machen.
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Besonders hervorzuheben sind die Restaurierungslabore, die bereits heute als die modernsten im Nahen Osten gelten. Sie bilden Fachkräfte aus verschiedenen Ländern aus und entwickeln Standards, die in der Region als wegweisend gelten. „Wir haben alle Voraussetzungen, die führende Rolle in der Ägyptologie zurückzuholen“, betont Ghoneim.
Auch im Bildungsbereich setzt das Museum neue Akzente. Das Kindermuseum arbeitet nach einem Edutainment-Konzept, bei dem spielerische Vermittlung, Mixed Reality, Audio Guides und interaktive Stationen ineinandergreifen. Ziel ist es, junge Besucher an Museumswissen und respektvollen Umgang mit Kulturerbe heranzuführen. Eine neue Bildungsplattform für Schulen sowie digitale Programme sollen künftig zusätzliche Zielgruppen erreichen.
Ein Blick auf die Sammlung – jenseits von Tutanchamun
Obwohl die vollständige Inszenierung der Tutanchamun-Sammlung ein internationales Highlight bildet, legt Ghoneim Wert darauf, dass das Museum nicht darauf reduziert werde. „Wir sind nicht nur ein King-Tut-Museum. Es gibt so vieles, das Menschen unbedingt sehen müssen.“ Besonders nennt er die Statue des Schreibers mit ihren lebendig wirkenden steinernen Augen und die Darstellungen der Königin Hatschepsut, die sich aufgrund gesellschaftlicher Vorgaben als männlicher Herrscher inszenierte.
Auch die mächtigen, 44 Meter langen Khufu-Boote, die als technische Meisterwerke der altägyptischen Kultur gelten, gehören zu seinen Favoriten. Sie sollen verdeutlichen, dass das GEM eine enorme thematische und zeitliche Bandbreite abdeckt – weit über die Faszination um Tutanchamun hinaus.
Die heikle Frage nach Nofretete
Die Rückgabedebatte um die Nofretete-Büste gehört zu den sensibelsten kulturpolitischen Themen zwischen Deutschland und Ägypten – und sie wird seit Jahrzehnten mit bemerkenswerter Leidenschaft geführt. Für den Museumsdirektor ist dieses Thema ein Balanceakt zwischen nationaler Identität, internationaler Museumskooperation und diplomatischer Vorsicht. Entsprechend zurückhaltend formuliert er seine Position. „Als Museum spielen wir keine Politik“, betont er.
Entscheidungen über Rückführungen, Leihgaben oder Restitutionen lägen ausschließlich bei den zuständigen staatlichen Stellen wie dem Außenministerium, den Antikenbehörden und der politischen Führung. Das GEM sei eine wissenschaftliche und kulturelle Institution, nicht Akteur in bilateralen Verhandlungen.

„Kulturelle Botschafter“
Ghoneim macht jedoch keinen Hehl daraus, dass die Frage eine emotionale Dimension besitzt. Die Nofretete-Büste ist ein ikonisches Werk und gehört zu den bedeutendsten Kunstobjekten weltweit. „Persönlich“, sagt er, „würde ich manche Stücke gerne in Ägypten sehen.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass ägyptische Objekte im Ausland oft eine wichtige Funktion erfüllen: Sie wirken als kulturelle Botschafter, schaffen internationale Aufmerksamkeit für die altägyptische Zivilisation und fördern touristisches Interesse an Ägypten selbst.
Zwischen diesen beiden Polen – dem Wunsch nach kultureller Rückführung und der Anerkennung ihrer diplomatischen Strahlkraft im Ausland – bewegt sich Ghoneims Haltung. Die Debatte wird weitergehen – im GEM jedoch mit der gebotenen Neutralität und wissenschaftlichen Seriosität.
Mit dem Grand Egyptian Museum ist im Westen Kairos ein neuer touristischer Anziehungspunkt entstanden, der dauerhafte Nachfrage erzeugt und die Reisedynamik in der gesamten Region verändert. Für Ghoneim liegt darin der eigentliche Kern des Projekts. „Das GEM schafft nicht nur Kulturzugang, sondern echte wirtschaftliche Bewegung“, sagt er. „Mit jedem Besucher wachsen Aufenthaltsdauer und Wertschöpfung. Dieses Museum ist ein Motor für die Zukunft des ägyptischen Tourismus.“

