RTK-dialogtage 202523.11.25, 09:00 Uhr
„Ich bin Optimist – sonst wäre ich nicht in der Touristik“
QTA-Sprecher Thomas Bösl hat auf den rtk-Dialogtagen in Hurghada eine Keynote gehalten, die der Branche direkt ins Gewissen spricht: über wettbewerbsverzerrende Cashback-Modelle, stagnierende Märkte, die Notwendigkeit von Spezialisierung, den Wert echter Partnerschaften und die Chancen, die KI schon heute eröffnet. Seine zentrale Botschaft: Nur wer mutig bleibt, investiert und auf die eigene Stärke vertraut, wird im Wettbewerb bestehen.

Foto: Tom Kohler // www.tomkohler.de; TRVL COUNTER
Die rtk-Dialogtage in Hurghada boten den Rahmen für eine Keynote, in der QTA-Sprecher Thomas Bösl die Lage des deutschen Reisemarkts analysiert und zugleich Perspektiven für den stationären Vertrieb aufgezeigt hat.
Zwischen Anerkennung für die Resilienz der Reisebüros und Kritik an ungleichen Wettbewerbsbedingungen spannte Bösl einen Bogen, der von Marktentwicklungen über neue Geschäftsmodelle bis hin zu künstlicher Intelligenz reicht. Dabei wurde eines klar: Die Zukunft gehört jenen Reisebüros, die sich fokussieren, vernetzen, und zugleich ihre Authentizität bewahren.

Die wichtigsten Punkte seiner Keynote-Rede:
1. Marktverzerrung durch aggressive Cashback-Modelle
Bösl warnt eindringlich vor einer Schieflage im Wettbewerb. Große Plattformen würden mit Gutscheinen und Cashback „mit ungleichen Mitteln“ agieren. Das Problem sei strukturell, nicht taktisch: „Unser Sektor hat ein Problem mit Gutscheinen und Cashback“, sagt er. Für die Branche bedeutet jeder gewährte Rabatt weniger Investitionskraft: „Jeder Gutschein, jedes Kickback, jede Ermäßigung, die wir geben, fehlt letztendlich unserer Industrie, um investieren zu können.“
Trotzdem müsse man teilweise auch mit Rückvergütung sowie Marketingmaßnahmen wie Payback und Gutscheinen aktiv sein, um im Wettbewerb bestehen zu können. rtk bietet dabei eine im Vergleich kostengünstige Partnerschaft mit Payback an.
Sein Appell: Die Branche müsse entscheiden, „ob wir so weitermachen – oder ob wir aufstehen und dagegen sind“.
2. Stagnierende Wirtschaft verschärft den Preisdruck
Bösl sieht die kommenden Monate realistisch: „Wenn ich die Wirtschaftsdaten sehe, drohe die Kurve in Q1 und Q2 2026 nach unten zu gehen.“ Die Kaufkraft sei unter Druck, der Wettbewerb härter. Reisende würden stärker auf Preise achten, während Reisebüros gleichzeitig steigende Kosten spüren. Diese wirtschaftliche Realität müsse der Vertrieb anerkennen – ohne den Optimismus zu verlieren, den Bösl ausdrücklich für die Branche reklamiert: „Ich bin Optimist – sonst wäre ich nicht in der Touristik.“
3. Spezialisierung wird zum zentralen Erfolgsfaktor
Die Zeit für die „Ich-kann-alles“-Reisebüros wird schwerer. Bösl formuliert klar: „Eine Spezialisierung ist notwendig und positiv – ohne auf Standardprodukte zu verzichten.“ Internationale Märkte zeigen den Weg – in Frankreich, Österreich oder Belgien hätten sich viele Büros bereits klar positioniert. Besonders betont er das Potenzial kleiner Spezialveranstalter und der Eigenveranstaltung: „In vielen europäischen Ländern liegt der Eigenveranstaltungsanteil bei über 40.“ Die Reisebüros sollten keine Angst vor der Zusammenarbeit mit kleineren Spezialveranstaltern und Eigenveranstaltungen haben. Seine Botschaft: Wer Profil zeigt, wird künftig stärker sichtbar und resilienter.
4. Neue Geschäftsmodelle als Zukunftsbausteine
Bei rtk gelte das Motto „Du kannst so bleiben wie Du bist“; beispielsweise gäbe es keine strengen Vorgaben bzgl. Steuerung oder Veranstalterauswahl. RTK bietet mehrere Modelle ein, die die Wertschöpfung und Differenzierung von Reisebüros stärken sollen:
5. Veranstalter und Vertrieb: Erfolg nur gemeinsam
Die Pandemie hat aus Bösls Sicht gezeigt, wie eng der Vertrieb mit Veranstaltern verbunden ist. „Wir sitzen alle in einem Boot sitzen“, sagt er. Gleichzeitig kündigt er an, dass Themen wie Provisionsmodelle weiterhin intensiver diskutiert werden müssen. Die Zusammenarbeit mit Destinationen und Hotels hebt er ausdrücklich hervor. Die Partnerschaften seien das Fundament der Beratungsqualität: Erlebnisse vor Ort würden später zu „Erinnerungen, die wir unseren Kunden verkaufen“.
6. Der stationäre Vertrieb verkauft Erlebnisse – keine Produkte
Bösl bringt es auf den Punkt: „Wir verkaufen Urlaub – also sollten wir selbst auch Urlaub machen.“ Inforeisen und persönliche Erfahrung seien kein Luxus, sondern professionelles Pflichtprogramm. Nur wer das Produkt selbst erlebt habe, könne es „in der nötigen Qualität vermitteln“. Ebenso betont er die strategische Bedeutung der Kundendaten: „Pflegen Sie Ihre Kundendaten – diesen Satz hören Sie von mir seit 26 Jahren, aber er bleibt wahr.“ Der stationäre Vertrieb ist für ihn ein emotionales Handwerk.
7. Künstliche Intelligenz als Werkzeug – nicht als Ersatz
Dass KI die Branche verändern wird, steht für Bösl außer Frage: „KI wird vieles verändern – vielleicht sogar mehr, als wir uns erwarten.“ Angst sei aber unangebracht: „Wir müssen definitiv keine Angst vor KI haben.“ KI solle entlasten, nicht ersetzen – insbesondere im Backoffice und bei der Kundenansprache. Entscheidend bleibe die menschliche Seite: „Unsere Kunden wollen keine KI, die sie berät, sondern Sie als die Reiseexperten.“ In der Kombination aus digitaler Effizienz und persönlicher Beratung liege die Zukunft: „In Verbindung mit KI sind wir unschlagbar.“
8. Mut und Menschlichkeit als unveränderbare Stärke
Zum Abschluss richtet Bösl einen emotionalen Appell an die Branche. Wertschätzung für die eigene Leistung sei längst überfällig: „Applaudieren Sie sich selbst, liebe Reisebüros, für die Leistung der letzten Jahrzehnte.“ Authentizität und Menschlichkeit bleiben für ihn das Herzstück des Berufs. Seine abschließende Botschaft fasst die Stimmung im Saal zusammen: „Durch unsere Adern fließt Reisebüro-Blut – und das wird auch so bleiben.“
Zwischen Anerkennung für die Resilienz der Reisebüros und Kritik an ungleichen Wettbewerbsbedingungen spannte Bösl einen Bogen, der von Marktentwicklungen über neue Geschäftsmodelle bis hin zu künstlicher Intelligenz reicht. Dabei wurde eines klar: Die Zukunft gehört jenen Reisebüros, die sich fokussieren, vernetzen, und zugleich ihre Authentizität bewahren.

Die wichtigsten Punkte seiner Keynote-Rede:
1. Marktverzerrung durch aggressive Cashback-Modelle
Bösl warnt eindringlich vor einer Schieflage im Wettbewerb. Große Plattformen würden mit Gutscheinen und Cashback „mit ungleichen Mitteln“ agieren. Das Problem sei strukturell, nicht taktisch: „Unser Sektor hat ein Problem mit Gutscheinen und Cashback“, sagt er. Für die Branche bedeutet jeder gewährte Rabatt weniger Investitionskraft: „Jeder Gutschein, jedes Kickback, jede Ermäßigung, die wir geben, fehlt letztendlich unserer Industrie, um investieren zu können.“
Trotzdem müsse man teilweise auch mit Rückvergütung sowie Marketingmaßnahmen wie Payback und Gutscheinen aktiv sein, um im Wettbewerb bestehen zu können. rtk bietet dabei eine im Vergleich kostengünstige Partnerschaft mit Payback an.
Sein Appell: Die Branche müsse entscheiden, „ob wir so weitermachen – oder ob wir aufstehen und dagegen sind“.
2. Stagnierende Wirtschaft verschärft den Preisdruck
Bösl sieht die kommenden Monate realistisch: „Wenn ich die Wirtschaftsdaten sehe, drohe die Kurve in Q1 und Q2 2026 nach unten zu gehen.“ Die Kaufkraft sei unter Druck, der Wettbewerb härter. Reisende würden stärker auf Preise achten, während Reisebüros gleichzeitig steigende Kosten spüren. Diese wirtschaftliche Realität müsse der Vertrieb anerkennen – ohne den Optimismus zu verlieren, den Bösl ausdrücklich für die Branche reklamiert: „Ich bin Optimist – sonst wäre ich nicht in der Touristik.“
3. Spezialisierung wird zum zentralen Erfolgsfaktor
Die Zeit für die „Ich-kann-alles“-Reisebüros wird schwerer. Bösl formuliert klar: „Eine Spezialisierung ist notwendig und positiv – ohne auf Standardprodukte zu verzichten.“ Internationale Märkte zeigen den Weg – in Frankreich, Österreich oder Belgien hätten sich viele Büros bereits klar positioniert. Besonders betont er das Potenzial kleiner Spezialveranstalter und der Eigenveranstaltung: „In vielen europäischen Ländern liegt der Eigenveranstaltungsanteil bei über 40.“ Die Reisebüros sollten keine Angst vor der Zusammenarbeit mit kleineren Spezialveranstaltern und Eigenveranstaltungen haben. Seine Botschaft: Wer Profil zeigt, wird künftig stärker sichtbar und resilienter.
4. Neue Geschäftsmodelle als Zukunftsbausteine
Bei rtk gelte das Motto „Du kannst so bleiben wie Du bist“; beispielsweise gäbe es keine strengen Vorgaben bzgl. Steuerung oder Veranstalterauswahl. RTK bietet mehrere Modelle ein, die die Wertschöpfung und Differenzierung von Reisebüros stärken sollen:
- Mein Reisespezialist wird wieder gestärkt, Prima Urlaub für den mobilen Vertrieb, Reiseland Franchise oder die TVG mit dem Sonnenklar Franchise Modell.
- Zusätzlich präsentierte Bösl ein System der französischen rtk Beteiligung TourCom „Tailor Made“, in dem eine Zusammenarbeit zwischen Reisebüro und DMC (Zielgebietsagentur) angeboten wird. In den nächsten Wochen werden für dieses Modell „Testbüros“ gesucht.
- Zusätzlich bietet rtk eine Partnerschaft mit dem aer im Bereich „FAIRWEG“ an. Das Modell bietet zwei zentrale Einstiegsmöglichkeiten:
- Shop-in-Shop-Konzept, das Reisebüros die Möglichkeit gibt, im eigenen Laden eine klare Nachhaltigkeitsmarke sichtbar zu platzieren.
- Mobil-Hybrid-Partner-Modell, beim dem Beraterinnen und Beratern zu Nachhaltigkeitsspezialisten ausgebildet werden.
5. Veranstalter und Vertrieb: Erfolg nur gemeinsam
Die Pandemie hat aus Bösls Sicht gezeigt, wie eng der Vertrieb mit Veranstaltern verbunden ist. „Wir sitzen alle in einem Boot sitzen“, sagt er. Gleichzeitig kündigt er an, dass Themen wie Provisionsmodelle weiterhin intensiver diskutiert werden müssen. Die Zusammenarbeit mit Destinationen und Hotels hebt er ausdrücklich hervor. Die Partnerschaften seien das Fundament der Beratungsqualität: Erlebnisse vor Ort würden später zu „Erinnerungen, die wir unseren Kunden verkaufen“.
6. Der stationäre Vertrieb verkauft Erlebnisse – keine Produkte
Bösl bringt es auf den Punkt: „Wir verkaufen Urlaub – also sollten wir selbst auch Urlaub machen.“ Inforeisen und persönliche Erfahrung seien kein Luxus, sondern professionelles Pflichtprogramm. Nur wer das Produkt selbst erlebt habe, könne es „in der nötigen Qualität vermitteln“. Ebenso betont er die strategische Bedeutung der Kundendaten: „Pflegen Sie Ihre Kundendaten – diesen Satz hören Sie von mir seit 26 Jahren, aber er bleibt wahr.“ Der stationäre Vertrieb ist für ihn ein emotionales Handwerk.
7. Künstliche Intelligenz als Werkzeug – nicht als Ersatz
Dass KI die Branche verändern wird, steht für Bösl außer Frage: „KI wird vieles verändern – vielleicht sogar mehr, als wir uns erwarten.“ Angst sei aber unangebracht: „Wir müssen definitiv keine Angst vor KI haben.“ KI solle entlasten, nicht ersetzen – insbesondere im Backoffice und bei der Kundenansprache. Entscheidend bleibe die menschliche Seite: „Unsere Kunden wollen keine KI, die sie berät, sondern Sie als die Reiseexperten.“ In der Kombination aus digitaler Effizienz und persönlicher Beratung liege die Zukunft: „In Verbindung mit KI sind wir unschlagbar.“
8. Mut und Menschlichkeit als unveränderbare Stärke
Zum Abschluss richtet Bösl einen emotionalen Appell an die Branche. Wertschätzung für die eigene Leistung sei längst überfällig: „Applaudieren Sie sich selbst, liebe Reisebüros, für die Leistung der letzten Jahrzehnte.“ Authentizität und Menschlichkeit bleiben für ihn das Herzstück des Berufs. Seine abschließende Botschaft fasst die Stimmung im Saal zusammen: „Durch unsere Adern fließt Reisebüro-Blut – und das wird auch so bleiben.“

