RTK-Dialogtage21.11.25, 14:03 Uhr
„Reiseveranstalter müssen mutiger werden“
Sherif Fathi Attia fordert den deutschen Markt heraus: Mehr Vielfalt, neue Produkte, andere Routen. Der ägyptische Tourismusminister setzt bei seiner Strategie auf eine breitere Zielgebietsauswahl, massive Infrastrukturinvestitionen und ein klares Bekenntnis zu Umweltstandards. Sein Ziel: Wachstum, aber qualitativ und nachhaltig.

Fotos: TRVL Counter
Wer Sherif Fathi Attia erlebt, sieht einen Minister, der weit mehr ist als ein politischer Kopf mit Zahlenmaterial im Gepäck. Der ägyptische Minister für Tourismus und Altertümer wirkt wie jemand, der die wirtschaftlichen Zusammenhänge seines Landes nicht nur analytisch durchdringt, sondern auch versteht, wie sehr der Tourismus von Vertrauen, Partnerschaft und gegenseitigem Zuhören lebt. Attia spricht klar, verbindlich und mit einer bemerkenswerten Detailtiefe – und er signalisiert dabei stets, dass er die Anliegen seiner touristischen Partner aus dem Ausland ernst nimmt.
Gleich zu Beginn seiner Pressekonferenz auf den rtk-Dialogtagen in Hurghada macht Attia deutlich, wie wichtig der deutsche Markt für Ägypten bleibt. „Bisher haben wir aus Deutschland fast 1,5 Millionen Touristen erreicht. Wir wollen diesen Rekord brechen und 1,7 bis 1,75 Millionen erreichen.“ Das Rote Meer dominiere zwar weiterhin das Reisegeschehen – „93 Prozent des Verkehrs konzentrieren sich auf das Rote Meer, und 85 Prozent davon auf Hurghada“ –, doch genau diese Fokussierung sei zugleich eine Chance. „Es zeigt, dass wir mehr Vielfalt brauchen.“
Attia betont, dass Ägypten weit mehr zu bieten hat als seine bekannten Stranddestinationen. Die Nordküste mit ihren weißen Sandstränden und dem glasklaren Wasser eröffne völlig neue Möglichkeiten. „Der Sommer dort dauert zwei Monate länger als in Südeuropa“, sagt er. Auch kulturelle und spirituelle Ziele sollen künftig stärker in den Blick rücken, darunter das neue Große Ägyptische Museum oder St. Catharines im Sinai. Dazu kommen überraschende Reiseformen, die ihn selbst erstaunen: „Wir haben Touristen gesehen, die von der Nordküste direkt in die Oase Siwa fahren – darauf wäre ich selbst nie gekommen.“
Damit der Markt diese Vielfalt trägt, brauche es Mut und Neugier – vor allem in Deutschland. „Reiseveranstalter müssen neue Produkte einführen und sie als Erste ausprobieren“, fordert Attia. Deutschland sei weiterhin stark auf persönliche Beratung angewiesen. „Das gefällt mir. Deshalb müssen Berater und Veranstalter kommen, die Regionen erleben und vielleicht hier und da Feinheiten vorschlagen.“ Die Nachfrage sei vorhanden, die Chancen enorm.
Besonders leidenschaftlich beschreibt Attia die Entwicklung an der Mittelmeerküste, wo derzeit mehrere Megaprojekte mit Partnern aus den Emiraten, Katar und lokalen Investoren entstehen. „Wir planen bis 2026 allein in diesem Gebiet 10.000 zusätzliche Zimmer.“ Herausforderungen sieht er vor allem bei der Infrastruktur. Drei Flughäfen – Alexandra, Alamein und Marsa Matruh – sollen künftig flexibler angesteuert werden. Eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke ist ebenfalls in Planung: „Sie wird Sukhna mit Alamein verbinden und die gesamte Nordküste entlangführen. Vier Stunden wird man brauchen.“

Sherif Fathi Attia und Thomas Bösl
Ein Comeback erwartet der Minister auch für Sharm el-Sheikh. Nach Jahren ohne Direktverbindungen aus Deutschland starten in diesem Winter neue Flüge. „TUI führt vier Flüge pro Woche ein, dazu kommen Verbindungen von Corendon und Edelweiss.“ Insgesamt werde das Angebot deutlich wachsen. „Es wird einen deutlichen Anstieg geben – etwa 14 Flüge pro Woche.“ Sharm sei zudem im Winter attraktiver als viele denken: „Es ist milder als Hurghada und besser vor dem Wind geschützt.“
Auch das Rote Meer als Ganzes entwickelt sich weiter. Neben Erweiterungen bestehender Resorts entstehen neue Gebiete wie Marasi Red. Besonders hervor hebt Attia einen Küstenabschnitt, der künftig große Bedeutung gewinnen soll: „Ras Banas – oder Barnice. Merken Sie sich diesen Namen. Es ist die Zukunft des Roten Meeres.“
Eines der prestigeträchtigsten Projekte ist das Große Ägyptische Museum. Der Ansturm sei gewaltig. „Wir hatten durchschnittlich 15.000 Besucher pro Tag, in den ersten Tagen sogar 24.000.“ Die Aufenthaltsdauer der Gäste überraschte selbst die Betreiber. „Touristen verweilen viel länger als erwartet.“ Ein neues Zeitfenster-System, unterstützt von KI, soll den Besucherstrom regulieren. „Wir ermitteln die optimale Besucherzahl für jedes Zeitfenster.“ Rund die Hälfte der Besucher komme inzwischen aus Ägypten selbst. „Wir ermutigen die ägyptische Bevölkerung ausdrücklich – das Museum muss auch für sie zugänglich sein.“
Zum Thema Nachhaltigkeit äußert sich Attia besonders klar. „41 Prozent unserer Hotels wenden umweltfreundliche Praktiken an. Einige sind vollständig, andere teilweise mit Ökostrom versorgt.“ Viele Resorts im Süden setzen stark auf Solarenergie und die Wiederverwendung von Wasser. Der Schutz der Korallen sei ein zentraler Faktor: „Wir bauen lange Stege ins Meer, damit die Gäste schwimmen können, ohne die Korallen zu beschädigen.“ Auch Tauchzentren arbeiteten mit strengen Standards. „Fast 40 Prozent erfüllen die Green-Fins-Kriterien.“
Ägypten werde zudem die Nachhaltigkeitsziele europäischer Veranstalter erfüllen: „Bis 2030 sollen alle Gäste in Hotels untergebracht werden, die mit Ökostrom versorgt werden – und dazu stehen wir.“ Selbst wenn Anlagen nicht direkt angeschlossen seien, könne man sie über das nationale Netz mit grüner Energie versorgen.
Zum Abschluss unterstreicht der Minister die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus, der aktuell „9 bis 10 Prozent des BIP“ ausmacht. Die Dynamik sei hoch, die Entwicklung schneller als erwartet. „Ägypten erlebt eine sehr hohe Nachfrage aus den deutschsprachigen Märkten – und sie wird anhalten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“
Gleich zu Beginn seiner Pressekonferenz auf den rtk-Dialogtagen in Hurghada macht Attia deutlich, wie wichtig der deutsche Markt für Ägypten bleibt. „Bisher haben wir aus Deutschland fast 1,5 Millionen Touristen erreicht. Wir wollen diesen Rekord brechen und 1,7 bis 1,75 Millionen erreichen.“ Das Rote Meer dominiere zwar weiterhin das Reisegeschehen – „93 Prozent des Verkehrs konzentrieren sich auf das Rote Meer, und 85 Prozent davon auf Hurghada“ –, doch genau diese Fokussierung sei zugleich eine Chance. „Es zeigt, dass wir mehr Vielfalt brauchen.“
Attia betont, dass Ägypten weit mehr zu bieten hat als seine bekannten Stranddestinationen. Die Nordküste mit ihren weißen Sandstränden und dem glasklaren Wasser eröffne völlig neue Möglichkeiten. „Der Sommer dort dauert zwei Monate länger als in Südeuropa“, sagt er. Auch kulturelle und spirituelle Ziele sollen künftig stärker in den Blick rücken, darunter das neue Große Ägyptische Museum oder St. Catharines im Sinai. Dazu kommen überraschende Reiseformen, die ihn selbst erstaunen: „Wir haben Touristen gesehen, die von der Nordküste direkt in die Oase Siwa fahren – darauf wäre ich selbst nie gekommen.“
Damit der Markt diese Vielfalt trägt, brauche es Mut und Neugier – vor allem in Deutschland. „Reiseveranstalter müssen neue Produkte einführen und sie als Erste ausprobieren“, fordert Attia. Deutschland sei weiterhin stark auf persönliche Beratung angewiesen. „Das gefällt mir. Deshalb müssen Berater und Veranstalter kommen, die Regionen erleben und vielleicht hier und da Feinheiten vorschlagen.“ Die Nachfrage sei vorhanden, die Chancen enorm.
Besonders leidenschaftlich beschreibt Attia die Entwicklung an der Mittelmeerküste, wo derzeit mehrere Megaprojekte mit Partnern aus den Emiraten, Katar und lokalen Investoren entstehen. „Wir planen bis 2026 allein in diesem Gebiet 10.000 zusätzliche Zimmer.“ Herausforderungen sieht er vor allem bei der Infrastruktur. Drei Flughäfen – Alexandra, Alamein und Marsa Matruh – sollen künftig flexibler angesteuert werden. Eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke ist ebenfalls in Planung: „Sie wird Sukhna mit Alamein verbinden und die gesamte Nordküste entlangführen. Vier Stunden wird man brauchen.“

Sherif Fathi Attia und Thomas Bösl
Ein Comeback erwartet der Minister auch für Sharm el-Sheikh. Nach Jahren ohne Direktverbindungen aus Deutschland starten in diesem Winter neue Flüge. „TUI führt vier Flüge pro Woche ein, dazu kommen Verbindungen von Corendon und Edelweiss.“ Insgesamt werde das Angebot deutlich wachsen. „Es wird einen deutlichen Anstieg geben – etwa 14 Flüge pro Woche.“ Sharm sei zudem im Winter attraktiver als viele denken: „Es ist milder als Hurghada und besser vor dem Wind geschützt.“
Auch das Rote Meer als Ganzes entwickelt sich weiter. Neben Erweiterungen bestehender Resorts entstehen neue Gebiete wie Marasi Red. Besonders hervor hebt Attia einen Küstenabschnitt, der künftig große Bedeutung gewinnen soll: „Ras Banas – oder Barnice. Merken Sie sich diesen Namen. Es ist die Zukunft des Roten Meeres.“
Eines der prestigeträchtigsten Projekte ist das Große Ägyptische Museum. Der Ansturm sei gewaltig. „Wir hatten durchschnittlich 15.000 Besucher pro Tag, in den ersten Tagen sogar 24.000.“ Die Aufenthaltsdauer der Gäste überraschte selbst die Betreiber. „Touristen verweilen viel länger als erwartet.“ Ein neues Zeitfenster-System, unterstützt von KI, soll den Besucherstrom regulieren. „Wir ermitteln die optimale Besucherzahl für jedes Zeitfenster.“ Rund die Hälfte der Besucher komme inzwischen aus Ägypten selbst. „Wir ermutigen die ägyptische Bevölkerung ausdrücklich – das Museum muss auch für sie zugänglich sein.“
Zum Thema Nachhaltigkeit äußert sich Attia besonders klar. „41 Prozent unserer Hotels wenden umweltfreundliche Praktiken an. Einige sind vollständig, andere teilweise mit Ökostrom versorgt.“ Viele Resorts im Süden setzen stark auf Solarenergie und die Wiederverwendung von Wasser. Der Schutz der Korallen sei ein zentraler Faktor: „Wir bauen lange Stege ins Meer, damit die Gäste schwimmen können, ohne die Korallen zu beschädigen.“ Auch Tauchzentren arbeiteten mit strengen Standards. „Fast 40 Prozent erfüllen die Green-Fins-Kriterien.“
Ägypten werde zudem die Nachhaltigkeitsziele europäischer Veranstalter erfüllen: „Bis 2030 sollen alle Gäste in Hotels untergebracht werden, die mit Ökostrom versorgt werden – und dazu stehen wir.“ Selbst wenn Anlagen nicht direkt angeschlossen seien, könne man sie über das nationale Netz mit grüner Energie versorgen.
Zum Abschluss unterstreicht der Minister die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus, der aktuell „9 bis 10 Prozent des BIP“ ausmacht. Die Dynamik sei hoch, die Entwicklung schneller als erwartet. „Ägypten erlebt eine sehr hohe Nachfrage aus den deutschsprachigen Märkten – und sie wird anhalten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“

