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Verantwortung bei Veranstalterpleiten
30.10.25, 15:32 Uhr

ASR stellt sich vor den Vertrieb – „Reisebüros sind keine Wirtschaftsprüfer“

Der ASR-Bundesverband spricht sich klar gegen mögliche Hinweispflichten für Reisebüros im Fall insolventer Veranstalter aus. Präsidentin Anke Budde betont, Reisebüros könnten die wirtschaftliche Lage ihrer Partner nicht beurteilen – das sei Aufgabe von Versicherern und Behörden.

ASR-Chefin Anke Budde. Foto: ASR
Der ASR-Bundesverband hat sich im Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren zu möglichen Hinweispflichten von Reisebüros bei der FTI-Insolvenz klar positioniert. Präsidentin Anke Budde betont, Reisebüros dürften nicht für die wirtschaftliche Lage von Reiseveranstaltern verantwortlich gemacht werden.

„Reisebüros sind keine Wirtschaftsprüfer“

Budde stellt klar: „Es ist weder Aufgabe noch realistisch, dass Reisebüros die finanzielle Situation von Reiseveranstaltern einschätzen. Reisebüros sind keine Wirtschaftsprüfer.“ Diese Verantwortung liege eindeutig bei den Insolvenzversicherern und den Aufsichtsbehörden.

Sie verweist darauf, dass Reisebüros ihre Partner sorgfältig auswählen und Kunden individuell beraten. Dabei müssten sie sich auf bestehende Sicherungssysteme verlassen können. „Wenn wir anfangen, bei jedem Hinweis auf mögliche wirtschaftliche Schwierigkeiten in Panik zu verfallen und Geschäftsbeziehungen vorsorglich zu beenden, dann ist unsere gesamte Wirtschaft alsbald kaputt“, warnt Budde. Vertrauen und sachliche Bewertungen seien die Grundlage unternehmerischen Handelns.

Kritik an zusätzlichen Warnpflichten

Eine mögliche Verpflichtung, Kunden vor einer drohenden Insolvenz zu warnen, lehnt der Verband ab. „Das wäre ein massiver Eingriff in die unternehmerische Freiheit und schlicht nicht umsetzbar“, so Budde. Reisebüros trügen bereits wirtschaftliche Folgen, wenn ein Veranstalter insolvent werde, etwa durch den Verlust von Provisionen.

Vielfalt als Stärke des Marktes

Besonders im mittelständisch geprägten Markt arbeiteten Reisebüros mit kleineren, spezialisierten Veranstaltern zusammen. „Wenn wir anfangen, jedes Unternehmen aus Angst vor Haftung zu meiden, schwächen wir genau das, was den deutschen Reisemarkt ausmacht: Vielfalt, Kompetenz und Unabhängigkeit“, sagt Budde.

Aufklärungspflichten bestehen bereits

Reisebüros erfüllen ihre Informationspflichten, ist der ASR überzeugt. Sie klärten Kunden über den Unterschied zwischen Pauschalreisen und Einzelleistungen auf. „Am Ende entscheidet der Kunde selbst, was er bucht“, betont Budde. Es brauche weniger Misstrauen und mehr Bewusstsein für die Verantwortung aller Beteiligten.

„Der Mittelstand ist das Rückgrat“

Entsprechend fordert der Verband mehr Vertrauen in die Arbeit der Reisebüros: „Der Mittelstand ist das Rückgrat dieser Branche – und wer ihn schwächt, gefährdet die Vielfalt und Qualität des Reisemarkts in Deutschland“, mahnt Budde.