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Sun Express
22.03.23, 11:27 Uhr

„Wir sehen uns als Türkei-Botschafter“

Sun Express erwartet ein weiteres Rekordjahr. Das Management bereitet den größte Streckennetz-Ausbau der Unternehmensgeschichte vor.

Foto: Sun Express
Traurig, sauer, fröhlich? Wie ist der Expi drauf, wenn er bei Sun Express anruft? Künstliche Intelligenz erkennt das schon bei den ersten Worten am Telefon – und beschreibt das auf den Bildschirmen der Airline-Mitarbeitern. Die können sich auf den Anrufer einstellen. Der Anrufer wird je nach Gemütslage an einen besonders geschulten Call Center Agent weitergeleitet.

„Mit unserer IT sind wir enorm gut aufgestellt“ sagt Max Kownatzki, Chef von Sun Express und freut sich. Dazu hat er auch allen Anlass. Er erwartet 2023 mit mehr als zwölf Millionen Passagieren ein neues Rekordjahr. Beim Streckennetz ist der größte Ausbau seit Unternehmensgründung geplant und der Umsatz übertrifft sogar locker das Vorkrisenniveau. Andere Fluggesellschaften kamen im Jahr 2022 auf 90 Prozent des Fluggastaufkommens vor der Krise. Bei Sun Express sind es satte 130 Prozent. Für das laufende Jahr hat sich Kownatzki eine Umsatzsteigerung auf 1,6 Milliarden Euro vorgenommen.

Die Fluggesellschaft gehört zu gleichen Teilen Turkish Airlines und der Deutschen Lufthansa. Deren Manager können sich wegen der schönen Überweisungen aus Antalya die Hände reiben – liegt doch der operative Gewinn bei 85 Millionen Euro und damit auch über dem Vorjahr. Dieser stammt von 10,7 Millionen Passagieren. Mehr als 6,5 Millionen Gäste kamen dabei aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2022 hat Sun Express alle selbstgesteckten Rentabilitätsziele übertroffen. Die durchschnittliche Sitzauslastung lag bei 85 Prozent und erreichte zu Spitzenzeiten im Sommer 99 Prozent. Und dass, obwohl der Carrier die einträglichen Verbindungen nach Istanbul an Lufthansa und Turkish Airlines abgeben musste.

Alle Flüge beginnen oder enden in der Türkei

Im kommenden Sommer sieht der Flugplan noch mehr Flüge an die Türkische Riviera vor: Antalya, Izmir, Dalaman und Bodrum-Milas, zu insgesamt über hundert Airports. Alleine aus dem deutschsprachigen Raum bedient Sun Express 110 Strecken von 20 Abflughäfen zu 17 Destinationen in der Türkei. „Wir sehen uns als Türkei-Botschafter“, formuliert Manager Kownatzki. Zu den neuen Strecken ab Deutschland gehören von Berlin sowie Hamburg aus Adana und Ankara. Zum Netz gehören auch Stuttgart und Düsseldorf.

Etwa 45 Prozent der Kundschaft fliegt mit der Airline in den Urlaub. Die großen Veranstalter, die sich der Dienste von Sun Express sichern, heißen FTI, TUI, Schauinsland und Bentour Schweiz. Weitere 45 Prozent Gäste sind Türken, die aus ganz Europa zur Verwandtschaft in die ostanatolische Provinz jetten. Letztere Zielgruppe sicherten Sun Express schwarze Zahlen, auch während in den harten Corona-Jahren die Urlauber ausblieben. „Wenn Mama Geburtstag hat, dann kommt der Sohn – egal, wie die Welt ringsherum aussieht“, formuliert der Airline-Chef. Zehn Prozent aller Flüge sind Inlandsverbindungen.

Kostenvorteile hat Sun Express auch wegen seiner Flotte: Ausschließlich Boeing 737. Das fliegende Personal kann auf jeder Maschine in der Firma eingesetzt werden. Im Ersatzteillager gibt es auch nur 737-Teile. So gesehen ist die türkische Airline wohl der wahre Low-Cost-Carrier im Lufthansa-Verbund. US-Hersteller Boeing kommt nicht nach, die moderne Version 737 max zu liefern. Die spart 16 Prozent Kerosin ein und hat knapp 1000 Kilometer mehr Reichweite. „Wir haben 42 bestellt, neun gehören schon zur Flotte“, sagt CEO Kownatzki. Im Sommer muss er zusätzliche 737 mieten, damit es nicht zu Engpässen kommt.

Check-in am Schalter ist nicht mehr kostenlos

Wenn die Maschinen voll werden, müssen Passagiere nicht bangen, am Boden zu bleiben. „Wir überbuchen nicht, wir nehmen immer alle unsere Gäste mit.“ Damit das so bleibt und nicht die Flughäfen wegen mangelnder Kapazität zur Engstelle werden, sollen jetzt möglichst alle Passagiere online einchecken. Wer dennoch zum Schalter will, muss künftig 2,99 Euro zahlen. Mehrere Airports hätten Sun Express gebeten, die Passagiere sollten häufiger zum Handy greifen. „Die 2,99 Euro sind keine Gebühr, mit der wir unseren Umsatz in die Höhe treiben könnten. Wir wollen so nur den Eincheck-Prozess beschleunigen“, formuliert der Sun-Express-Boss.

„Das traurigste Kapitel meiner bisherigen Berufslaufbahn habe ich mit dem schrecklichen Erdbeben in der Türkei erlebt“, sagt Kownatzki. Um den Opfern zu helfen, betreibt Sun Express eine Luftbrücke zwischen Deutschland und der Türkei: 439 Sonderflüge für 7.700 Such- und Rettungskräfte sowie medizinische Teams starteten bislang zusätzlich. Auf den Rückflügen aus diesen Erdbebengebieten wurden 18.500 Menschen evakuiert.