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Reisen und Wissenschaft
01.10.26, 12:49 Uhr

HX forscht mit Gästen – KI hält nach Walen Ausschau

Gäste werden bei HX Expeditions in der Arktis selbst zu Datensammlern. Mehr als 26.000 Beiträge flossen 2026 in Forschungsprojekte zu Tieren, Meerwasser, Wolken und Polarlichtern ein. Gleichzeitig erprobte die Reederei erstmals ein KI-System zur Walbeobachtung unter realen Bedingungen einer Expeditionsreise.

Die Fram war während der Arktis-Saison 2026 unter anderem für ein neues Forschungsprojekt im Einsatz. An Bord testete HX gemeinsam mit Partnern ein KI-gestütztes System zur Erkennung von Walen in arktischen Gewässern. Foto: HX
Expeditionsspezialist HX Expeditions hat seine Arktis-Saison 2026 mit knapp 26.500 Beiträgen von Gästen und Expeditionsteams zu Citizen-Science-Projekten abgeschlossen. Erstmals testete die Reederei außerdem künstliche Intelligenz zur Walbeobachtung. Zugleich verlängert HX sein „Grönland Versprechen“ bis Ende der Saison 2028.

Insgesamt unternahm HX 31 Expeditions-Seereisen in der Arktis – mit so vielen Suite-Buchungen wie noch nie.

Für HX fällt die Saison in das Jahr des 130-jährigen Bestehens. Bereits 1896 brachte eine touristisch ausgerichtete Reise nach Spitzbergen Gäste, Wissenschaftler und Biologen zusammen. An diesen Ansatz knüpft das Unternehmen heute mit Forschungsprojekten und Lernangeboten an.

Gäste liefern mehr als 26.000 Forschungsbeiträge

Auf jeder Reise bindet HX die Gäste in mindestens zwei Citizen-Science-Projekte ein. Dabei dokumentierten sie unter anderem Tiere, die Klarheit des Meerwassers, Wolken und Polarlichter. Bei 363 Ausfahrten mit Wissenschafts-Booten konnten Gäste zudem Forschungsarbeiten auf dem Wasser begleiten.

Insgesamt kamen 26.491 Beiträge aus neun Forschungsprogrammen zusammen. Den größten Anteil machten 23.518 Beobachtungen bei iNaturalist aus. Hinzu kamen 1.286 Datensätze für ORCA, 1.183 Einträge bei eBird und 203 Berichte für den NASA GLOBE Cloud Observer.

Außerdem wurden 181 Messungen mit einer Secchi-Scheibe zur Sichttiefe im Wasser vorgenommen. Dazu kamen 73 Beiträge für Happywhale, 38 Beobachtungen schädlicher Algenblüten, acht Aurorasaurus-Berichte und ein Eintrag im Marine Debris Tracker.

„Wissenschaft ist eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, eine Reise in die Arktis zu einem Erlebnis zu machen, das weit über die Rückkehr der Gäste hinaus Bedeutung hat“, sagt Verena Meraldi, Chef-Wissenschaftlerin bei HX.

KI soll Wale früher erkennen

Erstmals testete HX in der Arktis ein KI-gestütztes System zur Erkennung von Walen. Das Projekt „Whales and Arctic Vessels“, kurz WAVE, entstand gemeinsam mit der Heriot-Watt Universität und dem auf Meeresbeobachtung spezialisierten Unternehmen Seiche.

Das System wurde an Bord der Fram eingesetzt und nahm während der Reise von Dover nach Spitzbergen den Betrieb auf. Anschließend sammelte es den gesamten arktischen Sommer über Daten rund um die Inselgruppe.

Wärmebild- und hochauflösende Kameras sollen den Blas von Walen und Bewegungen an der Wasseroberfläche erkennen. Eine Software wertet die Bilder mithilfe maschinellen Lernens aus. Die gewonnenen Daten sollen helfen, Systeme künftig so zu trainieren, dass sie Walarten erkennen und automatisch Warnungen ausgeben können.

Brückenteams könnten dadurch früher auf Tiere aufmerksam werden. Ziel ist es, Störungen und das Risiko von Kollisionen unter anderem mit Narwalen, Belugas und Grönlandwalen zu verringern.

„Von 26.491 Beiträgen zu Citizen-Science-Projekten bis hin zum weltweit ersten Arktis-Test, bei dem KI und Wärmebildtechnik zur Erkennung von Walen eingesetzt wurden, zeigt diese Saison, was möglich wird, wenn Reiseanbieter, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Technologiepartner und Gäste wirklich zusammenarbeiten“, so Meraldi.

Der Einsatz auf einer regulären Expeditionsreise soll zugleich zeigen, wie solche Systeme unter realen Bedingungen funktionieren. HX sieht darin auch eine mögliche Grundlage für Anwendungen auf anderen Schiffstypen und für eine bessere Beobachtung von Meeressäugern.

Neuer Spitzbergen-Kurs für Gäste

Zusätzlich hat HX sein Lernangebot gemeinsam mit der Universität von Tasmanien erweitert. Ein neuer kostenfreier Online-Kurs zu Spitzbergen vermittelt Gästen bereits vor der Reise Wissen über Tierwelt, Ökosysteme und Geschichte der Inselgruppe sowie über verantwortungsvolles Reisen.

Das Angebot ergänzt einen bestehenden Alaska-Kurs sowie das Antarktis-Programm, das HX gemeinsam mit der Universität von Tasmanien und dem Institut für Marine und Antarktische Studien entwickelt hat. Für 2027 sind weitere Kurse zu arktischem Kanada, Grönland, Island und der Nordwest-Passage geplant.

„Das ist Reisen mit einem Sinn“, sagt Meraldi. „Als größter Anbieter von Expeditions-Seereisen in der Region tragen wir die Verantwortung, unsere Größe und langjährige Erfahrung mit sinnvollem Engagement zu verbinden.“ Ziel sei es, „ein tieferes Verständnis dafür zu schaffen, wie wir die Arktis für die Zukunft schützen können“, so Meraldi.

Grönland Versprechen gilt bis Ende 2028

Parallel zur Saisonbilanz verlängert HX sein „Grönland Versprechen“ bis Ende der Saison 2028. Das Angebot soll Gästen und Vertriebspartnern mehr Planungssicherheit für Grönland-Reisen geben.

Sagt HX eine entsprechende Grönland-Reise ab oder rät die Regierung des jeweiligen Gastes von einer Reise ab, können Kunden auf eine andere HX-Expedition umbuchen. Dafür erhalten sie zusätzlich ein Reiseguthaben von 20 Prozent des bestehenden Reisepreises. Alternativ ist eine vollständige Erstattung möglich.

Die Regelung galt bereits für Reisen in den Jahren 2026 und 2027 und wird nun auf das gesamte Grönland-Programm bis einschließlich 2028 ausgeweitet.