David Ruetz, Head of ITB Berlin

»Exklusive Plattform für das B2B-Business«

Im Frühjahr geht die ITB wegen der Corona-Pandemie als rein virtuelle Messe an den Start. Das neue Konzept drückt sich auch im neuen Namen aus: „ITB Berlin NOW“. ITB-Chef David Ruetz spricht über Konzepte und Erwartungen.

»Exklusive Plattform für das B2B-Business«
Wie geht es Ihnen persönlich in diesem Ausnahmejahr?
Vielen Dank, es geht mir gut. Das Jahr begann ja sehr turbulent für uns alle. Etwas völlig Unbekanntes rollte damals auf uns zu und forderte uns heraus. Heute sind wir alle deutlich weiter mit unserem Wissen. Wir haben keinen Ausnahmezustand mehr, sondern eine neue Normalität und das hilft vermutlich, besser mit der Situation umzugehen.  
 
Wird Ihnen mulmig mit Blick auf 2021?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Wir haben uns über die letzten Monate mit Konzepten stark gemacht und freuen uns auf die ITB 2021 – diesmal als rein virtuelle Veranstaltung. Neue Ideen und die angepasste Plattform werden unsere Aussteller auch dieses Jahr vernetzen.
 
Es gab ja schon ein Art Warmlaufen mit der Pop up-Messe We love Travel. Wie war das Ergebnis?
Die Veranstaltung hat uns bereits erste Erfahrungen im Umgang mit Großveranstaltungen zu Corona-Zeiten geliefert. Das Programm bot fachliche Vorträge und Diskussionen, sowohl digital als auch live auf der Bühne. Die Veranstaltung war daher eine Art Indikator, ob und wie das Publikum solche hybrid Events in der Pandemiezeit annimmt. Das Event war ein wichtiger Schritt in die neue Normalität. Gerade weil die Branche in der Krise ist, ist ein Format dieser Art so wertvoll. Diskutiert wurden über die Veränderungen der globalen Reisenachfrage, Änderungen der Reiseströme und Kundenpräferenzen. Ein sehr spannendes Thema, das uns sicherlich auch auf der ITB Berlin beschäftigen wird.
 
Was haben Sie am meisten daraus gelernt?
Dass die Wichtigkeit einer solchen Veranstaltung gerade zur aktuellen Krisenlage nicht unterschätzt werden darf. Die Veranstaltung wurde von unseren Fachbesuchern und Endkunden interessiert angenommen. Nach der langen Zeit des intensiven Lock-Downs waren viele dankbar für die Möglichkeit der Vernetzung in Form einer hybriden Veranstaltung. Dies bestätigt auch, dass der digitale Content und das digitale Matchmaking eine Ergänzung zum analogen Messeformat bieten, dies aber nicht komplett ersetzt werden kann.
 
Bei virtuellen Messen gibt es bereits Plattformen mit simulierten Hallen und Ständen, sogar Menschen als Avatar. Was halten Sie davon?
Es sind nützliche Instrumente, die es uns ermöglichen, die aktuellen Krisenzeiten der Pandemie zu überbrücken. Wir sind dankbar, dass es solche Möglichkeiten gibt, da sie uns ermöglichen, unseren Kunden weiterhin eine Plattform zum Austausch zu bieten. Und nicht nur eine reine Plattform, sondern zugleich ein Erlebnis! Der Trend zeigt, dass zunehmend Elemente aus Videospielen herangezogen werden, um insbesondere Messen und Großveranstaltungen zum Leben zu erwecken. Es ist wunderbar, was wir mithilfe von Technik ermöglichen können. Dennoch freuen wir uns, unsere Kunden hoffentlich bald wieder persönlich auf unserem Gelände begrüßen zu dürfen. Der menschliche Kontakt wird von der Technik nie ganz ersetzt werden können.
 
Sie wollen eine virtuelle ITB etablieren, auf einer Plattform, die fast alles erlaubt, wie im echten Leben. Wie sieht das genau aus?
Bereits vor Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 haben wir an der Entwicklung der globalen Plattform itb.com gearbeitet. Dieser globale hub ist bereits eine echte Erfolgsstory. Mitglieder der Reisebranche tauschen sich hier aus und vernetzen sich. Zudem halten wir wichtige Branchen-News für die Nutzer bereit und versorgen sie monatlich mit Expertenwissen aus unserer Virtual Convention Reihe. Wir haben bereits einige Fach-Sessions mit hochkarätigen Interviewpartnern angeboten. Diese wurden überaus gut angenommen. Einige User bevorzugen es, die Sessions live zu verfolgen, andere streamen sie im Nachgang.
 
Sind große Live-Messen denn überhaupt noch zeitgemäß?
Zeitgemäß ist ein vielfältiger Begriff. Eines ist sicher: Den menschlichen Austausch, insbesondere im Messegeschäft, wird es auch weiterhin geben. Aktuell findet eher die Ergänzung des traditionellen Messelebens durch die digitale Komponente statt. Es wird sich zeigen, wie die analogen und digitalen Komponenten in Zukunft gewichtet sein werden.
 
Warum sollte ich überhaupt eine Messe besuchen, online oder offline, wenn man sich ohnehin im Internet vernetzt und über Zoom spricht?
Als Messeveranstalter bieten wir die Plattform zur Vernetzung unserer Kunden. Fachbesucher, Aussteller, Endkunden – sie alle kommen bei uns zusammen. Die Rahmenvorträge, das Programm, die Keynote Speaker. Wie gesagt, die Magie der persönlichen Begegnung in unserem Peoples‘ Business ist nicht zu ersetzen. Monate geprägt von Home-Office und Zoom Calls haben bei vielen Menschen eine Sehnsucht nach „echten“ Kontakten erhöht.
 
Mit welchen Teilnehmerzahlen rechnen Sie in 2021?
Wir gehen diese Woche mit itb.com/NOW an den Start – das Feedback derjenigen, die die Plattform vorab gesehen haben, ist überwältigend gut. Wir sind überzeugt, dass wir – wie auch zu Zeiten der physischen ITB – alle relevanten Player der Branche digital an Bord haben werden.
 
Wie hoch war der wirtschaftliche Schaden durch die Absage der ITB in 2020?
Der Verlust ist und war in der Tat immens – und so unglaublich vielschichtig, weil so viele Unternehmen an der gesamten Wertschöpfung beteiligt sind. Wir beziffern die Gesamtsumme für unser Unternehmen auf einen zweistelligen Millionenbetrag.
 
Wie ist die bisherige Nachfrage der Aussteller für das kommende Jahr?
Bereits knapp 40 Prozent der Aussteller hatten sich bereits Ende des Sommers für die physische ITB Berlin angemeldet. Diese Woche haben wir unsere Aussteller und Fachbesucher über die verfügbaren neuen digitalen Aussteller-Pakete und Buchungsmöglichkeiten informiert. Der offizielle Anmeldeschluss für die Teilnahme an der digitalen ITB Berlin 2021 als Austeller mit Early-Bird-Tarif ist der 15. Januar 2021.
 
Welche Neuerungen wird es geben, damit die virtuelle ITB 2021 ein Erfolg wird?
Neben den bereits genannten technischen Erneuerungen wie dem globalen hub itb.com und unseren neuen Aussteller- und Fachbesucherpaketen, haben wir die Plattform ITB Berlin NOW ins Leben gerufen. Eine exklusive Plattform für das B2B-Business mit erstklassigen Inhalten, intelligentem Netzwerken und Branchennachrichten. Weiterhin publizieren wir über die „ITB Virtual Convention“ weiteres Expertenwissen. Wir haben bereits einige Fach-Sessions mit hochkarätigen Interviewpartnern angeboten. Diese wurden überaus gut angenommen. Gerade letzte Woche haben wir das Thema „Wie kann das Vertrauen in den internationalen Tourismus und Reisen wieder aufgebaut werden?“ u.a. mit Vertretern aus der Luxusreisebranche diskutiert. Neben den digitalen Lösungen und inhaltlichen Schwerpunkten haben wir weitere Ideen, die aktuell noch in der Planung sind. Aber wir freuen uns jetzt schon über eine Premiere: unsere erste und neue Kulturdestination Sachsen! Der Freistaat wird sich nächstes Jahr als herausragendes Kultur- und Städtereiseziel präsentieren und auch spannende Einblicke in sein reiches Naturangebot gewähren.
 
Wie halten Sie sich selbst technisch und inhaltlich am Laufenden?
Ich interessiere mich natürlich auch privat für das Reisen. Ich lese verschiedene Branchenzeitschriften und vernetze mich selbst auch digital. Dabei wird man immer wieder mit neuen technischen Möglichkeiten konfrontiert und lernt vieles dazu. Man muss einen wachen Blick bewahren und offen bleiben für Veränderungen. Ich denke jetzt ist die Zeit, sich der neuen Realität zu stellen. Wir sollten uns von dieser Pandemie – trotz allem Respekt davor -  nicht unterkriegen lassen.

Wir danken fürs Geschpräch!