LCC-Vollversammlung auf Malta11.11.25, 20:33 Uhr
Heiko Brix: „Wir müssen den Mut haben, KI als Chance zu begreifen“
Fast die Hälfte der LCC-Partner nutzt bereits Künstliche Intelligenz – doch das reicht nicht, sagt Heiko Brix. Der LCC-Chef fordert mehr Tempo bei digitalen Tools, flexible Franchise-Modelle für junge Gründer und plädiert für einen Mentalitätswandel im Vertrieb.

Heiko Brix, Managing Director von Lufthansa City Center International, über Komplexität im globalen Reisevertrieb, Next-Gen-Franchise-Modelle und den richtigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Foto: LCC/Sebastian Kirchner
Die LCC-Vollversammlung auf Malta war mehr als ein Branchentreffen – sie war ein Stimmungsbarometer für die Zukunft des Reisevertriebs. Zwischen technologischer Transformation, Generationenwechsel und Fragen nach unternehmerischer Freiheit zeigte sich: Veränderung ist das neue Normal.
Im Gespräch mit TRVL Counter Digital spricht Heiko Brix, Managing Director von Lufthansa City Center International, über die steigende Komplexität internationaler Märkte, neue Erwartungen der jungen Generation – und die Rolle von KI als Beschleuniger und Herausforderung zugleich.
Herr Brix, Sie sagten auf Malta, der globale Austausch werde komplexer. Was macht ihn heute schwieriger als noch vor fünf oder zehn Jahren?
Die Komplexität war im internationalen Vertrieb schon immer da – allein, weil jedes Land eigene regulatorische, wirtschaftliche oder technologische Bedingungen mitbringt. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sich alles verändert.
Technologische Entwicklungen, unterschiedliche Distributionssysteme oder NDC-Anteile führen dazu, dass selbst innerhalb eines Netzwerks wie LCC die Spannbreite an Anforderungen größer wird. Wir sprechen hier über mehr als 100 Länder – und jedes tickt anders.
Was bedeutet das konkret für LCC International?
Wir fördern seit Jahren globalen Austausch und Trendscouting. Viele unserer Partner wünschen sich jedoch, dass wir noch stärker in die operative Lösungsentwicklung einsteigen – etwa bei der Auswahl und Anpassung von Technologien. Ich sehe das genauso: Wir müssen prüfen, wo wir über reines Scouting hinausgehen können, um Partnern künftig auch maßgeschneiderte KI-basierte Tools anzubieten. Das steht klar auf unserer Agenda.
LCC ist ein starkes Franchise-System. Wie verändert sich das Modell mit Blick auf die Generation Z und Alpha – als Kunden, aber auch als Unternehmer?
Da passiert viel. Junge Kundinnen und Kunden informieren und buchen heute völlig anders – ein wachsender Teil sogar über Social Media. Ich war überrascht, dass inzwischen jeder vierte dann über Instagram & Co. bucht. Das verändert die Art, wie wir Reichweite und Präsenz denken.
Auf der Unternehmensebene beschäftigen wir uns derzeit mit der Frage, wie ein „Franchise 2.0“ aussehen könnte. Junge Gründerinnen und Gründer wollen Freiheit, Flexibilität und Sinn. Das klassische Ladenbüro mit Markenanforderungen in der Fußgängerzone wird für viele nicht mehr das Zukunftsmodell sein. Wir prüfen deshalb, wie wir unser Franchise-Konzept so weiterentwickeln, dass es auch für die nächste Generation attraktiv bleibt – ohne unsere DNA zu verlieren.
Ein Schwerpunkt der LCC-Vollversammlung war Künstliche Intelligenz. Welche Rolle spielt sie im Netzwerk?
Eine zentrale. In einer Umfrage unter den Teilnehmern gaben rund 48 Prozent an, bereits aktiv mit KI zu arbeiten – die andere Hälfte noch nicht. Das ist aus meiner Sicht zu wenig. Wer heute nicht mit KI experimentiert, verliert Zeit. Die Technologie ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern gehört ins tägliche Doing.
KI kann Prozesse automatisieren, Ausschreibungen beschleunigen und gleichzeitig Raum schaffen für wertigere Tätigkeiten – etwa personalisierte Beratung. Wir haben beispielsweise Partner, die mithilfe von Perplexity ihre RFP-Bearbeitungszeit von drei Tagen auf zwei Stunden reduzieren konnten. Das zeigt, wie groß das Potenzial ist.
Wie reagieren die Reisebüros auf diese Entwicklung?
Mit gemischten Gefühlen. Viele kleinere Agenturen empfinden KI noch als Bedrohung – aus Sorge, ersetzt zu werden. Größere Betriebe, die mehr investieren können, sehen KI dagegen als Befreiung: Sie steigert Effizienz und schafft Kapazitäten für echte Kundenbindung. Ich glaube, wir stehen genau an diesem Kipppunkt – zwischen Angst und Begeisterung.
Welche drei Themen sollten Reisebüros jetzt ganz oben auf die Agenda setzen?
Erstens: Nachfolge und Nachwuchs. Viele Inhaberinnen und Inhaber suchen keine Nachfolger – das ist langfristig gefährlich. Zweitens: KI konsequent nutzen, um Prozesse zu optimieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Und drittens: Neugierig bleiben. Die Lernkurve ist steil, aber wer sich mit neuen Tools beschäftigt, bleibt relevant.
Ich selbst habe kürzlich eine Präsentation mit Unterstützung von ChatGPT vorbereitet – in drei Stunden war sie fertig. Früher hätte ich dafür Tage gebraucht. Das zeigt, wie sehr uns KI helfen kann, wenn wir sie richtig einsetzen.
Wenn Sie zehn Jahre nach vorn blicken: Wie wird sich die Rolle der Reisebüros verändern?
Ich bin Optimist. Natürlich wird es weitere Konsolidierungen geben – aber auch Chancen für jene, die Beratung, Technologie und Persönlichkeit verbinden. Dieses Zusammenspiel aus „Touch & Tech“ ist unsere Zukunft. Denn am Ende bleibt Reisen ein emotionales Produkt. Menschen suchen Vertrauen, Sicherheit und Inspiration – und genau das können Reiseprofis besser bieten als jeder Algorithmus.
Fazit: „Wir müssen den Mut haben, KI als Chance zu begreifen“
Heiko Brix ist überzeugt: Die Zukunft des Reisevertriebs wird digitaler, komplexer – und menschlicher zugleich. „Wir müssen den Mut haben, KI als Chance zu begreifen“, sagt er. „Denn sie nimmt uns Arbeit ab – und gibt uns Zeit zurück, das zu tun, was uns ausmacht: Menschen fürs Reisen zu begeistern.“
Im Gespräch mit TRVL Counter Digital spricht Heiko Brix, Managing Director von Lufthansa City Center International, über die steigende Komplexität internationaler Märkte, neue Erwartungen der jungen Generation – und die Rolle von KI als Beschleuniger und Herausforderung zugleich.
Herr Brix, Sie sagten auf Malta, der globale Austausch werde komplexer. Was macht ihn heute schwieriger als noch vor fünf oder zehn Jahren?
Die Komplexität war im internationalen Vertrieb schon immer da – allein, weil jedes Land eigene regulatorische, wirtschaftliche oder technologische Bedingungen mitbringt. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sich alles verändert.
Technologische Entwicklungen, unterschiedliche Distributionssysteme oder NDC-Anteile führen dazu, dass selbst innerhalb eines Netzwerks wie LCC die Spannbreite an Anforderungen größer wird. Wir sprechen hier über mehr als 100 Länder – und jedes tickt anders.
Was bedeutet das konkret für LCC International?
Wir fördern seit Jahren globalen Austausch und Trendscouting. Viele unserer Partner wünschen sich jedoch, dass wir noch stärker in die operative Lösungsentwicklung einsteigen – etwa bei der Auswahl und Anpassung von Technologien. Ich sehe das genauso: Wir müssen prüfen, wo wir über reines Scouting hinausgehen können, um Partnern künftig auch maßgeschneiderte KI-basierte Tools anzubieten. Das steht klar auf unserer Agenda.
LCC ist ein starkes Franchise-System. Wie verändert sich das Modell mit Blick auf die Generation Z und Alpha – als Kunden, aber auch als Unternehmer?
Da passiert viel. Junge Kundinnen und Kunden informieren und buchen heute völlig anders – ein wachsender Teil sogar über Social Media. Ich war überrascht, dass inzwischen jeder vierte dann über Instagram & Co. bucht. Das verändert die Art, wie wir Reichweite und Präsenz denken.
Auf der Unternehmensebene beschäftigen wir uns derzeit mit der Frage, wie ein „Franchise 2.0“ aussehen könnte. Junge Gründerinnen und Gründer wollen Freiheit, Flexibilität und Sinn. Das klassische Ladenbüro mit Markenanforderungen in der Fußgängerzone wird für viele nicht mehr das Zukunftsmodell sein. Wir prüfen deshalb, wie wir unser Franchise-Konzept so weiterentwickeln, dass es auch für die nächste Generation attraktiv bleibt – ohne unsere DNA zu verlieren.
Ein Schwerpunkt der LCC-Vollversammlung war Künstliche Intelligenz. Welche Rolle spielt sie im Netzwerk?
Eine zentrale. In einer Umfrage unter den Teilnehmern gaben rund 48 Prozent an, bereits aktiv mit KI zu arbeiten – die andere Hälfte noch nicht. Das ist aus meiner Sicht zu wenig. Wer heute nicht mit KI experimentiert, verliert Zeit. Die Technologie ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern gehört ins tägliche Doing.
KI kann Prozesse automatisieren, Ausschreibungen beschleunigen und gleichzeitig Raum schaffen für wertigere Tätigkeiten – etwa personalisierte Beratung. Wir haben beispielsweise Partner, die mithilfe von Perplexity ihre RFP-Bearbeitungszeit von drei Tagen auf zwei Stunden reduzieren konnten. Das zeigt, wie groß das Potenzial ist.
Wie reagieren die Reisebüros auf diese Entwicklung?
Mit gemischten Gefühlen. Viele kleinere Agenturen empfinden KI noch als Bedrohung – aus Sorge, ersetzt zu werden. Größere Betriebe, die mehr investieren können, sehen KI dagegen als Befreiung: Sie steigert Effizienz und schafft Kapazitäten für echte Kundenbindung. Ich glaube, wir stehen genau an diesem Kipppunkt – zwischen Angst und Begeisterung.
Welche drei Themen sollten Reisebüros jetzt ganz oben auf die Agenda setzen?
Erstens: Nachfolge und Nachwuchs. Viele Inhaberinnen und Inhaber suchen keine Nachfolger – das ist langfristig gefährlich. Zweitens: KI konsequent nutzen, um Prozesse zu optimieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Und drittens: Neugierig bleiben. Die Lernkurve ist steil, aber wer sich mit neuen Tools beschäftigt, bleibt relevant.
Ich selbst habe kürzlich eine Präsentation mit Unterstützung von ChatGPT vorbereitet – in drei Stunden war sie fertig. Früher hätte ich dafür Tage gebraucht. Das zeigt, wie sehr uns KI helfen kann, wenn wir sie richtig einsetzen.
Wenn Sie zehn Jahre nach vorn blicken: Wie wird sich die Rolle der Reisebüros verändern?
Ich bin Optimist. Natürlich wird es weitere Konsolidierungen geben – aber auch Chancen für jene, die Beratung, Technologie und Persönlichkeit verbinden. Dieses Zusammenspiel aus „Touch & Tech“ ist unsere Zukunft. Denn am Ende bleibt Reisen ein emotionales Produkt. Menschen suchen Vertrauen, Sicherheit und Inspiration – und genau das können Reiseprofis besser bieten als jeder Algorithmus.
Fazit: „Wir müssen den Mut haben, KI als Chance zu begreifen“
Heiko Brix ist überzeugt: Die Zukunft des Reisevertriebs wird digitaler, komplexer – und menschlicher zugleich. „Wir müssen den Mut haben, KI als Chance zu begreifen“, sagt er. „Denn sie nimmt uns Arbeit ab – und gibt uns Zeit zurück, das zu tun, was uns ausmacht: Menschen fürs Reisen zu begeistern.“

