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In Portugal und Lettland

Évora und Liepāja – das sind Europas Kulturhauptstädte 2027

Mehr als 500 Veranstaltungen plant Liepāja für das Kulturhauptstadtjahr 2027. Im portugiesischen Évora soll sich das Programm dagegen um Entschleunigung drehen. Beide Städte beziehen ihr Umland ein und bieten damit Anlässe, Kulturreisen mit regionalen Entdeckungen zu verbinden.

Der römische Tempel der Diana zählt zu den Wahrzeichen von Évora. Die historische Altstadt im portugiesischen Alentejo gehört zum Unesco-Welterbe. 2027 ist Évora eine der beiden Kulturhauptstädte Europas. Foto: iStock/Orietta Gaspari

Die Kulturhauptstädte Europas liegen 2027 an der lettischen Ostseeküste und im Süden Portugals. Liepāja und Évora könnten dabei unterschiedlicher kaum sein. Die eine ist eine Hafenstadt zwischen Meer und See, die andere eine historische Unesco-Stadt tief im Alentejo. Doch beide wollen mit ihrem Kulturprogramm nicht nur Besucher in die Stadt locken, sondern auch ihre Regionen stärker ins Blickfeld rücken.

Liepāja plant mehr als 500 Veranstaltungen

Mit Liepāja trägt nach Rīga zum zweiten Mal eine lettische Stadt den Titel Kulturhauptstadt Europas. Die rund 70.000 Einwohner zählende Hafenstadt liegt zwischen der Ostsee und dem Liepāja-See. Zu ihren Wahrzeichen gehören ein acht Kilometer langer und bis zu 80 Meter breiter weißer Sandstrand, historische Holzhäuser und Jugendstilbauten.

Die Konzerthalle Great Amber ist Sitz des nach Angaben der Stadt ältesten Sinfonieorchesters des Baltikums. In der Dreifaltigkeitskathedrale steht eine der größten unverändert erhaltenen mechanischen Orgeln der Welt mit mehr als 7.000 Pfeifen. Auch das 1907 gegründete älteste professionelle Theater Lettlands gehört zum kulturellen Angebot.

Das Kulturhauptstadtjahr gestaltet Liepāja gemeinsam mit der Region Südkurland und Kuldīga, dessen Altstadt zum Unesco-Welterbe gehört.

Zwischen Ruhe und Unruhe

Das Motto des Kulturhauptstadtjahres lautet „(un)rest“ und spielt auf die Gegensätze zwischen Ruhe und Unruhe an. Als Sinnbild dient der Wind, der die Ostseestadt prägt. Fünf Themenbereiche bilden den Rahmen des Programms: „Der europäische Traum“, „Eine Stadt – Paradox“, „Entdecke das Einheimische neu“, „Bewusste Mäßigkeit“ und „Das kreative Ferngefühl“.

Programmdirektorin Baiba Bartkeviča kündigt mehr als 500 Veranstaltungen an. Das Eröffnungswochenende findet vom 22. bis 24. Januar 2027 statt. Den Auftakt machen Kuldīga und Südkurland am 22. Januar. In Aizpute beginnt eine interaktive Ausstellung über die europäische (Un-)Ruhe.

Am 23. Januar wird in Liepāja gefeiert. Besucher können am Strand nach Bernstein suchen, die Ausstellung „Baltic Amber Surprises the World“ besuchen oder beim Audiowalk „Path of (Un)rest“ die Stadt erkunden. Abends stehen die Freiluftaufführung „City Symphony“ unter der Regie von Matīss Kaža und ein Eröffnungskonzert auf dem Programm. Dabei wird die „Wind Symphony“ des lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds uraufgeführt. 

Der römische Tempel der Diana zählt zu den Wahrzeichen von Évora. Die historische Altstadt im portugiesischen Alentejo gehört zum Unesco-Welterbe. 2027 ist Évora eine der beiden Kulturhauptstädte Europas. Foto: iStock/Orietta Gaspari
Ein Weg durch die Dünen führt zum Ostseestrand von Liepāja. Die lettische Hafenstadt ist 2027 eine der beiden Kulturhauptstädte Europas und plant mehr als 500 Veranstaltungen. Foto: iStock/Zigmunds Dizgalvis

Ein weiterer Höhepunkt folgt vom 8. bis 11. April. Dann feiert die Opern-Performance „Sun & Sea“ ihre lettische Premiere. Die Produktion wurde 2019 bei der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Auch hierfür werden bereits Tickets angeboten.

Im Laufe des Jahres sind zudem eine Einzelausstellung der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota, Chorfeste und verschiedene Mitmachangebote geplant. Die Ausstellung „The Hypnic Jerk: An (un)rest Horizon“ wird von Raimundas Malašauskas und Zane Onckule kuratiert. Auch der ehemalige Militärhafen Karosta soll im Kulturhauptstadtjahr eine neue Rolle erhalten.

Évora setzt auf die Kunst des Innehaltens

Rund 3.000 Kilometer südwestlich verfolgt die zweite Kulturhauptstadt einen anderen Ansatz. Évora liegt im portugiesischen Alentejo zwischen Lissabon und der Algarve. Die historische Altstadt mit ihren Kirchen, Plätzen und Bauwerken gehört seit 1986 zum Unesco-Welterbe.

Das Kulturhauptstadtjahr steht unter dem Motto „Vagar“. Das portugiesische Wort bedeutet so viel wie „sich Zeit lassen“ oder „ohne Eile“. Dahinter steckt die Idee, den Alltag bewusster wahrzunehmen, Zeit und Raum anders zu erleben und die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt zu hinterfragen.

Das Projekt wird von der Stadtverwaltung geleitet. Beteiligt sind unter anderem die Universität Évora, die regionale Tourismusbehörde und die Vermarktungsagentur Arpta. Auch die vier Gemeinschaftsverbände des Alentejo mit ihren insgesamt 47 Gemeinden wirken mit.

Kultur im gesamten Alentejo

Schon im Vorbereitungsjahr 2026 fanden erste Veranstaltungen statt. Die „Academia do Vagar“ organisiert Gespräche und Begegnungen. Beim Projekt „À mesa é que a gente se entende“ kommen Künstler und Einwohner an einem Tisch zusammen.

Für 2027 planen die Organisatoren unter dem Titel „Linha do Vagar“ verschiedene Kunstprojekte, die über das gesamte Jahr verteilt an unterschiedlichen Orten im Alentejo stattfinden sollen. Dabei soll Kultur nicht nur in Museen und Theatern, sondern auch im öffentlichen Raum erlebbar sein.

Ein vollständiges Veranstaltungsprogramm liegt noch nicht vor. Weitere Details sollen auf der offiziellen Website evora2027.com veröffentlicht werden.

Zwei Städte, verschiedene Reisemöglichkeiten

Für Reisebüros bieten beide Kulturhauptstädte Möglichkeiten, klassische Städtereisen um Ausflüge und zusätzliche Übernachtungen zu erweitern.

In Portugal wirbt Turismo do Alentejo beispielsweise für einen längeren Aufenthalt rund um Évora. Ein mögliches Ausflugsziel ist der Alqueva-Stausee. Dort können Urlauber Boot fahren, Kajaktouren unternehmen, wandern oder Rad fahren. Dazu kommen Weingüter und Olivenölverkostungen.

Eine Besonderheit ist das Sternenbeobachtungsgebiet Dark Sky Alqueva, das als weltweit erste zertifizierte „Starlight Tourism Destination“ gilt.

In Lettland bieten sich Kombinationen mit Kuldīga, Aizpute und weiteren Orten in Südkurland an. Da die Region unmittelbar am Kulturhauptstadtprogramm beteiligt ist, können Urlauber mehrere Veranstaltungsorte besuchen. Auch die Einbindung in eine Baltikum-Rundreise ist denkbar.

Für die Reiseplanung stehen in Liepāja bereits die ersten Termine fest. Besonders das Eröffnungswochenende im Januar und die Aufführungen von „Sun & Sea“ im April bieten konkrete Reiseanlässe.