Bretagne feiert Atlantikregatta – zwei Wochen Programm
Von der bretonischen Küste bis in die Karibik führt die Route du Rhum. Bevor die rund 115 Skipper zu ihrem Solorennen aufbrechen, feiert Saint-Malo ein knapp zweiwöchiges Segelfestival. Besucher erwarten Konzerte, Ausstellungen und ein besonderes Naturschauspiel.

Die bretonische Hafenstadt Saint-Malo veranstaltet vom 20. Oktober bis 1. November ein Segelfestival zum Start der Transatlantik-Regatta Route du Rhum. Rund 115 Rennyachten werden erwartet, darunter das Boot des deutschen Skippers Boris Herrmann. Für Besucher gibt es ein kostenloses Rahmenprogramm mit Konzerten, Ausstellungen und Einblicken in den internationalen Segelsport.
Am 1. November um 13.02 Uhr fällt der Startschuss zur 13. Route du Rhum – Destination Guadeloupe. Die Teilnehmer legen die 3.542 Seemeilen lange Strecke, umgerechnet rund 6.560 Kilometer, von Saint-Malo nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe allein und ohne Zwischenstopp zurück. Dabei erwarten sie unterschiedliche Wetterbedingungen, von möglichen Herbststürmen im Ärmelkanal und Golf von Gascogne über das Azorenhoch bis zu den Passatwinden in Richtung Karibik.
Kostenloses Festival mit rund 150 Ausstellern
Bereits ab dem 20. Oktober können Besucher die Rennyachten in den Hafenbecken vor der Altstadt besichtigen. Das mehr als 70.000 Quadratmeter große Race Village bietet rund 150 Aussteller, Konzerte, ein Riesenrad, ein Museumsschiff und einen Pavillon der Karibikinsel Guadeloupe. Der Eintritt ist frei. Bei der vorherigen Ausgabe 2022 zählten die Veranstalter mehr als 1,2 Millionen Besucher.
Zu den Höhepunkten gehören die Schleusenfahrten der Boote am 20., 21. und 23. Oktober sowie die Ausfahrten ab dem 30. Oktober. Am 25. Oktober stellen sich ab 17 Uhr sämtliche Skipper auf der großen Bühne vor.
Neu ist das Veranstaltungsprogramm „Off du Rhum“ mit Konzerten und Ausstellungen in der Stadt. Dazu gehört eine kostenlose Schau mit Modellen historischer Rennboote in der Chapelle de la Victoire. Gute Aussichtspunkte für den Regattastart sind die Pointe du Grouin im benachbarten Cancale und das Cap Fréhel, an dem die Flotte nach dem Start vorbeisegelt.
Boris Herrmann startet als einziger Deutscher
Der Hamburger Boris Herrmann vom Team Malizia nimmt zum dritten Mal an der Route du Rhum teil. Er bestreitet sein erstes Solorennen mit seiner neuen Rennyacht Malizia 4, die im Juli 2026 im bretonischen Lorient vom Stapel lief. Bei seiner Teilnahme 2018 erreichte er in der IMOCA-Klasse, deren Boote auch bei der Weltumsegelung Vendée Globe eingesetzt werden, den fünften Platz.
Insgesamt treten sechs Bootsklassen gegeneinander an. Das Feld reicht von historischen Segelbooten bis zu 32 Meter langen Ultim-Trimaranen, die dank spezieller Tragflächen Geschwindigkeiten von mehr als 90 Kilometern pro Stunde erreichen können. Mit mindestens zehn Teilnehmerinnen sind so viele Frauen am Start wie nie zuvor. Alexia Barrier segelt als erste Frau auf einem Ultim-Trimaran.
Die seit 1978 alle vier Jahre ausgetragene Regatta geht auf Michel Etevenon zurück. Die erste Ausgabe gewann der Kanadier Mike Birch nach gut 23 Tagen mit 98 Sekunden Vorsprung. 1990 siegte mit Florence Arthaud erstmals eine Frau. Den aktuellen Streckenrekord hält Charles Caudrelier mit sechs Tagen, 19 Stunden und 47 Minuten aus dem Jahr 2022.
Saint-Malo bietet weitere Reiseanlässe
Auch abseits der Regatta bietet Saint-Malo touristische Attraktionen. Die von einer Stadtmauer umgebene Altstadt mit ihren Restaurants und Geschäften liegt direkt am Meer. Die ehemalige See- und Handelsstadt gewann ab dem 16. Jahrhundert an Bedeutung. 1534 brach der Entdecker Jacques Cartier von hier nach Kanada auf.
Ein besonderes Naturschauspiel erwartet Besucher am 27. und 28. Oktober. Dann sorgen Springtiden für einen Tidenhub von bis zu 15 Metern. Bei entsprechendem Seegang treffen meterhohe Wellen auf die Kaimauer am Strand Sillon.
Als Ausflugsziel bietet sich das benachbarte Cancale an. Der Küstenort ist für seine Austernzucht bekannt, deren Kultur zum immateriellen Kulturerbe Frankreichs gehört. Im Herbst beginnt die Hochsaison für Austern. Bei Ebbe, besonders während der Springtiden, werden die Austernbänke vor der Küste sichtbar.
Zusätzliche Zugverbindungen zum Festival
Die französische Bahn SNCF setzt während der Veranstaltung 16 zusätzliche Regionalzüge und 15 zusätzliche TGV-Verbindungen zwischen Paris und Saint-Malo ein. Die reguläre Direktverbindung vom Pariser Bahnhof Montparnasse dauert rund zweieinhalb Stunden.
Autoreisende können Besucherparkplätze nutzen. Von dort verkehren kostenlose Shuttlebusse im 15-Minuten-Takt zum Festivalgelände. Für den Starttag empfiehlt der Veranstalter die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Auch beim Umweltschutz gibt es Änderungen. Das Race Village wird erstmals vollständig über das Stromnetz versorgt und verzichtet auf Generatoren mit fossilen Brennstoffen. Die Rennyachten dürfen nach dem Rennen nicht per Frachtschiff zurücktransportiert werden.
Für Wale und Delfine sind Schutzzonen vorgesehen. Für die Natura-2000-Gebiete zwischen Pointe du Grouin und Cap Fréhel plant der Veranstalter rund 15 Schutzmaßnahmen im Rahmen seiner Strategie „Terres d'engagements“.
