Achtsamkeit

Die Seele Kraft geben

In Zeiten der Pandemie nimmt die Unsicherheit und die Angst überall zu. Mit Achtsamkeitstraining lassen sich negative Denkmuster aus eigener Kraft verändern.

Die Seele Kraft geben
Achtsamkeit erhöht die so genannte Stressresilienz. So kommen wir heil durch die Krise. Foto: iStock

Seit Monaten dreht sich die ganze Welt um die Corona-Krise mit schwerwiegenden Folgen für Counterprofis und Mitarbeiter in der Reisebranche. Sie wurden praktisch von 100 auf 0 ausgebremst. Sie sorgen sich nun um ihren Arbeitsplatz, haben Angst um ihre pure Existenz und stellen sich viele Zukunftsfragen.

„Auf das äußere Geschehen haben wir keinen Einfluss, wohl aber darauf, wie wir damit umgehen“, erklärt Yogaund Achtsamkeitslehrerin Ina Becker. Auch Donya Gilan, Psychologin am Leibniz-Institut für Resilienzforschung, berichtet von Menschen, die angesichts der Einschränkungen ein Gefühl von Ohnmacht, Frustration und Wut überwältigt. Gilan rät ihnen zu »radikaler Akzeptanz«: „Indem ich meine Situation annehme, kann ich sie weiterhin kritisch reflektieren, nur kämpfe ich nicht mehr länger gegen Unabänderliches an und verliere an Kraft.« Wer es schafft, loszulassen und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, und kann seine Energie auf die bestehenden Möglichkeiten richten.

Ein guter Weg aus der Negativspirale sind Übungen, wie sie Ina Becker allen Betroffenen rät. Dazu gehören Yoga, Atemübungen, Sitzmediaton sowie ein Austausch zur persönlichen Situation. Das löst natürlich nicht die Corona-Problematik, doch damit können Reiseprofis ihren Alltag deutlich besser bewältigen. „Wer schon früh morgens mit achtsamem Strecken und Dehnen, mit Atemübungen und einer kurzen Sitzmeditation beginnt, kommt in Einklang mit sich selbst und startet mit einer ganz anderen Haltung in den Tag“, ist sie überzeugt. Wie genau funktioniert das? „Es geht darum, neue Denkmuster zu etablieren“, erklärt die Achtsamkeitsexpertin.

Der erste Schritt besteht in der Selbstwahrnehmung, sich also bewusst zu werden, wann man in negative Gedanken abgleitet und die eigenen Gefühle, Ängste oder die Verzweiflung, wahrzunehmen, ohne diese noch größer zu machen. Im nächsten Schritt findet man heraus, welche Überzeugung dahintersteht. Vielleicht lautet diese: „Mein Geschäft überlebt die Krise nicht.“ Dann geht es darum, eine andere Perspektive einzunehmen, indem man seine Haltung ändert, etwa so: „So wie ich bislang mein Geschäft geführt habe, überlebt es die Krise nicht. Auch wenn ich noch keine konkrete Lösung habe, glaube ich, dass ich eine finden kann.“ Aus diesen neuen Impulsen lässt sich vielfach eine Strategie für die eigene Situation entwickeln – und schon fühlt man sich nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern kommt ins Tun. Oder wie Resilenzforscherin Gilan sagt: »Man ist nicht länger blockiert.«