Dominikanische Republik: Petra Cruz

»In Angst will keiner leben.«

Die Neuinfektionszahlen in den touristischen Regionen rund um Punta Cana, Puerto Plata oder La Romana liegen weit unter dem kritischen Wert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. Europa-Direktorin Petra Cruz wirbt jetzt mit einem umfassenden Hygiene-Konzept.

»In Angst will keiner leben.«
Petra Cruz Ramírez (in Rot) ist seit Ende 2005 Europa-Direktorin des Tourist Boards Dominikanische Republik. Sie spricht fünf Sprachen und hat einen Abschluss als IT-Ingenieurin. Foto: Dominikanische Republik
Frau Cruz, die Dominikanische Republik zählt seit Jahren zu den Lieblingszielen der Deutschen in der Karibik. Wie ist der aktuelle Stand im Vergleich zum Vorjahr?
Er ist wie überall dramatisch eingebrochen. Wie liegen touristisch gesehen 95 Prozent im Minus.

Damit ist der Tourismus praktisch zum Erliegen gekommen?
Ja, es gibt ja bislang auch keine direkten Flüge mehr aus Deutschland. Wir hoffen jetzt, dass Condor wie geplant ab Dezember wieder nach Punta Cana fliegt und die Urlauber wiederkommen. Ab Zürich haben wir derzeit einmal die Woche einen Flug von Edelweiss nach Punta Cana. Aber die Auslastung ist natürlich nicht wie vorher. 

Wie wirkt sich speziell die Reisewarnung des Auswärtigen Amts auf die Urlauber aus?
Es ist in der Tat so, dass die Deutschen mit der Reisewarnung sehr zurückhaltend sind. Sie wollen zwar Reisen, aber es ist einfach schwierig, wenn eine Reisewarnung vorliegt. Und für uns ist es somit auch schwer, eine Destination touristisch anzukurbeln.

Hoffnung bringt ein neuer Tourismusminister mit neuen Konzepten.
Der neue Tourismusminister David Collado war vorher lange Jahre Bürgermeister der Hauptstadt Santo Domingo und bringt viel Erfahrung im Tourismussektor mit. Er saß auch im touristischen Ausschuss des Parlaments und ist also mit den Problemen gut vertraut.

Was wurde in Coronazeiten gemacht und welche Konzepte gibt es?
Wir haben einiges neu eingeführt, umfangreiche Hygieneprotokolle und Maßnahmen für alle touristische Regionen implementiert und zertifiziert. Schon bei der Einreise am Flughafen gibt es neue Maßnahmen.

Zum Beispiel?
Bei der Einreise einfällt etwa die Vorlage eines negativen PCR-Tests. 

Wie kommt das? Andere Länder sind da wesentlich strenger.
Ja, das hatten wir auch, aber wir haben das jetzt durch stichpunktartige Atemtests am Flughafen ersetzt.

Atemtests? Hilft das tatsächlich?
Ja, sicher. Wir sind hier Vorreiter mit einer innovativen Technologie. Dazu gehört natürlich die Maskenpflicht, Distanzregeln und sehr strenge Hygienemaßnahmen am Flughafen selbst. Das Ganze zieht sich über die ganze Reisekette hinweg, vom Flughafen über den Transfer zum Hotel bis hin zu den Ausflügen. Die strengen Hygieneprotokolle wurden von Bureau Veritas implementiert. Das ist eine international anerkannte Agentur mit Sitz in Deutschland. Als Experten haben sie sich auf die Touristikbranche spezialisiert und garantieren, dass alles nach Best-Practice-Erfahrungen umgesetzt wird.

Die Regierung hat also eine Spezialagentur beauftragt, um detaillierte und hochwertige Maßnahmen für das Land zu planen?
So ist es. Wir machen das zusammen und zertifizieren auch alles. Das ist ein Garant für die Wirksamkeit der Maßnahmen, die wir seit dem 15. September umsetzen. Das ist ein Teil des Plans zur Wiederbelebung des Tourismus. Dazu gehört zum Beispiel auch eine Reiseversicherung für alle Hotelgäste. Sie übernimmt die ganze Notfallversorgung, die telefonische Beratung bei einem Verdacht auf eine Covid-19-Infektion und beinhaltet auch Flugumbuchungskosten sowie Hotelverlängerungskosten. Unser Ziel ist, in der Dominikanischen Republik den Tourismus verantwortungsvoll zu reaktivieren. Alle Hotels müssen übrigens diese gesetzlichen Auflagen erfüllen. Darüber hinaus haben einzelne Anlagen noch eigene weiterführende Maßnahmen.

Es gibt die Forderung von Jens Spahn und anderen Politikern, weniger ins Ausland zu reisen, mit der Begründung, man würde sonst das Virus nach Deutschland einschleppen. Was sagen Sie dazu?
Das muss man sehr deutlich differenzieren, um dem Tourismus nicht noch mehr zu schaden. Wenn Sicherheitsmaßnahmen und Hygieneprotokolle eingehalten werden und so streng und auch noch zertifiziert sind wie bei uns, würde ich mir gar keine Gedanken über den Urlaub in einem Land machen.

Sie würden also eher in der Dominikanische Republik Urlaub machen als in Bayern oder Berlin?
Auf jeden Fall! In Bayern sind die Infektionszahlen viel höher. Wir haben die Zahlen pro touristische Region in der Dominikanischen Republik kürzlich veröffentlicht, und das zeigt deutlich, dass die touristischen Regionen einen sehr niedrigen Infektionsstand haben.

Was heißt sehr niedrig?
Zum Beispiel in Punta Cana sind es fünf Neuinfektionen innerhalb einer Woche. Alle fünf touristischen Regionen zusammen tragen nur 0,8 Prozent zum Infektionsgeschehens im ganzen Land bei. Das ist wirklich wenig und entspricht auch den Kriterien in Deutschland, um die Reisewarnung aufzuheben. Deswegen plädieren wir für eine Luftbrücke, einen sicheren Korridor für Reisen in diese Regionen der Dominikanischen Republik.

Bedeutet das, dass Urlauber andere Teile des Landes eher nicht bereisen sollten?
In Coronazeiten kann man das nicht empfehlen. Das ist zwar eine sehr schöne Vorstellung, und es gibt viele Regionen, die quasi Covid-frei sind, dorthin kann man ohne Probleme einen Ausflug machen. Aber eine Inseltour so wie früher würde ich nicht empfehlen – man sollte es  icht übertreiben. Ausflüge in einzelne touristische Regionen unterliegen jedoch strengen Hygieneprotokollen und sind damit sehr sicher.

Reisebüros in Deutschland könnten die Dominikanische Republik also offensiv anbieten?
Auf jeden Fall! Unser einziger Hinderungsgrund ist die Reisewarnung des Auswärtigen Amts.

Seit dem 9. Oktober hat zumindest die Schweiz ihr Land von der Liste der Risikogebiete gestrichen. 
Die Dominikanische Republik wurde tatsächlich von der Liste der Risikogebiete des Schweizer Bundesamts für Gesundheit (BAG) gestrichen und die bisher geltende Rückreise-Quarantänepflicht für Schweizer Urlauber zum 12. Oktober aufgehoben. Das liegt daran, dass die aktuellen Zahlen des Tourismusministeriums belegen, wie sehr die Zahl der gemeldeten Neuinfektionszahlen in den touristischen Regionen zurückgegangen sind. Jetzt wird Edelweiss die Flugverbindungen bis Dezember auf drei wöchentliche Abflugtage erhöhen.

Airlines und Ferienflieger ziehen also schnell nach?
Ja, unsere Maßnahmen kommen sehr positiv an. Die Dominikanische Republik ist mit diesem Paket wirklich Vorreiter im gesamten touristischen Segment. Vorgesehen ist jetzt auch, dass  Flüge mit Condor ab dem 18. Dezember starten.

Sie verreisen persönlich viel. Wie haben Sie die Coronazeit erlebt?
Ich muss wirklich gestehen, ich habe bis auf Maskentragen keine wirklichen Einschränkungen erlebt. Noch nicht einmal beim Fliegen waren die Einschränkungen groß. 

Haben Sie keine Angst, sich mit dem Virus anzustecken?
Nein. Natürlich sollte man sich immer schützen und die AHA-Regeln beachten. Ich halte sie überall ein, auch auf Reisen. Aber in Angst zu leben, das will keiner.

Trotzdem gibt es Menschen, die das als große Einschränkung erleben.
Natürlich ist jeder anders persönlich betroffen und jeder muss mit den Konsequenzen bestmöglich und nach eigenem Ermessen umgehen. Dennoch plädiere ich dafür, dass man vor lauter Angst nicht vergisst, das Leben zu genießen, zumal uns Covid-19 aller Voraussicht nach noch eine Weile begleiten wird. Solange wir uns an alle die Hygienemaßnahmen halten, ist meines Erachtens ein relativ normaler Alltag möglich.

Wo können sich die Reisebüros über den aktuellen Stand in der Dominikanische Republik informieren?
Auf der Website gibt es einen neuen Bereich, wo alle Themen rund um Corona zusammengefasst sind. Wir haben auch unsere E-Learning-Plattform neu gestaltet, man kann sich dort als Dominikanische-Republik-Travel-Experte zertifizieren lassen. Und in Deutschland haben wir mit dem Arbeitsgemeinschaft Karibik schon einige Webinare durchgeführt. Wir haben also den Kopf nicht in den Sand gesteckt!

Auf der Website gibt es auch einen neuen Reiter „Virtuelles Land“. Was ist das genau?
Das ist eine tolle Geschichte, die wir vor einigen Wochen gelauncht haben. Hier kann man mit 360-Grad-Videos virtuelle Touren durch das Land unternehmen. Das wird viel genutzt, vor allem als Inspiration. Reisebüros können das bei der Beratung einsetzen.

Wir danken fürs Gespräch!