Die Neudenker: DIGITALISIERUNGS-SERIE

Folge 02: Social Media für Reisebüros

Social Media für die Reisebranche. Über Facebook und Instgram, und was das bringt.

Folge 02: Social Media für Reisebüros
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»Ich habe eine Website, eine Facebookseite, einen Instagramkanal und betreibe Newsletter-Marketing, also bin ich digital aufgestellt.« Digital zu existieren bedeutet aber in der Welt von heute weder zwangsläufig, Teil einer Community zu sein und zielgruppenkonform zu kommunizieren, noch lassen sich automatisch Neukunden akquirieren, Bestandskunden binden oder eine bessere Service-Level erreichen. Mit einem einfachen Ist-Zustand in der Welt der neuen Medien legt man maximal eine Basis an. Es ist der einfache Startpunkt für die Online-Welt. Doch wie man die sozialen Medien richtig einsetzt und für sich nutzt, ist deutlich aufwendiger als es anfangs erscheinen mag.

Bitte bringen Sie die Sitze nun in eine aufrechte Position und klappen Sie die Tische hoch! Wir starten jetzt!

01. Digital... what?!
Lange hat ein Großteil der Reisebranche das Thema Digitalisierung und vor allem auch Social Media von sich weggeschoben: Wir, die alteingesessenen, analogen, nah am Menschen und ihr, die großen Onliner, mit Chatbots und neumodischen Tools, die Versuchen, den Markt für sich einzunehmen. Die Wahrheit ist: Der Tourismus, die Reisebranche – sie ist längst ein großes Ganzes. Die Welt lässt sich nicht mehr in On- und Offline einteilen, stationär und online, wir und die. Zur Branche gehören die großen und kleinen Onliner ebenso wie die Analogen. Aber Achtung: Nur wer sich heute auf den digitalen Wandel einlässt, wird morgen auch überleben. Auf geht‘s!

02. Was ist Social Media eigentlich?
Social Media ist nicht Facebook, Instagram, Pinterest, Snapchat, TikTok und Co. Social Media ist eine grundlegend neue Form der Kommunikation. Social Media ist das soziale Bindeglied in einer Welt aus Einsen und Nullen, das dem User Persönlichkeit und Individualität vermittelt. Unternehmen und Kunde kommunizieren, und beide Seiten werden Teil einer größeren Community. Zudem ist es das hocheffiziente Kommunikationstool des 21. Jahrhunderts. Noch nie konnte man so direkt und zielgerichtet mit Zielgruppen Kontakt aufgenommen wie heute. Jeder kann seine Geschichten teilen und mit einem Schlag eine große Zahl von Usern erreichen. Das ist nicht nur effizient, sondern ganz nah am User und Kunden. Anders als Bücher, Magazine, TV und Radio, die auch viele Nutzer, Leser und Anwender erreichen, besteht Social Media vor allem aus User-generated  content. Das bedeutet, der User selbst erstellt Inhalte und konsumiert gleichzeitig. Aus einem medialen Monolog wird ein sozio-medialer Dialog. Aus einem Sendemast wird gleichzeitig eine Empfangsanlage. #community.

03. Und welchen Mehrwert haben Reisebüros dadurch?
Noch nie konnte die Kundenkommmunikation so effizient, authentisch und zielgerichtet gestaltet werden wie mit Social Media. Kreative Postings inspirieren den User, lassen ihn teilhaben und zum Fan werden. Wenn es das Reisebüro schafft, die Inspirationen und Informationen mit Persönlichkeit zu verknüpfen, dann wird Social Media zum Erfolgsfaktor. Durch vielfältige Werbemöglichkeiten sowie ausgefeilte Algorithmen in der Ausspielung und Reichweite, sind die gängigen Plattformen heute auch kommerzialisiert. Sie sind keine reine soziale Community mehr. Das ist kein Nachteil, denn Reisebüros können bei Bedarf zielgerichtete Anzeigen schalten, die potentielle Zielgruppe ansprechen und auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen. #targeting. Tipp: Wie man Werbung auf Facebook schaltet 

04. Facebook: Beratung, Service, Vertrieb. Läuft.
Das soziale Netzwerk Facebook ist eine Weltinstanz. Allein in Deutschland wird die Plattform von etwa 32 Millionen Menschen genutzt. Das heißt, dass sich mehr als ein Drittel der Deutschen auf Facebook tummelt. Damit sind sie auch potentielle Kunden der Unternehmen, die sich auch dort befinden. Also ein riesiger Markt. Für Reisebüros kann Facebook eine kostengünstige Servicestelle sein. Durch die Aktivierung automatischer Chatfunktionen kann man außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten automatisiert mit Kunden und Usern kommunizieren, Anfragen in Echtzeit beantworten. Durch die Einbindung eines Tools, das die Terminvereinbarung automatisiert, wird ein weiterer Dienst geschaffen. Urlaubsangebote können hier eingebunden und mit einer Buchungsstrecke verknüpft werden. Klingt nach Futureshit? Nein, das geht wirklich! Tipp: Wie aktiviere ich die Funktion Sofortnachrichten?

05. Instagram als First-Touch-Medium 
Instagram ist kein Vertriebskanal, es wird eher als First-Touch-Medium definiert. Die Plattform ist fester Bestandteil einer guten Kommunikationsstrategie. Kaum eine Branche hat so viele Geschichten zu erzählen wie die Reisebranche. Auch Stammkunden, die den »First Touch« schon hinter sich haben, freuen sich über visuelle Eindrücke und Stories. Instagram hilft vor allem bei der Steigerung der Markenbekanntheit und des Images. Urlaubsbilder, Inspiration, Eindrücke der Zielgebiete, Hotelaufnahmen – alles geht. Aber vor allem kann man hier den Unique Selling Point eines jeden Reisebüros herausstellen: Die Mitarbeiter und deren Expertise. So lassen sich Schwerpunkte und Knowhow nach außen tragen. Für passende Bilder dienen Kundenabende, Messen und andere Events im Job, die eine persönliche Geschichte erzählen. Videotipp: Alles, was du Instagram wissen musst

06. Insta-Fame? Vergesst die Follower.
Community first. Es geht nicht zwingend darum, so viele Follower wie möglich zu haben; sondern darum, eine qualitativ wertvolle Community aufzubauen, die sich nicht nur für das Thema Reise, sondern vor allem auch für eure persönliche Perspektive und Dienstleistung interessiert. Eine Community wächst langsam, aber stetig. Lieber 200 oder 500 echte Follower, als das Zehnfache, das eigentlich kein Interesse am Thema hat und nicht interagiert. Über Tools wie IG-Stories kann man seine Community direkt ansprechen, Fragen stellen oder über Abstimmungen Trends einholen. Bei diesem Network wird das Wort Social noch sehr konkret umgesetzt. Instagram ist ein Ort des Dialogs. Reines Bilderposing reicht nicht, der Austausch ist wichtig. Videotipp: So erstellt man Instagram-Stories

07. Warum es so wichtig ist, Experten zu vertrauen
Vielen Social-Media-Usern fehlt es am kreativen Ansatz – und das ist kaum zu kritisieren. Ein kaufmännischer Angestellter, ein BWLer, ein Reiseverkehrskaufmann ist nicht darauf geschult, das, was ihm umgibt thematisch umzudeuten oder besser noch, neu für die Kommunikation zu erschaffen. Er weiß schlicht nicht, was er tun soll. Aber dafür gibt es Experten. Gute Kommunikation kann einfach sein, wenn man zuhören kann und sich beraten lässt. Was man braucht: Mut und Vertrauen. Und die Bereitschaft, die Zügel mal aus der Hand zu  eben und sich anzupassen. Digitalisierung ist kein unüberwindbarer Berg, sondern eine Chance, die eigenen Ziele neu zu definieren. Die Reisebranche hat tolle Geschichten zu erzählen. Sie muss nur lernen, wie und wo sie das tut. Check it Out: Die Experten 

MARVIN SCHÖNBERG ist Kommunikationsdesigner und hat Tourismus Turn 2019 in Berlin gegründet. Der Kommunikationsdesigner kennt sich hervorragend in der Reisebranche aus. Im August 2019 hat er seine wissenschaftliche Arbeit abgeschlossen. Das Thema: „Turn Method – das Reisebüro im Wandel“ .

MAREN MERKEN ist Sprachwissenschaftlerin und Mitgründerin von Tourismus Turn. Als Kommunikationsexpertin hat sie seit zehn Jahren Erfahrung in PR, Journalismus und Social Media gesammelt und berät heute Agenturen und Reisebüros in Sachen Content Creation.

www.tourismus-turn.de